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Zuhören und Wärme vermitteln

Seit zwanzig Jahren kümmert sich die Vereinigung Begleitung Kranker um die Unterstützung und Ablösung von Betreuungspersonen.

Engagieren sich im Präsidium: Annemarie Bossart und Gabriela Kobel.

Engagieren sich im Präsidium: Annemarie Bossart und Gabriela Kobel. Bild: zvg

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Wer einen Schwerkranken daheim pflegt, kommt dabei irgendwann an seine Grenzen. Rund um die Uhr für eine Person da zu sein ist anstrengend, besonders wenn es dem geliebten Menschen schlecht geht. Die Vereinigung Begleitung Kranker Winterthur Andelfingen (VBK) ist ein Verein, der in solchen Fällen Entlastung und Unterstützung anbietet. Freiwillige lösen die Betreuenden für einige Stunden ab, damit diese sich erholen oder einmal abschalten können. «Ich habe beispielsweise kürzlich über längere Zeit einen schwer dementen Mann betreut, dessen Frau sich in dieser Zeit regelmässig bei einem Patchworkkurs entspannt hat», sagt Annemarie Bossart, die Vizepräsidentin des Vereins. Präsidentin Gabriela Kobel erzählt von einem Einsatz, den die betreuende Ehefrau jeweils dazu nutzte, etwas Schlaf nachzuholen. Oft seien die Leute auch einfach nur froh, wenn mal jemand da ist, der ihnen zuhört und Wärme und Anteilnahme vermittelt. «Kranke und Sterbende brauchen mehr als nur medizinische Betreuung.»

«Dadurch, dass wir über einen gewissen Zeitraum regelmässig bei den Menschen daheim sind, wird man ein Teil des Ganzen», sagt Annemarie Bossart. Dem könne man sich nicht entziehen. Manchmal sei das auch belastend, besonders wenn es sich um Patienten handelt, bei denen es aufs Ende zugeht. «Wir bekommen aber auch viel positives Feedback und Dankbarkeit zu spüren.» Zuhören und einfach da sein sei eine ganz wichtige Aufgabe. Um die eigene Betroffenheit oder schwierige Situationen gut bewältigen zu können, werden vom Verein aus Supervisionen angeboten. Auch interne Aus- und Weiterbildungskurse hat die Vereinigung im Angebot.

Kernstück ist dieEinsatzzentrale

Eigentliche Pflegemassnahmen sind durch die VBK nicht vorgesehen, einfache Verrichtungen können nach persönlicher Absprache aber schon übernommen werden. «Wenn beispielsweise jemand im Sterben liegt, befeuchten wir selbstverständlich die Lippen, oder begleiten jemand zur Toilette», sagt Kobel. Die Einsätze sind unterschiedlich lang. Es können zwei Stunden, aber auch schon mal acht Stunden sein, in denen die Freiwilligen im fremden Haushalt anwesend sind. Auch für gelegentliche Nachtdienste stehen sie zur Verfügung. Im Jahr 2015 wurden 1780 Stunden lang 31 Patienten von 21 Betreuerinnen und einem Betreuer begleitet.

Spitex-Dienste, Ärztinnen, Ärzte und Angehörige von Pflegebedürftigen können die Betreuerinnen und Betreuer anfordern. Kernstück ist die Einsatzzentrale. Das Handy mit der Telefonnummer 079 776 17 12 trägt immer eine der zwei bis drei Einsatzleiterinnen bei sich. «Wenn jemand anruft, klären wir den Bedarf ab und organisieren einen Einsatz», sagt Bossart. Das könne auch recht kurzfristig geschehen.

Über welchen Zeitraum ein Einsatz geht, sei unterschiedlich und nicht immer vorhersehbar. Bei Alzheimer-, Parkinson-, ALS-, MS- oder einfach alterschwachen Patienten könne es manchmal sehr lange sein. In anderen Fällen wird die VBK explizit zur Begleitung von Menschen aufgeboten, die zum Sterben vom Spital heimkommen.

Die Einsätze sind für die Patienten kostenlos. Manchmal würden ihnen unnötigerweise Geld oder Geschenke angeboten. «Ich sage dann immer, sie sollen lieber bei uns im Verein Mitglied werden oder etwas spenden», sagt Bossart. Lediglich Spesen werden den Freiwilligen vergütet, das gilt auch für den Vorstand, in dem zur Zeit sechs Personen engagiert sind.

www.begleitung-kranker.ch (Der Landbote)

Erstellt: 19.02.2017, 16:26 Uhr

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