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Landluft-KolumneGebüsst, bezahlt, verloren

Wieso es sich manchmal lohnt, sich zu wehren, auch wenn es nicht gerecht ist.

Die Landluft windet die Kühe durch die Luft.
Die Landluft windet die Kühe durch die Luft.
Illustration: Ruedi Widmer

Wer auf der Strasse zu schnell unterwegs ist, wird gebüsst. So weit, so bekannt, so fair. Über die teilweise hohen Bussen am Thurweg in Andelfingen, wo das Tempo zwei Monate lang von 50 auf 30 reduziert worden ist, regten sich einige Anwohnerinnen und Anwohner trotzdem öffentlich auf. Das kann man machen – man gewinnt mit Blick auf den klaren Regelverstoss aber sicher nicht nur Sympathien.

Sie müsse 250 Franken Busse bezahlen und habe kein Geld, um dagegen Einsprache zu erheben, beklagte sich eine der Gebüssten. «Ja, dann fahr halt aufmerksamer», kommt man kaum umhin zu denken. Auch der Gemeindepräsident fand: «Lustig, dass sich Leute wegen ihrer Bussen an die Zeitung wenden.»

Doch dann die überraschende Wende: Wer trotzdem Einsprache erhoben hat, bekam von der Statthalterin recht und muss seine Busse nicht bezahlen. Ein formaler Fehler führt dazu, dass die Anordnung der Temporeduktion als ungültig beurteilt worden ist.

Durch dieses rechtliche Schlupfloch entkamen mindestens zwei Schnellfahrer, deren Strafverfahren eingestellt worden sind. Wer sich nur laut oder leise aufgeregt, aber die Busse akzeptiert hat, der erhält sein Geld indes nicht zurück – das Verfahren ist rechtskräftig.

Und jetzt fragt man sich unweigerlich: Ist das denn gerecht? Die Schnellfahrer betonen, sie seien immer verantwortungsvoll unterwegs gewesen. Aber schliesslich sollte das reduzierte Tempo Schulkinder, Spaziergänger und Badegäste schützen. Langsamer fahren schadet niemandem, überfahren werden schon. Deshalb die Moral von der Geschicht’: Recht ist manchmal nicht gerecht, aber wenn es blitzt meistens schon.