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Schulschliessungen im FlaachtalGegner wollen mit kühner Rechnung alle Schulen retten

Drei von fünf Schulhäusern droht die Schliessung. Eine Interessengemeinschaft will dies verhindern. Doch ihre Alternative überzeugt eine Schulleiterin wenig.

Nach der Informationsveranstaltung vom Dienstagabend in Buch am Irchel: Im Hintergrund steht ein Car, der Veranstaltungsteilnehmer zurück in die Gemeinde Dorf fahren wird.
Nach der Informationsveranstaltung vom Dienstagabend in Buch am Irchel: Im Hintergrund steht ein Car, der Veranstaltungsteilnehmer zurück in die Gemeinde Dorf fahren wird.
Foto: Markus Brupbacher

Am Dienstagabend hatte die Flaachtaler Interessengemeinschaft (IG) «Lass die Schulen im Dorf» ihren grossen Auftritt. So präsentierte sie in Buch am Irchel ihren schon vor Monaten angekündigten alternativen Vorschlag, wie die drohende Schliessung von drei der fünf Schulstandorte im Tal abgewendet werden soll.

Die Schulpflege will die Standorte in Berg am Irchel, Dorf und Volken schliessen und im Gegenzug jene in Buch am Irchel und Flaach für geschätzte sechs bis acht Millionen Franken erweitern. Der Grund für die Schliessungspläne: Das kantonale Volksschulamt (VSA) ist nicht länger bereit, die zu kleinen Klassen im Flaachtal weiterhin mit vielen zusätzlichen Stellenprozenten für die Lehrpersonen zu finanzieren.

«Spätestens 2024 müssen wir mit zwei Klassen weniger kutschieren.»

Daniel Heuer, Schulpflegepräsident

Mit der Zusammenlegung der Schulstandorte in Buch und Flaach sollen zwei Klassen eingespart werden, um die Vorgaben des Kantons zu erfüllen. «Fakt ist», sagte Schulpräsident Daniel Heuer zu Beginn des dreistündigen Informationsanlasses, «dass wir spätestens 2024 mit zwei Klassen weniger kutschieren müssen.» Die Schliessung von Schulhäusern sei zwar für viele schmerzhaft, «aber die optimalste Lösung».

Deutliche Worte des Kantons

Alle fünf Schulhäuser sollen erhalten und zugleich die vom Volksschulamt geforderten zwei Klassen eingespart werden: Bevor Vertreter der IG ihren alternativen Lösungsvorschlag vorstellten, sprach Matthias Weisenhorn vom VSA zu den gut 200 Anwesenden. So ruhig und freundlich seine Stimme, so deutlich waren seine Aussagen.

«Wir verlangen nicht die Schliessung von Schulstandorten.»

Matthias Weisenhorn, kantonales Volksschulamt

Das Flaachtal erhalte aus dem Pool für zusätzliche Stellenprozente etwa zehnmal mehr Ressourcen als im kantonalen Durchschnitt. Als kleine Landschulgemeinde werde es zwar auch künftig überdurchschnittlich mehr Stellenprozente geben, aber: «Wir verlangen, dass der Faktor zehn deutlich herunterkommt.» Sprich: Die Gemeinde muss die Anzahl Klassen reduzieren – wie sie das macht, ist ihr überlassen. «Wir verlangen nicht die Schliessung von Schulstandorten», sagte Weisenhorn.

Von der Schliessung bedroht: Das Primarschulhaus in Berg am Irchel. Auch schliessen will die Schulpflege die Schulhäuser in Dorf und Volken.
Von der Schliessung bedroht: Das Primarschulhaus in Berg am Irchel. Auch schliessen will die Schulpflege die Schulhäuser in Dorf und Volken.
Foto: Heinz Diener

Klar machte er aber auch: Lehnen die Stimmbürger der Schulgemeinde Flaachtal das Bauvorhaben für die Zusammenlegung der Schulstandorte in Buch und Flaach ab, wird das Volksschulamt die Zahl der zusätzlich gewährten Stellenprozente für Lehrer reduzieren, eventuell schon nächstes Schuljahr. «Die Klassenreduktion wird kommen, früher oder später.»

Vorentscheid im November

An der Gemeindeversammlung vom 25. November fällt der Entscheid über den Projektierungskredit für die Erweiterung der beiden Schulstandorte. Wird der Kredit von 210’000 Franken angenommen, kommt es im vierten Quartal 2021 zur Urnenabstimmung über den eigentlichen Baukredit von sechs bis acht Millionen Franken.

«Das kann so nicht weitergehen, während sich andere Schulgemeinden nach der Decke strecken müssen.»

Matthias Weisenhorn, kantonales Volksschulamt

Nach der Schulfusion im Jahr 2015 hat die Zahl der zusätzlich gewährten Stellenprozente fürs Flaachtal sogar noch zugenommen. «Das kann so nicht weitergehen, während sich andere Schulgemeinden nach der Decke strecken müssen», sagte Weisenhorn. Man könne das Füllhorn über dem Flaachtal nicht weiter ausschütten. Es gehe um die Chancengerechtigkeit zwischen den Schulgemeinden.

