Winterthur

Zürcher Staatsanwalt rüffelt Winterthurer Kollegen wegen Versäumnissen

Ein Mann blieb monatelang auf freiem Fuss, obwohl er in Winterthur eine Gewalttat verübt hatte und kurz in Polizeigewahrsam war. Die Oberstaatsanwaltschaft will den Fall nun «intern nachbearbeiten».

Kritik aus Zürich: Gebäude der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland. Bild: Marc Dahinden

Kritik aus Zürich: Gebäude der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland. Bild: Marc Dahinden

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Vor einem Jahr hatte ein junger Mann im Winterthurer Neuwiesen-Quartier einen Kollegen blutig geprügelt, gestern wurde er dafür vom Bezirksgericht verurteilt. Beim Prozess kritisierte der Zürcher Staatsanwalt, der die Anklage vor Gericht vertrat, die Winterthurer Behörden. Dass es nach der Gewalttat seitens der Behörden offenbar mehrere Versäumnisse gegeben habe, sei «unverständlich und schwer nachvollziehbar».

Der Hintergrund: Der Täter wurde zwar kurz nach der Prügelattacke von der Stadtpolizei Winterthur verhaftet und blieb eine Nacht in Haft, doch bereits am nächsten Morgen wurde er ohne Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland wieder entlassen. Der Grund dafür ist nicht bekannt.

Späte Verhaftung, keine Untersuchung

Der Mann, damals ohne festen Wohnsitz, blieb daraufhin ganze fünf Monate lang auf freiem Fuss. Erst als sich die Zürcher Staatsanwaltschaft IV für Gewaltdelikte mit dem Fall zu befassen begann, wurde er umgehend polizeilich ausgeschrieben und konnte schliesslich im November verhaftet werden. Die Zeit seither verbrachte er im Gefängnis, auch zur Verhandlung erschien er in Handschellen (mehr zum gestrigen Prozess am Bezirksgericht inkl. Urteil können Sie hier lesen).

Die Kritik des Zürcher Staatsanwalts ging weiter ins Detail: Neben der fehlenden Einvernahme seien beim Beschuldigten nach der Tat auch keine Blut- und Urinproben genommen worden und es habe keine rechtsmedizinische Untersuchung stattgefunden.

Ob es Versäumnisse und Fehler gab, bestätigte gestern keine Behörde direkt. Die Zürcher Oberstaatsanwaltschaft betonte aber am Nachmittag auf Anfrage des «Landboten», dass man nach der gerichtlichen Beurteilung eine «interne Nachbearbeitung» machen werde um, soweit dies erforderlich sei, «die Lehren für die Zukunft zu ziehen». Bei der Stadtpolizei Winterthur wollte man sich «aufgrund des laufenden Verfahrens» nicht äussern.

Erstellt: 07.06.2019, 12:05 Uhr

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