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Kinderquäler-Fall in ZürichGericht reicht Anzeige gegen untätige Vormundschaftsbehörde ein

Bei der Behörde gingen unzählige Meldungen ein, weil ein Ehepaar seine Kinder im Keller einsperrte, quälte und hungern liess. Trotzdem versäumte es die Behörde, die Kinder zu schützen.

Das Ex-Ehepaar, das seine Kinder über Jahre im Keller einsperrte, wurde vom Zürcher Bezirksgericht zu langen Freiheitsstrafen verurteilt Jetzt könnte der Fall auch für die damaligen Stadtzürcher Vormundschaftsbehörden ein Nachspiel haben.
Das Ex-Ehepaar, das seine Kinder über Jahre im Keller einsperrte, wurde vom Zürcher Bezirksgericht zu langen Freiheitsstrafen verurteilt Jetzt könnte der Fall auch für die damaligen Stadtzürcher Vormundschaftsbehörden ein Nachspiel haben.
Foto: Keystone

Der Fall jener Eltern, die ihre Kinder während Jahren im Keller einsperrten, hat nun ein Nachspiel für die damalige Stadtzürcher Vormundschaftsbehörde. Das Bezirksgericht hat selber Anzeige eingereicht, weil die Behörde untätig blieb.

Wie die Staatsanwaltschaft Zürich auf Anfrage bekannt gab, ist die Anzeige des Bezirksgerichtes eingetroffen. Ob sie sich konkret gegen einzelne Verantwortliche der damaligen Behörde richtet, sagt die Staatsanwaltschaft nicht. Sie muss nun entscheiden, ob sie Ermittlungen aufnehmen will.

Auslöser für die Strafanzeige war der Fall jenes Ex-Ehepaars, das seine Kinder jahrelang im Keller einsperrte, schlug und hungern liess. Das Bezirksgericht hatte den Vater im September zu einer Freiheitsstrafe von 16,5 Jahren verurteilt, die Mutter zu 12 Jahren.

Die Kinder hätten zwar zur Schule gekonnt, also nicht etwa wie Natascha Kampusch in Österreich, aber das Verschulden dieser Eltern sei erheblich, sagte der Richter bei der Urteilseröffnung.

Unzählige Meldungen an die Behörden

Das jahrelange Martyrium der Kinder blieb jedoch nicht unbemerkt: Bei den Behörden gingen unzählige Meldungen ein, von Nachbarn, von Lehrern und auch von Ärzten, welche die ausgehungerten Kinder in ihrer Praxis sahen.

In all den Jahren, in denen die Eltern ihre Kinder quälten, verhängten die Behörden jedoch keine einzige Kindesschutzmassnahme. Sie boten der Familie lediglich Gespräche und Hilfe an und liessen sich offenbar immer wieder abwimmeln. Der Richter sagte bei der Urteilseröffnung, dass da «vieles falsch gelaufen» sei und das Gericht selber deshalb Strafanzeige einreichen werde.

Bei der Vormundschaftsbehörde handelte es sich um die Vorläuferin der heutigen Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb), die vor fünf Jahren eingeführt wurden.

SDA