Obertor

Hamam und Wohnungen statt Hotel

Ein Hamam mit Hotelnutzung war die favorisierte Lösung des Stadtrats für eine neue Nutzung des heutigen Stadtpolizei-Areals. Doch eine Machbarkeitsstudie hält fest, ein Hotel sei wirtschaftlich nicht tragbar.

Mitten in der Altstadt, auf dem Stadtpolizei-Areal, soll ein Hamam enstehen, aber ohne Hotelnutzung.

Mitten in der Altstadt, auf dem Stadtpolizei-Areal, soll ein Hamam enstehen, aber ohne Hotelnutzung. Bild: Marc Dahinden

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Schwitzen im Hamam an der Badgasse mitten in der Altstadt. Diesen Traum teilen viele Winterthurerinnen und Winterthurer. Auch der Stadtrat konnte sich für diese Idee begeistern, wie er im August 2018 an einer Medienorientierung betonte. Umsetzen lasse sich dies aber nur mit einer ergänzenden Hotelnutzung mit mindestens 50 Zimmern, sagte damals Stadtpräsident Michael Künzle (CVP): «Sonst lässt sich ein Hamam laut Fachleuten nicht rentabel betreiben.» Zugleich stellte der Stadtrat eine Machbarkeitsstudie in Aussicht zur Frage, welches Nutzungsmodell auf dem Areal funktionieren würde.

Diese Studie liegt schon seit einiger Zeit vor. Die Aufsichtskommission des Gemeinderats konnte sie einsehen. Gegenüber der Öffentlichkeit wurden die Ergebnisse bislang aber nicht kommuniziert. Auf Nachfrage stellte die Stadt dem «Landboten» nun eine Zusammenfassung der Ergebnisse zur Verfügung.

Umbau zu teuer

Daraus geht klar hervor, dass ein Hotelbetrieb auf dem Areal wirtschaftlich nicht tragbar ist, weder alleine noch in Kombination mit einer Bad- und Spa-Nutzung. Begründet wird dies vor allem mit hohen Kosten für die Umnutzung der bestehenden Gebäude. Diese Kosten seien gegenüber dem voraussichtlichen Ertrag übermässig hoch. Ein Hotel mit weniger als den vorgesehen 70 Zimmern wäre laut der Studie gar noch unrentabler, da der Hotelbetrieb die Fixkosten mit weniger Hotelzimmern finanzieren müsste. Weiter heisst es, die Situation sei «denkmalpflegerisch und archäologisch anspruchsvoll.» Die Bau- und Betriebskosten würden durch die ungünstige Aufteilung auf mehrere, kleine Bauvolumen sehr hoch.

Katharina Gander (AL) vom Obertor-Initiativkomitee ist froh, dass die Hotel-Idee vom Tisch ist. «Ein Hotel hätte sehr viel Platz eingenommen und eine breite Vielfalt von Nutzungen, verunmöglichst.» Zudem glaubt sie, der Innenhof wäre bei einer Hotelnutzung wohl eher von Gästen genutzt worden als von der Bevölkerung.

Anders als ein Hotel wäre laut der Studie ein reiner Bad- oder Spa-Betrieb in der ehemaligen Bädermoschee als eigenständiges Objekt wirtschaftlich tragbar. «Es könnte als USP (Alleinstellungsmerkmal) für die Stadt Winterthur positiv genutzt werden», heisst es weiter. Diese Option sei deshalb weiter zu verfolgen. Viel Geld würde diese Lösung jedoch der Stadtkasse nicht einbringen. Das Spa-Angebot sei wohl eine Aufwertung für das Areal. «Der Ertrag für die Stadt aus dem Baurechtsszins wäre jedoch minimal.»

Wohnungen rentabler

Die Studie hält weiter fest, Wohnungen seien für die Stadt als Vermieterin auf dem Areal voraussichtlich wirtschaftlicher als ein Hotel. Das heisse nicht, dass ein Hotel grundsätzlich in Winterthur nicht rentabel sei: «Neubauprojekte mit über 120 Zimmern, eingebettet in Neuüberbauungen, sind womöglich in Winterthur auch kostendeckend beziehungsweise mit einer minimalen Rendite von 3 Prozent möglich», heisst es mit Verweis auf ein geplantes Hotel-Projekt von Implenia.

Grundsätzlich könnte das Volk bei der Gestaltung der Obertor-Areals mitreden, weil ein Komitee die Initiative «Obertor – Boden behalten, Winterthur gestalten» eingereicht hat. Stadtrat- und Gemeinderat lehnen diese Initiative jedoch ab. Der Gemeinderat entschied sich stattdessen für einen eigenen Gegenvorschlag, der einen Gestaltungsplan für das Areal verlangt. Zieht das Komitee seine Initiative zurück, kommt der Gegenvorschlag des Gemeinderats zum Tragen. Laut Gander werden die Initianten jedoch erst im Juni entscheiden, ob es zu einem Rückzug kommt.

Der Stadtrat ist mit dem Gegenvorschlag des Gemeinderates nicht glücklich. Zu stark schränke sie den Spielraum des Stadtrats ein, sagte Michael Künzle im Rat. Vor allem störte er sich am öffentlichen Gestaltungsplan. «Der Gemeinderat missbraucht aus unserer Sicht dieses Instrument. Er will nur die Kompetenz für dieses Areal an sich ziehen. Wir hätten uns mehr Vertrauen gewünscht.»

Erstellt: 23.05.2019, 17:50 Uhr

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben