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Aussichten für die WirtschaftHoffnung für die Dienstleistungsbranche

Die jüngsten Daten eines der wichtigsten Indikatoren für die Schweiz sind für den Dienstleistungssektor überaus positiv. Vier Punkte, was die Daten auch für die Industrie und die Beschäftigung bedeuten.

Dienstleistungen werden schon fast wieder wie vor der Krise in Anspruch genommen: Szene an der Zürcher Bahnhofstrasse.
Dienstleistungen werden schon fast wieder wie vor der Krise in Anspruch genommen: Szene an der Zürcher Bahnhofstrasse.
Foto: Urs Jaudas

Die am Mittwoch veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes (Englisch: Purchasing Manager Index, PMI) zeugen von einer Verbesserung der Wirtschaftslage in der Schweiz und im Ausland. Jeder PMI beruht auf Umfragen zu den Einschätzungen und Plänen von Einkäufern grosser Unternehmen. Aus den Antworten werden Indexwerte abgeleitet. Je stärker diese unter 50 liegen, desto düsterer sind die Wirtschaftsaussichten. Je höher sie über 50 liegen, desto besser sind sie. Was besagen die Daten konkret für die Schweiz ?

Starke Erholung bei den Dienstleistungen

Keine Branche wurde vom Lockdown so schwer getroffen wie die Dienstleistungen. Es waren schliesslich Anbieter aus diesem Sektor, die die Tore schliessen mussten. Dazu gehört der Handel oder das Gastgewerbe. Das zeigt sich auch in einem Absturz des PMI von Dienstleistungen auf den historisch tiefen Wert von 21,4 Indexpunkten im April. Zumindest in diesem Bereich ist die erhoffte V-Entwicklung eine steile Erholung nach dem Absturz seit der Öffnung zu beobachten. Mit 49,1 Punkten ist der Dienstleistungssektor nur noch knapp unter dem Bereich, der für Wachstum steht. Das ist generell ein gutes Zeichen für die Binnenwirtschaft, weil das für ein Konsumverhalten der Schweizer Bevölkerung steht, das von der Normalität nicht mehr weit entfernt ist.

Anhaltendes Leiden in der Industrie

Deutlich weniger gut sieht es beim PMI für die Industrie aus, der angesichts der grösseren Bedeutung der Einkaufsmanager aus diesem Bereich auch mehr Gewicht hat. Mit 41,9 Punkten liegt hier der Indexwert nicht viel höher als bei seinem Tief von 40,7 Punkten im April.

Der Ökonom Claude Maurer, Verfasser des PMI-Berichts, relativiert allerdings die Bedeutung des tristen Werts. Eine Komponente der Berechnung führte im Zusammenhang mit der Corona-Krise zu einer falschen Aussage. Lässt man diese ausser Acht, hat laut Maurer auch die Industrie rund die Hälfte ihres Rückgangs im April wieder wettgemacht. Doch Grund zur Euphorie ist das noch nicht: «Nach wie vor nimmt sowohl das Produktionsvolumen als auch der Auftragsbestand ab», fasst Maurer zusammen.

Keine Besserung bei der Beschäftigung

Die Beschäftigungsaussichten bleiben trübe. Das gilt ganz besonders für die Industrie. Wie Maurer schreibt, ist der Anteil der Industriebelegschaft in Kurzarbeit seit dem April von 21 Prozent bis zum Juni auf 27 Prozent weiter angestiegen. Nur im Mai lag er mit 28 Prozent noch geringfügig höher. Der PMI-Wert für die Industriebeschäftigung lag denn mit 39 Punkten auch sehr weit weg von den 50 Punkten, ab denen wieder eine Besserung zu erwarten ist. Ein Viertel der befragten Unternehmen meldete einen reduzierten Personalbestand, nur 6 Prozent haben ihn erhöht. Etwas besser sieht es zwar im Dienstleistungssektor aus, wo sich die Beschäftigungslage rascher verbessert hat. Im Juni befand sich aber auch hier noch immer ein Fünftel der Beschäftigten in Kurzarbeit nach rund einem Drittel im April.

Das Gesamtbild

Der jüngste PMI aus der Schweiz und die ebenfalls am Mittwoch vermeldeten PMI-Daten aus Europa bestätigen die deutliche Verbesserung der Wirtschaftslage im Vergleich zu den Lockdown-Monaten. Die trüb bleibenden Aussichten für die Beschäftigung drohen aber die weitere Erholung im Dienstleistungsbereich zu bremsen, weil das auf die Konsumnachfrage drückt. Die anhaltende Krise in der Weltwirtschaft bleibt überdies eine Belastung vor allem für die Industrie. Auch wenn der schlimmste Absturz hinter uns liegt, ist der Weg zurück zur Normalität noch lange, entbehrungsreich und ungewiss. Vor allem dann, wenn weitere Ansteckungswellen mit dem Virus folgen.