Aus dem gleichen Grund dürfen Gemeinden fehlende Stellenprozente für Lehrpersonen nicht mit eigenen Mitteln ergänzen. Denn sonst könnten sich reichere Gemeinden mit Geld gleichsam eine bessere Schule erkaufen.

«Relativ einfach»

Drei von fünf Schulhäusern schliessen, um zwei Primarklassen und damit die zusätzlichen Lehrer-Stellenprozente zu reduzieren? Die IG glaubt, das Ziel ohne jegliche Schulschliessungen erreichen zu können. Mit einem Schwall von Zahlen rechnete Joëlle Döbeli den Anwesenden vor, wie diese Prozentzahl anders gesenkt werden könne. «Unser Vorschlag ist relativ einfach», meinte sie.

Es sei nur eine «organisatorische Frage»: Statt wie heute Dreijahrgangsklassen (1. bis 3. und 4. bis 6. Klasse) sollen künftig Zweijahrgangsklassen (1. bis 2., 3. bis 4. und 5. bis 6. Klasse) gebildet werden. Am Ende ihrer komplizierten Rechnung kam sie zum Schluss, dass fast vier Stellen eingespart werden könnten, «ohne Schulen zu schliessen». Als Beobachter fragte man sich: Ist das nicht zu schön, um wahr zu sein?

«Wenn das so rein zahlenmässig funktionieren würde, wäre ich die glücklichste Person auf dieser Welt.»

Cristina Schärer, Schulleiterin

«Selbstverständlich haben auch wir solche Gedanken gewälzt, schon lange, ständig», sagte Schulpräsident Heuer in seiner Reaktion auf den IG-Vorschlag. Joëlle Döbelis Rechnungskonstrukt begann zu bröckeln, als eine Viertelstunde vor Schluss eine Schulleiterin ihre Sicht aus der Praxis darlegte. «Das Bild mit den Zweier-Klassen sieht wunderbar aus, ist super», sagte Cristina Schärer. «Und wenn das so rein zahlenmässig funktionieren würde, wäre ich die glücklichste Person auf dieser Welt.»

«Riesiges Gnuusch»

Das von Döbeli vorgerechnete Zahlenbeispiel zur Klassenaufteilung habe letztes Jahr gestimmt – dieses Jahr gehe es schon nicht mehr auf. «Wir haben nicht einfach so und so viele Kinder, dass diese Aufteilung jedes Mal aufgeht», sagte Schärer. Darum müsse man dann weiterhin Kinder zwischen den fünf Dörfern hin und her transportieren, um die Klassen aufzufüllen. Heute sind davon 120 Schulkinder betroffen. «Das ist ein riesiges Gnuusch.» Und dann noch Lehrpersonen zu finden, die für sehr wenige Lektionen ständig zwischen mehreren Orten hin und her fahren, werde auch immer schwieriger.

2 Kommentare
    Beni Sauvain

    Gegner wollen mit kühner Rechnung alle Schulen retten. Diese vom Berichterstatter gewählte Überschrift zu dem Infoabend zu Schulstandortschliessung im Flachtal scheint mir etwas arrogant. Die Schulpflege Flaachtal hat von dem Volksschulamt den Auftrag, in naher Zukunft zwei VZE (Vollzeiteinheiten) einzusparen. Die Schulpflege ist der Ansicht, dass das nur durch Konzentration auf zwei Schulstandorte und somit Schliessung der weiteren drei Schulstandorten erreicht werden kann. Die IG Lasst die Schulen im Dorf konnte mit wenigen Zahlen, basierend auf der Schülerzahl von 2019/2020 aufzeigen, das mit Anwendung des Lehrplan 21 (im Flaachtal noch nicht umgesetzt), mehr als 3 VZE hätte eingespart werden können. Nun frage ich mich schon, wo der Nutzen von diesem angedachten teuren Projekt ist. Will die Schulpflege ihre Organisation möglichst schlank halten, koste es, was es wolle? Will sie ein möglichst angenehmes Arbeitsklima für den Lehrkörper und Mitarbeiter schaffen? Scheuen die Schulpfleger vor Rekursen und Diskussionen, wenn Schüler in die Nachbargemeinde eingeteilt werden? Macht es Sinn, die eigene Mehrzweckhalle zu schliessen und für die anderen Miete zu zahlen? Traut die Schulpfelge seinem Personal nicht zu, sich auf den Lehrplan 21 einzustellen und die Herausforderung mit 5 Schulstandorten anzunehmen? Warum will die Schulpflege für zig Millionen Franken Schulraum bauen der bereits in guter Qualität vorhanden ist? Darum Kredit ablehnen und zuück auf Feld 1!