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Kommentar zu Türkei und GriechenlandGefährliche Solidarität

Im Streit um die Seerechte im Mittelmeer sind Gut und Böse nicht eindeutig verteilt. Auch Griechenland überreizt seine Rechte und provoziert.

Die Türkei schickte ihr Forschungsschiff Oruc Reis in Begleitung eines Marineverbandes auf die Suche nach Erdgasvorkommen im Mittelmeer.
Die Türkei schickte ihr Forschungsschiff Oruc Reis in Begleitung eines Marineverbandes auf die Suche nach Erdgasvorkommen im Mittelmeer.
Foto: Reuters

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan, vor langen Jahren ein Liebling der EU, hat in Europa schon lange keine gute Presse mehr. Und das zu Recht. Erdogans skrupellose Einmischung in den Bürgerkrieg in Libyen, die Rückumwandlung der Hagia Sophia von einem Museum in eine Moschee und die Beschneidung der Meinungsfreiheit in der Türkei sprechen für sich.

All das darf aber nicht Vorwand sein, bei allen Konflikten den Schuldigen automatisch in Ankara zu verorten. Die türkische Rechtsposition im Streit mit den Nachbarstaaten Griechenland und Zypern ist nicht so schlecht. Vor einem Schiedsgericht hätte Ankara gute Chancen, einen Teil seiner Ansprüche auf das Gas im Mittelmeer durchzusetzen. Und der Streit um die Erdgasvorkommen im Mittelmeer wird nicht allein von der Türkei angeheizt. Griechenland betreibt bei der Festlegung seiner Seegrenzen eine Politik des Maximalismus, der völkerrechtlich nicht gedeckt ist. Auch Athen schickt Kriegsschiffe, hält Flottenmanöver ab. Als EU-Mitglied kann sich Griechenland trotzdem der «vollen Solidarität Deutschlands und der EU» sicher sein, wie der deutsche Aussenminister Heiko Maas bei seiner erfolglosen Vermittlungsmission erklärte.

Aus türkischer Sicht war das eine diplomatische Meisterfehlleistung. Wenn sich Frankreichs Präsident Emmanuel Macron dann auch noch als eine Art Napoleon 2.0 geriert, Kriegsschiffe schickt und erklärt, die Türken verstünden nur eine «klare Sprache», dann sollte sich keiner wundern, wenn im Mittelmeer demnächst geschossen wird.

20 Kommentare
    Adrian Richter

    Mann möchte die Türkei nicht in der EU haben, aber trotzdem den Türken alles vorschreiben was sie zutun haben.