Verkehr

Mobilitätsapps überfordern Kunden

Zug oder Auto? Für jede beliebige Strecke schlagen Apps das geeignete Verkehrsmittel vor. Immer mehr Anbieter buhlen um die Gunst der Kunden – ohne Erfolg.

Immer mehr Apps buhlen um die ÖV-Kunden. Die Resonanz der Kunden ist jedoch bescheiden.

Immer mehr Apps buhlen um die ÖV-Kunden. Die Resonanz der Kunden ist jedoch bescheiden. Bild: Manuela Matt

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Die Frage ist so einfach wie alltäglich: Wie komme ich am schnellsten von A nach B? Selten liegen Start- und Zielort direkt an einem Bahnhof, mit dem Auto steht man auf der gewählten Route dafür vielleicht oft im Stau. Die Zeiten, in denen Verkehrsmittel gegeneinander ausgespielt wurden, sollen bald vorbei sein. «Mobility as a Service» heisst das Zauberwort. Die Dienstleistungen von Bahn und Bus sollen mit jenen von Carsharing-Anbietern wie Mobility, Taxiunternehmen oder Velovermietern kombiniert werden. Abgerechnet wird im Idealfall nur einmal.

Grosse Konkurrenz

In der Schweiz buhlen mehrere Anbieter mit Apps um die Gunst der Kunden. Sie versprechen den Nutzern eine solch verkehrsmittelübergreifende Reiseplanung. Doch den Kunden ist das bisher offenbar herzlich egal. Letzte Woche musste die Südostbahn bekannt geben, dass sie ihre Reiseplattform «Abilio» einstellt. Offiziell begründet wird der Schritt mit der Bündelung der «Mobility as a Service»-Geschäftsbereiche von Innovationspartner Siemens. Klar ist aber auch: Die App kam bei den Kunden nicht gut an. Nur gerade 40 Billette täglich verkaufte die SOB. Mit dem Aus von «Abilio» dürften auch die Tage der praktisch identischen App «Einfach mobil» gezählt sein. Betreiber TCS ist mit Entwickler Siemens in Gesprächen über die Zukunft der App.

Im Markt bewegt sich auch Postauto. Das Unternehmen hat nebst den ÖV-Fahrplänen auch Dienstleister wie Mobility, Publibike oder Taxi Go integriert. Die App berechnet nicht nur die schnellsten Routen für die verschiedenen Verkehrsmittel, sondern schlägt – mit Preisvergleich – auch kombinierte Routen vor: mit dem Zug zum letzten grösseren Bahnhof, dann mit dem Taxi bis zur Zieladresse.

Zu kompliziert

Bei Postauto gibt man freimütig zu, dass «sich die Erwartungen auf der Marktseite nicht erfüllt haben». Mediensprecher Urs Bloch sagt, die App werde mehrheitlich für klassische Fahrplanabfragen genutzt. «Wir verorten die Ursachen unter anderem in den noch immer bestehenden Brüchen im Buchungsprozess.» Das heisst: Für die Reservation und die Buchung von Angeboten ausserhalb des öffentlichen Verkehrs muss die App gewechselt werden. Die Nutzer brauchen bei allen Anbietern eigene Nutzerkonten. Und Urs Bloch ergänzt, es sei zudem nicht möglich gewesen, ein Tarifmodell zu entwickeln, das den ÖV mit anderen Verkehrsmitteln kombiniert habe. «Das Kundenerlebnis ist somit noch nicht in allen Punkten ideal.»

Postauto und SBB sind deshalb kürzlich eine Kooperation eingegangen, um sich in diesem Bereich gemeinsam gegen die internationale Konkurrenz zu wappnen und Lösungen für «Mobility as a Service« zu finden.

Ein Werbevideo von Postauto zeigt die Funktionen der App

Auch VBZ will App

Zu glauben, dass sich die Branche nun gemeinsam zusammenrauft, um gegen die internationale Konkurrenz wie Google oder Apple anzukommen, ist aber verfehlt. Die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) suchen derzeit europaweit einen Anbieter für eine eigene Mobilitätsplattform. Voraussetzung ist, dass die App bereits in einer Stadt mit einem Einzugsgebiet von mindestens 250000 Einwohnern funktioniert. «Unser Ziel ist eine qualitativ hochstehende Lösung, welche spezifisch auf den Markt der Urbanregion Zürich ausgerichtet ist», sagt VBZ-Mediensprecher Tobias Wälti. Als Teil der Stadtverwaltung hätten die VBZ den Auftrag, in Gesamtlösungen zu denken. Ziel sei es, dass der Verkehr möglichst fliessend unterwegs sei.

SOB will neutrale Plattform

Die Südostbahn ihrerseits will trotz Misserfolg mit «Abilio» die Idee einer «offenen Mobilitätsplattform» weiterdenken und hat deshalb eine gleichnamige Interessengemeinschaft initiiert. Ziel ist die «Schaffung eines neutralen, offenen schweizweiten digitalen Marktplatzes für Mobilität». Konkrete Projekte der IG gibt es allerdings noch keine, später könnte aus der IG aber eine Genossenschaft werden. Unterstützt wird die Südostbahn unter anderen von der Baselland Transport AG oder dem E-Bike-Vermieter Smide.

Erstellt: 15.07.2019, 15:18 Uhr

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