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TribüneGeisseböhnli in Bauma, Tatar auf der Scheidegg

Unser Kolumnist will sich nicht des Landesverrats verdächtig machen und erkundet in seinen Ferien darum das Tösstal.

Gepflegte Küche, atemberaubende Aussicht: Besuch auf der Alp Scheidegg
Gepflegte Küche, atemberaubende Aussicht: Besuch auf der Alp Scheidegg
Foto: Tamedia-Archiv

Im Rahmen der Corona-bedingten nationalen Gehirnwäsche wird uns derzeit auf allen Kanälen eingehämmert: Bleibt in der Schweiz! Ferien im Inland sind die beste Quarantäne. Und Geld ausgeben in fremden Ferienregionen ist nicht mehr weit entfernt vom Landesverrat. Bitte sehr! Dann entdecken wir heute halt wieder einmal das Tösstal und fragen uns im Vorbeifahren, warum es hier so viele Brockenhäuser und Fabrikläden gibt, aber kaum mehr Fabriken.

Einerlei: Unser heutiges Ziel ist Bauma, denn es ist Freitag, und vor dem breiten Bau der Landwirtschaftlichen Genossenschaft ist «Püürinne-Märt» nach dem Motto «Vo Hand, mit Herz, direkt vom Hof». Ein halbes Dutzend Stände nur, aber welche Zusammenballung von Qualität und Freundlichkeit!

Als Freund der Ziegen und ihrer Produkte bleibe ich zunächst am Stand von Andrea Zemp und Noldi Pfenninger aus Bäretswil hängen. Hier gibt es «Geisseböhnli» in sieben Sorten: Das sind streichfähige Ziegenkäse von exzellentem Gout. Ausserdem Quark, Joghurt und Ziger, Hart- und Halbhartkäse, Ziegenwürste, und, auf Vorbestellung, sogar Gitzifleisch. Der Baumer Püürinne-Märt bietet noch andere delikate Spezialitäten: Kräutermischungen, wunderbaren Pesto, Früchte, Gemüse, Fleisch von Highland-Rindern, Teigwaren aus Dinkel, hausgemachtes Brot und ebensolche Backwaren, Eingemachtes. Im Nu sind die Taschen gefüllt. Die Baumer Frauen machen genau das Richtige: Sie handeln, statt zu jammern, und sie werden Erfolg haben (jeden Freitag bis 25. Sept. von 13.30 bis 18.30 Uhr).

Unser nächstes Ziel ist einer der atemberaubendsten Aussichtspunkte des Tösstals: die Alp Scheidegg (1222 m über Meer): ein Panorama der Zentralschweizer und Glarner Alpen, die einzige dreidimensionale Landkarte mit gepflegtem Getränkeservice auf der riesigen Aussichtsterrasse: Rapperswiler Seedamm, Linthebene und bei schönem Wetter ein Blick bis zu Eiger, Mönch und Jungfrau. Die steilen Hänge rings ums Haus sind ideale Startbahnen für Paraglider und Modellflieger. Ausserdem ist die Alp Scheidegg Standort des höchsten Gasthauses im Kanton Zürich – eines bodenständigen, gut und sorgfältig geführten Berghauses, das auch mitten am Nachmittag ein Tatar von enormer Qualität serviert und bis zum Besteck und den Glaswaren Geschmack und Stil beweist.

Die Alp Scheidegg hat nur einen Fehler: Am Montag ist sie geschlossen. Aber dann kann man ja das unvergleichliche Panorama wenigstens im Internet besichtigen, und zwar bei jedem Wetter und mit Naturjodel.