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Kolumne Tribüne«Gekaufte» Journalisten

Bei Risotto und Weisswein erfuhr der «Landbote»-Kolumnist von den globalen Verstrickungen der Medien.

Das Förderband der Druckerei Bubenberg in Zürich, wo auch der Landbote gedruckt wird.
Das Förderband der Druckerei Bubenberg in Zürich, wo auch der Landbote gedruckt wird.
Archivfoto: Peter Würmli 

Neulich sass ich bei einem Abendessen neben einem netten jungen Mann. Er arbeitet als IT-Spezialist in einem internationalen Unternehmen. Da er erfahren hatte, dass ich früher Redaktionsleiter bei einer regionalen Tageszeitung gewesen war, wollte er genau wissen, wie Zeitungsredakteure arbeiten.

Vor allem interessierte ihn, von wem sie ihre «Aufträge» bekommen, wer ihnen «vorgibt», was sie zu schreiben hätten. Trotz Risotto und Weisswein wurde ich stutzig. Bald enthüllte mir der freundliche Mensch, dass er glaube, «echte Infos» seien doch «nur noch im freien Netz» zu bekommen. Dort schrieben «unabhängige Köpfe», was wirklich passiere: dass Corona eine Bio-Waffe sei, die Impflicht nur ein Geschäft und das Ganze der Abschaffung der Freiheit diene.

Hoppla, da sass ein leibhaftiger Verschwörungstheoretiker neben mir. Und so war es auch: Der erfolgreiche IT-Manager erzählte allen Ernstes, dass «die Journalisten» doch alle entweder direkt von globalen Konzernen «bezahlt» würden oder ihre Verleger durch die Abhängigkeit von Anzeigen manipuliert seien.

«Manipuliert worin?», wollte ich wissen. Zum Beispiel darin, dass man in keiner der grossen Tageszeitungen lese, dass das Corona-Virus von der Pharmaindustrie in die Welt gesetzt worden sei, damit wir uns in einigen Monaten alle impfen liessen.

Das Netz verlangt keinen Wahrheitsbeweis

Geduldig erklärte ich, dass Zeitungen auch von Anzeigenerlösen leben und diese Abhängigkeit problematisch sein könne, ihre Glaubwürdigkeit jedoch auf dem sogenannten Trennungsgebot beruhe: Anzeigenabteilung und Redaktion sind strikt getrennt.

Gelegentlich komme es vor, dass sich ein Delikatessenhändler als Anzeigenkunde beim Redaktor beschwere, wenn vor dem Weihnachtsgeschäft ein kritischer Bericht über die Herstellung von Gänsestopfleber erschienen ist. Aber eben: Er beschwert sich, wird aber in der seriösen Zeitung kritische Berichte nicht verhindern. Denn die basieren, weil dem Recht unterworfen, immer auf nachprüfbaren Fakten.

Da haben es die Verschwörungsfreunde mit ihren «alternativen» Wahrheiten viel leichter: Es reicht völlig aus, sie in den weiten Echoraum des Netzes und damit in die Welt zu setzen. Der klassische Wahrheitsbeweis wird nie verlangt.

Mir wird ganz flau beim Gedanken, solche digitalen Pranger könnten den Marktplatz des wahrhaftigen Journalismus bald ganz verdrängen. Demokratie braucht den faktengestützten Diskurs, wir alle brauchen unabhängige Tageszeitungen.

1 Kommentar
    G. Steinmann

    Für mich ist klar! Geld regiert die Welt. Das ist auch so in der Schweiz und beim Landboten genauso. Das fühlt man einfach an den dicken, angeklebten Werbebeilagen bei denen die Zeitung zerreisst. Einfach klassisch.