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Interview mit Unispital-InfektiologeHilft Echinaforce wirklich gegen Corona?

Das Labor Spiez hat offenbar eine biologische Waffe gegen das Coronavirus entdeckt. Huldrych Günthard vom Unispital Zürich sagt, ob das Pflanzenheilmittel tatsächlich Wunder wirkt.

Um die Wirksamkeit des Roten Sonnenhuts zu beweisen, bräuchte es klinische Studien.
Um die Wirksamkeit des Roten Sonnenhuts zu beweisen, bräuchte es klinische Studien.
Foto: Getty Images

In der Petrischale wirkt das in Apotheken rezeptfrei erhältliche Echinaforce gegen Sars-CoV-2, wie ein Forscherteam des Labors Spiez im Fachblatt «Virology Journal» feststellte. Der «Blick» sieht darin bereits einen Corona-Killer. Sind die Extrakte aus dem Roten Sonnenhut tatsächlich ein Wundermittel?

Nein, sicher nicht. Zum einen wurden schon viele andere wirksame Substanzen im Labor getestet, die sich klinisch dann aber leider nicht als wirksam erwiesen haben. Zum Beispiel das Anti-HIV-Medikament Kaletra, das aus einer Kombination von Lopinavir und Ritonavir besteht. Dieses Präparat hatte aber nur im Reagenzglas eine antivirale Wirkung gegen Sars-CoV-2 gezeigt. Deshalb bedeutet auch diese aktuelle Studie erst mal gar nichts. Denn wir wissen derzeit nicht, ob es auf der Schleimhaut der Nase und des Rachens genauso gut wirkt wie in der Zellkultur. Deshalb braucht es unbedingt zuerst klinische Studien am Menschen mit genügend Leuten, um von einem Durchbruch sprechen zu können.

Huldrych Günthard und Alexandra Trkola gehörten zu den Ersten, die den Kampf gegen das damals neue Virus aufnahmen. Lesen Sie hier, wie das Expertenpaar gegen Corona kämpft und was sie für das beste Gegenmittel halten.
Huldrych Günthard und Alexandra Trkola gehörten zu den Ersten, die den Kampf gegen das damals neue Virus aufnahmen. Lesen Sie hier, wie das Expertenpaar gegen Corona kämpft und was sie für das beste Gegenmittel halten.
Foto: Anna-Tia Buss / Tamedia

Es ist also nicht der weltweit einzige Wirkstoff, der nachweislich Coronaviren abtötet?

Mit solchen Aussagen müssen wir sehr vorsichtig sein. Man kann sagen, dass sie in ihrem In-vitro-System einen Effekt gesehen haben. Aber sie haben ihre Substanz nicht mit anderen, im Reagenzglas bereits antiviral wirksamen Substanzen verglichen. Das finde ich sehr schade. Denn ähnlich wie das bereits erwähnte HIV-Mittel Kaletra hat auch das Malariamedikament Hydroxychloroquin im Labor gute Ergebnisse gezeigt, ist aber mittlerweile aufgrund fehlender Wirksamkeit im Menschen für die Therapie wieder aus dem Rennen. Dennoch weiss man, bei welchen Konzentrationen sie bei Zellkulturversuchen eine Wirkung haben. Sinnvoll wäre auch, Echinaforce beispielsweise mit dem klinisch bei kranken Corona-Patienten eingesetzten Remdesivir zu vergleichen. Dies hätte ich jetzt gern gesehen.

Ein grosses Manko der Studie?

Genau. Das fehlt. Es ist deshalb auch noch keine Sensation. Denn es brauchte noch weitere Studien im Labor und später dann am Menschen. Das wäre das normale Vorgehen.

Was halten Sie von der Idee, Echinaforce als mögliche Langzeitprophylaxe für das Personal im Gesundheitswesen einzusetzen?

Die Studie sagt darüber nichts aus. Ich sehe nicht, was dies bringen soll. Denn aufgrund der ungenügenden Datenlage muss ich mich genau gleich verhalten wie vorher und etwa im Spital weiterhin eine Maske tragen. Schliesslich wissen wir, dass Masken einen Schutz von 90 bis 100 Prozent bieten, wenn sie richtig verwendet werden. Die Messlatte ist somit sehr hoch, um etwas anderes als Alternative vorzuschlagen.

Gibt es andere Hoffnungsträger?

Wir werden bald an einer grossen internationalen Studie teilnehmen, bei der unter anderem auch der Einsatz von neuen monoklonalen Antikörpern gegen das sogenannte Spike-one-Oberflächenprotein von Sars-CoV-2 im Menschen getestet wird. Es kommen aber vermutlich im Verlauf auch noch andere Antikörper und eventuell noch weitere antivirale Substanzen hinzu. Solche qualitativ hochstehenden Studien braucht man, um die Wirksamkeit von Medikamenten nachzuweisen. Deshalb ist mit den ersten Ergebnissen zu Echinaforce auch noch keine Pandemie geschlagen.

Die Antwort auf die Corona-Skeptiker: Vernissage des Buches «Lockdown» und Diskussion. Akteure und Betroffene erzählen, wie es wirklich war. Mit Marcel Salathé (Epidemiologe), Jana Siroka (Notfallärztin) Pascal Strupler (Direktor BAG) und Simone Rau (Journalistin Tamedia). Dienstag, 22. September, Türöffnung: 19.00 Uhr. Beginn 20.00 Uhr. Kaufleuten, Pelikanplatz, Zürich.

125 Kommentare
    Roger L.

    Tausche 40 Pack ungebrauchtes Toilettenpapier gegen 10 Pack Echinaforce.