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Landluft-KolumneGundula, das verwirrte Navi

Ins Anderdorf oder doch in die Rüdelfingerstrass? Strassennamen können für Verwirrung sorgen.

Das Navi wirbelt Sprachen durcheinander.
Das Navi wirbelt Sprachen durcheinander.
Illustration: Ruedi Widmer

Weil ich ein Android-Handy nutze, ist die GPS-Standort-Anzeige momentan sowieso an. Wegen der Swiss-Covid-App, Sie wissen schon. Jedenfalls macht es das noch einfacher: Die App von Google Maps öffnen, das gewünschte Ziel einstellen, die Lautstärke hochdrehen und los.

Und anhalten. Denn: Gundula jeder gibt seinem Navi doch einen Namen, seien Sie ehrlich spricht nicht mit mir. Warum? Ah. Wegen besagter App ist auch Bluetooth eingestellt, das Handy hat sich deshalb automatisch mit meinem Auto verbunden und spricht wohl nur mit meinem Auto, nicht aber mit mir. Welche Knöpfe ich jetzt an welchem Gerät drücken müsste, um Gundulas Anweisungen zu hören, weiss ich nicht.

Nun gut, also Bluetooth am Handy ausstellen, die App funktioniert deshalb gerade nicht, wird mir mitgeteilt. Bin ja alleine im Auto.

Jetzt spricht Gundula auch mit mir. «In 200 Metern rechts abbiegen», «fahren Sie einen Kilometer geradeaus» und so weiter. Sie ist sehr mitteilungsbedürftig.

Und dann kommts. Gundula, die das Hochdeutsch offenbar perfekt beherrscht, weiss nicht, dass sie in Marthalen ist. Und sie weiss auch nicht, dass die Strassennamen in diesem Dorf auf Schweizerdeutsch angeschrieben sind. Deshalb interpretiert sie das «Under» in «Underdorf» nicht als schweizerisches Pendant zu «unter», sondern als das Englische. Abbiegen ins «Anderdorf», weist sie mich an. Aus der «Ruedelfingerstrass» macht sie «Rüdelfingerstrasse», und auch ausserhalb von Marthalen kommt sie durcheinander: Aus dem «Gispert» in Humlikon macht sie den französischen «Schispert».

Sprachbegabt ist sie ja, die Gundula. Würde sie nun nur noch die richtige Sprache für den richtigen Strassennamen anwenden oder bitte Schweizerdeutsch lernen.