Zürichsee

Die grosse Rundfahrt auf dem Zürichsee steht auf der Kippe

Die Stadt Rapperswil-Jona bezahlt zwar zukünftig mehr an die Schifffahrt auf dem Zürichsee - für die ZSG dürften dennoch schwierige Zeiten anbrechen. Der Fahrplan muss erneut überarbeitet werden.

Der ZSG stehen einmal mehr unruhige Zeiten bevor.

Der ZSG stehen einmal mehr unruhige Zeiten bevor. Bild: Reto Oeschger

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Die Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) verspricht mit ihrem neuen Schiffsfahrplan ab 2020 «mehr See». Für zwei Jahre mag dies stimmen, doch dann droht auf dem Zürichsee der grosse Abbau. Der Grund: Die Stadt Rapperswil-Jona hat vor wenigen Tagen einen Entscheid mit weitreichenden Folgen für die ZSG gefällt.

Doch der Reihe nach: Der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) machte den Gemeinden in den Kantonen Schwyz und St. Gallen vergangenes Jahr klar, dass sie ab 2020 tiefer in die Tasche greifen müssen für die Schifffahrt auf dem Zürichsee. Der ZVV hatte den Gemeinden gegenüber so argumentiert: «Gemäss den Bestimmungen des kantonalen Personenverkehrsgesetzes kann das Verbundgebiet nur dann über die Kantonsgrenze hinaus erweitert werden, wenn die ungedeckten Kosten der ausserkantonalen Linienabschnitte vollständig durch die entsprechenden Gemeinwesen finanziert werden.» Darauf hatte der Kanton Zürich gerade bei den kleinen Obersee-Gemeinden über viele Jahre verzichtet, weil die Berechnung der Kosten unverhältnismässig viel Aufwand generiert hätte. Nur Rapperswil-Jona und Freienbach leisteten über spezielle Schiffstegvereinbarungen Beiträge an die Schifffahrt.

Obersee-Rundfahrten gestrichen

Wie diese Zeitung Ende Mai bereits berichtete sind die kleinen Gemeinden Schmerikon, Altendorf und Lachen nicht bereit, die finanziellen Forderungen zu erfüllen. Damit werden bereits ab 2020 die täglichen Rundfahrten während der Sommersaison auf dem Obersee gestrichen. Schiffe verkehren dort damit nur noch am Wochenende. Der Zürcher Verkehrsverbund betont, die Beitragsforderungen seien nicht aus der Luft gegriffen, sondern es seien schlichtweg die anfallenden Kosten für die Schifffahrten.

Rapperswil-Jona, das mit dem neuen Schiffsfahrplan deutlich mehr angefahren wird, konnte sich für die kommenden zwei Jahre mit dem ZVV einigen und erhöht die Beiträge von heute rund 150000 Franken auf rund 270000 Franken. Am Verhandlungstisch wurde dafür in die Trickkiste gegriffen: Die derzeit gültige Schiffstegvereinbarung läuft mit der Stadt nämlich ohnehin noch zwei Jahre weiter. Auf dieser heutigen Grundlage wird nun auch die zusätzliche finanzielle Beteiligung an den neuen Schiffskursen berechnet. Beim ZVV zeigt man sich in einer ersten Reaktion erfreut über diese Lösung. Der Fahrplan 2020 dürfte damit in trockenen Tüchern sein, auch wenn er formell noch vom Zürcher Verkehrsrat abgesegnet werden muss.

Unverhältnismässige Forderungen

Im Beschluss, welcher der «Zürichsee-Zeitung» vorliegt, macht der Stadtrat von Rapperswil-Jona aber auch klar, dass man nicht bereit ist, die ursprünglichen Forderungen des ZVV von 750000 Franken zu erfüllen. Diese Zahl sei «nicht verhältnismässig». Weiter heisst es: «Im Hinblick auf die wichtige Bedeutung des Hafens in Rapperswil-Jona für die Bevölkerung wie auch für die ZSG ist der Stadtrat aber bereit, Leistungen im Umfang von jährlich 400000 Franken der ZSG zu entschädigen.»

Die Stadt weist darauf hin, dass die Leistungen der Bürgerschaft vorgelegt werden sollen. Rapperswil-Jonas Stadtpräsident Martin Stöckling (FDP) betont, die 400’000 Franken sei keine Obergrenze für Beiträge an die ZSG. «Es ist vielmehr der Betrag, den wir uns für die Schifffahrt allgemein als mehrheitsfähig vorstellen können.» Der Betrag beinhaltet also auch Beiträge an die privat - also nicht von der ZSG - betriebene Obersee-Fähre von Lachen nach Busskirch, die in diesem Jahr erstmals getestet werden soll.

Die Konsequenzen für die ZSG sind klar: Das Schifffahrtsunternehmen muss den Fahrplan für die Jahre ab 2022 nochmals neu bauen. Denn die ZSG machte der Stadt Rapperswil-Jona schon vor dem Begehren klar, dass bei einer geringeren Beteiligung als 750000 Franken die Leistungen «überprüft» werden müssten. Und das könnte für alle Gemeinden am Zürichsee gravierende Folgen haben. Die ZSG teilte der Stadt Rapperswil-Jona im Mai, so heisst es im Stadtratsbeschluss, nämlich mit, «dass ein redimensioniertes Angebot Auswirkungen auf alle beteiligten Gemeinden haben wird». Es sei zum jetzigen Zeitpunkt zudem unklar, ob eine Umsetzung des Fahrplans, «und insbesondere die grosse Rundfahrt», überhaupt möglich wäre.

Die ZSG äussert sich noch zurückhaltend

Wann und wie die ZSG den neuen Fahrplan ab 2022 plant, ist noch offen. ZSG-Direktor Roman Knecht will sich auf Anfrage nicht dazu äussern. Er teilt mit: «Wir fokussieren uns jetzt zuerst auf die Fahrplanumstellung im Dezember 2019.» Danach befasse man sich dann mit der Angebotsplanung von/nach Rapperswil ab 2022. «Wie wir das tun und was für Auswirkungen das haben wird, wissen wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht.»

Klar ist: Die Verhandlungen, aber auch die politischen Diskussionen um das Schiffsangebot dürften weitergehen. Martin Stöckling hofft, dass die Bevölkerung von Rapperswil-Jona auch ab 2022 ein gutes Schiffsangebot in Anspruch nehmen kann. Er sieht die Stadt derzeit aber nicht in der Pflicht, sich über einen allfälligen Fahrplan oder andere Finanzierungsmöglichkeiten Gedanken zu machen. Aber er hat klare Erwartungen an die ZSG: «Ich gehe davon aus, dass das Schifffahrtsunternehmen seine Kostenstruktur im Griff hat, um möglichst kostengünstig ein gutes Angebot anbieten zu können.»

Erstellt: 06.06.2019, 18:11 Uhr

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