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Schulstandorte FlaachtalGemeinderat legt im Streit um Schulschliessungen nach

Der Gemeinderat von Berg am Irchel wehrt sich weiter gegen die Schliessung des Schulhauses im eigenen Dorf. Er hofft auf einen Anlass im September.

Das sogenannte Landihaus ist der Sitz der Gemeindeverwaltung von Berg am Irchel. Geht es nach dem Willen der Schulpflege Flaachtal, soll die Gemeinde ihr Schulhaus verlieren.
Das sogenannte Landihaus ist der Sitz der Gemeindeverwaltung von Berg am Irchel. Geht es nach dem Willen der Schulpflege Flaachtal, soll die Gemeinde ihr Schulhaus verlieren.
Foto: Heinz Diener

Der Gemeinderat von Berg am Irchel wehrt sich bereits seit Monaten heftig gegen die drohende Schliessung der dorfeigenen Schule. Nun hat der Rat nachgelegt.

In einer Medienmitteilung nimmt er Stellung zu einer Mitteilung von Schulpräsident Daniel Heuer vom 27. April, die dieser auch den Gemeindeverwaltungen des Flaachtals schickte.

Die Schulpflege der seit gut fünf Jahren fusionierten Schulen will drei der fünf Schulstandorte schliessen, nämlich jene in Berg am Irchel, Dorf und Volken. Im Gegenzug sollen die restlichen zwei Schulhäuser in Buch am Irchel und Flaach für rund sechs Millionen Franken ausgebaut werden.

«Absolut ungeeignet»

Heuer schreibt in seiner Mitteilung, dass alle Gemeinderäte im Flaachtal zum Vorhaben der Schulpflege angehört worden seien und dass die Räte dieses «mehrheitlich» unterstützt hätten.

«Daraus eine ‹mehrheitliche Unterstützung› der Gemeinderäte herzuleiten, ist schlichtweg falsch.»

aus der Medienmitteilung des Gemeinderates von Berg am Irchel

Dieser Schilderung widerspricht nun der Gemeinderat von Berg. Die Behördenkonferenz vom März 2019 sei «absolut ungeeignet» gewesen, dem komplexen Thema gerecht zu werden. Von Anfang an habe es ausschliesslich Varianten mit Standortschliessungen zu bewerten gegeben. Die Teilnehmer hätten damals an der Konferenz ohne jede Vorabinformation in einem Bewertungskatalog zu Fragen Stellung nehmen müssen, «deren Beantwortung zu einem vorhersehbaren Resultat führte». Daraus nun eine mehrheitliche Unterstützung der Gemeinderäte herzuleiten, «ist schlichtweg falsch».

Die Sicht aus Berg am Irchel wird von der Nachbargemeinde Buch am Irchel gestützt. Letzten November sagte Buchs Gemeindepräsident Hansruedi Mosch gegenüber dem «Landboten»: Im Frühling 2019 habe es zwar eine solche Konferenz für die Gemeindebehörden des Flaachtals gegeben. Und dabei seien Varianten der Schulstandorte diskutiert worden, auch jene mit den Standortschliessungen. Diese sei aber von den Flaachtaler Gemeinderäten abgelehnt worden. Vom Entscheid der Schulpflege hätten die Gemeindebehörden erst später aus der Zeitung erfahren.

Informationsanlass angeregt

Eigentlich wollte die Schulpflege am 31. März eine Informationsveranstaltung zu den künftigen Schulstandorten durchführen. Wegen der Corona-Pandemie musste die Veranstaltung abgesagt und auf den 22. September verschoben werden. Am Ende der letzten Schulgemeindeversammlung im November hatte Flaachs Gemeindepräsident Walter Staub eine solche Veranstaltung angeregt. Die Schulbehörde hatte damals die Durchführung offengelassen.

«Der Gemeinderat hat die Hoffnung, dass die standort-, finanz- und sozialpolitischen Bedenken endlich wahrgenommen werden.»

aus der Medienmitteilung des Gemeinderates von Berg am Irchel

Der Gemeinderat von Berg am Irchel begrüsst in seiner aktuellen Medienmitteilung «die Kehrtwende» der Schulpflege. Diese habe bis anhin den Standpunkt vertreten, dass gegenüber der Bevölkerung nur eine Informationspflicht bestehe, «eine Plattform für eine öffentliche Diskussion aber nicht geboten werden müsse». Am Info-Anlass vom September biete sich nun die Möglichkeit zur Meinungsäusserung für die Bevölkerung. Der Rat habe die Hoffnung, «dass die standort-, finanz- und sozialpolitischen Bedenken der betroffenen Gemeinden endlich wahrgenommen und gewürdigt werden».

«Breite Meinungsbildung wichtig»

«Der Schulpflege ist eine breite Meinungsbildung zu den künftigen Schulstandorten sehr wichtig», schreibt hingegen Präsident Heuer in seiner Mitteilung vom April. An der Veranstaltung vom 22. September könne die Interessengemeinschaft (IG) «Lass die Schulen im Dorf» ihren Lösungsvorschlag bekannt machen. Wie die IG gegenüber dem «Landboten» sagte, will sie mit ihrem Vorschlag alle fünf Standorte im Flaachtal bewahren und gleichzeitig weniger zusätzliche Stellenprozente für die Lehrpersonen beanspruchen.

Zu Beginn des Anlasses wollen Mitglieder der Schulpflege und eine Vertretung des kantonalen Volksschulamtes «Hintergründe des Variantenentscheids detailliert darlegen», wie Heuer weiter schreibt. Gemeint ist die geplante Schliessung von drei der fünf Schulstandorte. Dabei habe auch die Bevölkerung die Möglichkeit, ihre Meinung zu äussern.

«Mitteilungen» vorgesehen

Für den Informationsanlass vom Dienstag, 22. September, in Buch am Irchel (Irchelhalle, 19 Uhr) organisiert die Gemeinde Dorf Shuttle-Busse.

An der ordentlichen Schulgemeindeversammlung vom 17. Juni hätte eigentlich über den Planungskredit für die Zusammenlegung der Schulstandorte in Buch und Flaach abgestimmt werden sollen. Doch weil der Informationsanlass dazu vom März auf den September verschoben werden musste, kommt dieser Kredit nun auch nicht zur Abstimmung.

Die Juni-Versammlung soll aber dennoch stattfinden, vorbehältlich des Entscheids des Bundesrats zum Corona-Versammlungsverbot. Vier Traktanden sind vorgesehen: die Jahresrechnung 2019 der Schulgemeinde, ein Darlehen an den Zweckverband der Feuerwehr Flaachtal, mögliche Anfragen aus der Stimmbevölkerung – und «Mitteilungen».

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