Opfikon

Gegen den Mietzinswucher

Die Stadt Opfikon hat einen Vermieter angezeigt, der zu hohe Mietzinsen von Flüchtlingen und Sozialhilfebezügern verlangte. Er habe die Notlage der Bewohner in stossender Art und Weise ausgenutzt.

Mit dem Vermieter dieser Liegenschaft ist die Stadt Opfikon derzeit in Verhandlung, um eine Mietzinsreduktion zu erwirken.

Mit dem Vermieter dieser Liegenschaft ist die Stadt Opfikon derzeit in Verhandlung, um eine Mietzinsreduktion zu erwirken. Bild: Madeleine Schoder

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Heruntergekommene und verdreckte Wohnblöcke in Zürich, in denen horrende Mieten verlangt wurden, sorgten vor einigen Monaten für Entsetzen. Aber auch das Unterland hat Fälle von Mietzinswucher zu bieten, wie das Beispiel Opfikon zeigt. Die Stadt machte Schlagzeilen, weil sie beschloss, die Beiträge von Sozialhilfebezügern zu kürzen. Dies, um Druck auf Vermieter zu üben, die Mietzinsen zu senken. So verlangt zum Beispiel ein Vermieter von Wohnungen in einem alten Haus an der stark befahrenen Schaffhauserstrasse für eine Fünfzimmerwohnung 4250 Franken monatlich.

Wie der «Beobachter» in seiner neuesten Ausgabe schreibt, hat die Stadt nun eine Anzeige gegen einen Vermieter wegen Mietzinswuchers eingereicht. Gerd Bolliger, Leiter der Opfiker Sozialabteilung, präzisiert gegenüber dem ZU, dass es sich nicht um das erwähnte Haus an der Schaffhauserstrasse handelt, sondern um eine andere Liegenschaft, in der Sozialhilfebezüger wohnen. Wo diese sich befindet, sagt er nicht.

Wände voller Schimmel

«Der Vermieter, gegen den wir eine Strafanzeige eingereicht haben, hat in stossender Art und Weise die Notlage der Bewohner ausgenutzt», sagt Bolliger. So sei nicht nur die Miete überrissen, die Zimmer seien baurechtlich gar nicht bewilligt worden. Ausserdem sind laut Bolliger die Wände voller Schimmel und die Beleuchtung ist mangelhaft. Bei den Bewohnern handle es sich zum Teil um Sozialhilfebezüger, aber nicht um Asylsuchende oder Flüchtlinge, betont Bolliger.

Es gebe mehrere Liegenschaften in der Stadt, in denen die Mietzinsen über der Richtlinie der Sozialbehörde lägen. Gegen die anderen Gebäudebesitzer habe man keine Klage eingereicht. «Wir mussten uns überlegen, in welchen Fällen eine Strafanzeige aussichtsreich erscheint», sagt Bolliger. Die Stadt sprach deshalb mit dem Mieterverband und liess sich juristisch beraten.

Beim Haus an der Schaffhauserstrasse, in dem unter anderem sechs Asylsuchende und vorläufig Aufgenommene leben, habe man von einer Klage abgesehen – auch dort sei der Mietzins zwar überrissen, aber der Vermieter sorge für Sauberkeit und Ordnung in der Liegenschaft. Derzeit führt die Stadt Gespräche mit dem Vermieter um eine Reduktion der Mietzinsen. Sie will erst nach Abschluss der Verhandlungen weiter informieren. Auch mit anderen Vermietern ist die Stadt im Gespräch.

Per 1. April weniger Geld

Opfikon hat die Beiträge für Mietzinsen um bis zu 470 Franken reduziert. So erhält zum Beispiel ein Haushalt von fünf Personen neu maximal 1900 Franken für die Miete. Eine Einzelperson, die in diesem Haushalt wohnt, bekommt dementsprechend höchstens 380 Franken. Bisher wurden bis zu 850 Franken gezahlt.

Der Beschluss der Sozialbehörde hätte per Oktober umgesetzt werden sollen, jedoch wurde den Betroffenen wegen der laufenden Verhandlungen mit den Vermietern mehr Zeit gewährt. Die Stadt informierte die Betroffenen, dass die neuen Regeln ab 1. April gelten. Wenn sie bis dahin keine neue Wohnung finden, könnte die Stadt zumindest einige von ihnen kurzzeitig in einer Notunterkunft wohnen lassen. ()

Erstellt: 07.03.2016, 20:12 Uhr

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