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Kolumne von Markus SommGevatter Tod, nimm meine Hand

Der moderne Mensch blendet seine Sterblichkeit gerne aus. Die Corona-Krise erinnert ihn jetzt daran: Wir werden alle sterben.

Sein Gesicht, verborgen unter der schwarzen Kapuze, ist ein Totenkopf; deshalb lächelt er – ohne es so zu meinen: Der Sensenmann.
Sein Gesicht, verborgen unter der schwarzen Kapuze, ist ein Totenkopf; deshalb lächelt er – ohne es so zu meinen: Der Sensenmann.
Foto: PD

Wenn die Fallzahlen weiter zunehmen, und zwar in jenem Tempo, wie wir das in den vergangenen Tagen beobachtet haben, dann dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis auch wieder mehr Menschen am neuartigen Coronavirus sterben. Gewiss, nach wie vor bewegen sich die Todesfallzahlen auf tiefem Niveau, und selbst die Hospitalisierungen von Patienten werden noch weitaus seltener angeordnet als im Frühling, aber alle relevanten Zahlen steigen unablässig, das steht fest: Meister Tod, der unerwünschte Begleiter unseres Lebens, der Sensenmann, wie man ihn im Mittelalter mit einer Mischung von Angst und Respekt nannte, taucht von neuem auf, die Sense in der Hand, mit der er die Kranken und Schwachen und Alten hinwegmäht. Wenn er die Sense schwingt, scheint er zu grinsen, als ob es ihn amüsierte, uns ins Reich der Toten zu holen, was aber wohl schon immer ein unfairer Vorwurf war: Sein Gesicht, verborgen unter der schwarzen Kapuze, ist ein Totenkopf. Deshalb lächelt er – ohne es so zu meinen. Gevatter Tod, nimm meine Hand.

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