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Livekonzert-StreamingFrühlingsstimmen aus der Klosterkirche Rheinau

Mit Internetkonzerten unterhält der Organist Christian Gautschi nicht nur seine Gemeindemitglieder. Er nutzt die Corona-Krise für eine musikalische Kirchen-Tour durch die Region.

Der Kirchenmusiker Christian Gautschi spielt am Sonntag in der Klosterkirche Rheinau die barocke Chororgel.
Der Kirchenmusiker Christian Gautschi spielt am Sonntag in der Klosterkirche Rheinau die barocke Chororgel.
Foto: Stefan Baur

«Zu Beginn ging es mir wie vielen anderen: Man fühlt sich machtlos, ein wenig hilflos und hat Angst. Praktisch jeden Tag musste ich Anlässe, Gottesdienste oder Proben absagen.» Das berichtet der Kirchenmusiker Christian Gautschi aus Rafz. Doch der 33-Jährige blieb nicht untätig: Um seine eingeübten Orgelprogramme trotz Corona-Massnahmen noch zu Gehör zu bringen, organisiert er Internet-Livestreamings, so auch am kommenden Sonntag um 13 Uhr aus der Klosterkirche Rheinau.

Während er seine Chorproben via Videokonferenz abhält, spielt er in Kirchen in der Region persönlich, um Menschen übers Internet aufzumuntern. Vergangenen Sonntag präsentierte er eine Operettengala mit Melodien von Johann Strauss, Carl Millöcker und auch weniger bekannten Komponisten. Ganz dem Zeitgeist entsprechend, stellte er seinen Vortrag unter das Motto «Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist» aus der Operette «Die Fledermaus». Das knapp einstündige Programm aus der Reformierten Kirche Buchberg-Rüdlingen kann über Gautschis Webseite oder seinen YouTube-Kanal nachgeschaut werden.

Christian Gautschi gestaltet wegen der Corona-Krise eine Online-Orgelkonzert-Reihe aus verschiedenen Kirchen
Christian Gautschi gestaltet wegen der Corona-Krise eine Online-Orgelkonzert-Reihe aus verschiedenen Kirchen
Foto: Stefan Baur

Stefan Baur ist für die Kameraführung verantwortlich und zeigt die Kirche bei jedem Stück aus einem anderen Blickwinkel. «1972 brannte die Kirche ab», erklärt Gautschi die moderne Einrichtung. Damals fertigten 40 Frauen aus beiden Dörfern während neun Monaten in rund 3000 Arbeitsstunden die Wandteppiche über dem Kanzeltisch an. Sie zeigen die sechs Tage aus der Schöpfungsgeschichte. «Auch die Orgel ist darauf bezogen», ergänzt der Musiker, «sie ist mit Vögeln und Trauben verziert, die für den Rebberg stehen, auf dem sich die Kirche befindet.»

Seltene Werke auf historischen Instrumenten

In der Klosterkirche Rheinau wird er auf beiden Orgeln spielen, barocke Werke von Leopold Mozart, Joseph Haydn sowie aus dem Fitzwilliam Virginal Book. Das Programm hat Gautschi mit «Frühlingsstimmen» überschrieben: «Man erkennt viele Stimmen der Vögel, dafür ist die Orgel bestens geeignet, auch den Hirten und allerlei Blumiges im Wald.» Für ihn als Organisten sei es wichtig, dass man nicht nur Bach spiele, sondern quasi alle Register ziehe – von Schweizer Volksweisen bis zu Filmmusik, von den ersten Orgelwerken um 1300 bis hin zu zeitgenössischen Kompositionen. Der geborene Aargauer beschäftigt sich mit dem Orgelspiel, seit er 14 Jahre alt ist und ihn das Klavierspiel nicht mehr erfüllte. Er absolvierte Master-Studiengänge in Orgel und Orgelimprovisation sowie Musikpädagogik an der Zürcher Hochschule der Künste.

Christian Gautschis Orgeltournee geht weiter, jeweils sonntags um 13 Uhr, mindestens noch im Mai. Er freut sich darauf, den Zuhörern und Zuhörerinnen ganz verschiedene Klangwelten vorzustellen, so zum Beispiel die historische Orgel der Reformierten Kirche Schleitheim («Schätze unbekannter Meister der Romantik») am
3. Mai.

Sonntag, 26. April, 13 Uhr, «Frühlingsstimmen» aus der Klosterkirche Rheinau. www.christiangautschi.ch

Auch die Rheinauer Hauptorgel von 1715 wird der Organist Christian Gautschi bedienen.
Auch die Rheinauer Hauptorgel von 1715 wird der Organist Christian Gautschi bedienen.
Foto: Stefan Baur