Flughafen

Hier entstehen die neuen Swiss-Flugzeuge

In der Nähe von Montreal werden derzeit die CS100 zusammengebaut, welche ab Sommer die Jumbolinos der Swiss ablösen werden.

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Die allererste CSeries 100 der Swiss steht derzeit halb fertig in einer Produktionshalle von Bombardier in Mirabel, rund 50 Kilometer nördlich von Montreal. Neben der vorderen Eingangstüre ist ein Swiss-Kleber angebracht und deutet an: Das wird die erste CS100 die mit Passagieren unterwegs sein wird. Am 15. Juli ist der Erstflug nach Paris, bereits nächsten Monat soll das brandneue Flugzeug in Kloten eintreffen.

Kleiner Schönheitsfehler: Fotografieren darf man das halbfertige Flugzeug in der aktuellen Produktionshalle nicht. Auch die Bestuhlung ist noch nicht installiert, denn die Sitze sind derzeit noch per Schiff unterwegs nach Kanada. Produziert wurden sie in Deutschland. Ende Mai werden sie eingebaut. Dann wird das Flugzeug bemalt und an Swiss ausgeliefert.

Grossbestellungen von Delta und Air Canada

Die Verantwortlichen von Bombardier strahlen bei der Führung durch ihre Produktionshallen. Das CSeries-Programm hat Verspätung, massiv sogar. Doch nun liegt der Fokus auf der Inbetriebnahme der ersten Maschinen bei Swiss. Und kurz vor der Auslieferung an Swiss haben die Kanadier auch endlich die ersehnten Verträge mit grossen nordamerikanischen Kunden abschliessen können. Delta hat 75 CSeries fix bestellt, Air Canada deren 45. Den Verantwortlichen des in finanzielle Nöte geratenen Flugzeugherstellers ist damit eine schwere Last von den Schultern gefallen. Die Finanzspritze ihrer Regierung lässt sich nun einfacher rechtfertigen.

Und auch für Swiss sind die neuen Grosskunden eine gute und wichtige Nachricht. Delta und Air Canada werden zur CSeries-Gruppe dazustossen, in der sich unter anderen Swiss, Korean Air und Air Baltic (Erstkunde des CS300, der Ende Jahr ausgeliefert wird) gegenseitig über Sicherheitsaspekte austauschen und beraten. Dabei werde offen miteinander gesprochen, im Sinne der Flugsicherheit gibt es dabei keine Allianz-Grenzen, weiss Peter Koch, Swiss-Chefpilot der CSeries-Flotte.

Produktion wird hochgefahren

Nach den Bestellungen von Delta und Air Canada hat Bombardier nun über 300 fixe Bestellungen. Die Produktion wird nun hochgefahren. 15 Flugzeuge werden dieses Jahr gebaut, nächstes Jahr bis zu 35, 2018 dann bis 65 und ab 2020 sollen jährlich 120 CSeries-Maschinen ausgeliefert werden. Fred Cromer, Chef der Flugzeugsparte bei Bombardier, deutet sogar an, dass die Produktion noch weiter hochgefahren werden könnte. 120 Flugzeuge könnten in den aktuellen Hallen gebaut werden, sagte er gestern den Besuchern aus der Schweiz. In Mirabel gäbe es aber auch noch Platz für weitere Produktionshallen. Cromer glaubt fest an sein Produkt, an die Sparte der Flugzeuge mit 100 bis 150 Sitzplätzen. Der CS100 der Swiss wird 125 Plätze haben, der CS300 rund 145, der definitive Entscheid fällt in den nächsten Tagen, sagt Koch. Die Swiss erhält dieses Jahr 9 der CS100, insgesamt sind 10 CS100 und 10 CS300 fix bestellt. Bald will man entscheiden, ob die letzten 10 Maschinen vom kleineren oder grösseren Typ sein sollen.

London City ab 2017

Beides würde für Swiss Sinn machen. Die grösseren haben mehr Platz für mehr Passagiere, die kleineren sind auf mehr Flughäfen einsetzbar und könnten beispielsweise dereinst auch Lugano anfliegen, weiss Koch. Dafür braucht es aber noch etwas Arbeit, sowohl für den Anflug wie auch an der Bodenabfertigung. Diese ist auch ein Thema für London City, der zentralste Flughafen der Metropole. Die englische Hauptstadt rangiert in der Flughafenstatistik ganz oben, in keine andere Stadt fliegen von Kloten aus ähnlich viele Menschen. Ab 2017 soll die CS100 für den Betrieb in London City zertifiziert sein, dann fehlt es nur noch an der Bodenabfertigung, an Standplätzen.

Letzteres wird auch in Kloten ein Thema werden, denn für die Standplätze zwischen Dock A und E sind die CSeries zu gross. Die neuen Standplätze hinter dem Dock E sind zu weit weg, die beste Lösung wäre also eine Neubemalung der momentan von den Jumbolinos genutzten Standplätzen. Weil die CSeries aber mehr Platz brauchen, baut der Flughafen nun auch beim Heliport neue Plätze.

Weniger Lärm, weniger Verspätungen?

Es wird sich einiges ändern in Kloten. Auch für die Anwohner, denn die CS100 machen zwar auch noch Lärm, aber etwas weniger und vor allem weniger lang. Auch der Schadstoffaustoss wird reduziert. Und, so die Hoffnung, vielleicht werden die CSeries weniger Verspätungen verursachen als die anfälligen Jumbolinos, welche sie ersetzen und damit dazu beitragen, weniger Flüge im Verspätungsabbau nach 23 Uhr zu generieren. Erkenntnisse dazu gibt es ab dem 15. Juli. Dann hebt die erste Swiss CS100 mit Passagieren ab und muss sich bewähren.

Grosseinsatz für die Inbetriebnahme

Bombardier wird ein grosses Team nach Kloten senden, auch Leute des Triebwerkherstellers Pratt & Whitney werden vor Ort sein. Sollte es Kinderkrankheiten geben, will man sofort reagieren können. Die Anspannung bei Swiss und Bombardier ist für die Inbetriebnahme zu spüren. Das CSeries-Programm hat nun Fahrt aufgenommen und wenn die Swiss das Flugzeug erfolgreich einführt, könnte das Bombardier-Produkt zum Renner werden. Auch die Lufthansa denkt über weitere Bestellungen für sich selber nach. Die Kabineneinrichtung könnten sie fixfertig von Swiss übernehmen. Flottenchef Koch musste sich deshalb alle Spezialwünsche von der Gruppe genehmigen lassen, damit die Swiss-Einrichtung dann auch den Lufthansa-Wünschen entspricht.

Aviatikwelt schaut im Juli nach Kloten

Vorerst bleibt die CSeries aber der Swiss vorenthalten. Als Erstkunde wird anfangs Juli die Aviatikszene die Augen nach Kloten richten, für eine Präsentation am 6. Juli und natürlich den längst ausgebuchten Erstflug nach Paris am 15. Juli. Es soll beste Werbung für Bombardier und Swiss werden. Wenn alles klappt. ()

Erstellt: 12.05.2016, 17:11 Uhr

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