Obergericht

Oberrichter verschärfen Urteil gegen Vergewaltiger

Einvernehmlicher Sex oder Vergewaltigung beim Bahnhof Langnau? Keine Frage für die Oberrichter. Sie verurteilen einen 27-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren.

Nach dem Bezirksgericht Horgen hat nun auch das Obergericht den 27-jährigen Zentralafrikaner (vorne links) schuldig gesprochen.

Nach dem Bezirksgericht Horgen hat nun auch das Obergericht den 27-jährigen Zentralafrikaner (vorne links) schuldig gesprochen. Bild: Archiv Robert Honegger

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Ein furchteinflössender Hüne ist er nicht, der 27-jährige Zentralafrikaner. Doch der Familienvater soll vor zwei Jahren eine junge Frau vergewaltigt und bestohlen haben. Mitten in Langnau, nachts, im Regen, auf der Treppe beim Bahnhof. Die beiden hatten sich in der letzten S4 getroffen.

Der Zentralafrikaner wohnte im Durchgangszentrum Adliswil, mit seiner Familie. Ihr Asylgesuch wurde abgelehnt, sie hatten zuvor schon eines in Italien gestellt. Die Familie hat noch beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte interveniert. Das Bezirksgericht Horgen war von der Schuld des Mannes überzeugt und verurteilte ihn zu vier Jahren und einem Monat Gefängnis sowie einem Landesverweis für neun Jahre.

Nationales Thema

Der Fall schlug sogar nationale Wellen. Die Zürcher SVP-Nationalrätin Barbara Steinemann wollte vom Bundesrat wissen, wieso die Ausweisung gestoppt wurde. Wie die damalige Justizministerin Simonetta Sommaruga (SP) sagte, sei vom Gerichtshof die Anweisung erfolgt, die Ausschaffung nach Italien auszusetzen, solange er nicht entschieden habe. Das hat er bis heute nicht. Denn wie der Beschuldigte an der Berufungsverhandlung am Obergericht sagt, habe er nichts Neues gehört.

Er betont, dass er die Frau nicht vergewaltigt habe. In der Sihltalbahn hätten sie miteinander gesprochen. Sie habe ihn nach Kokain gefragt und angeboten, für Drogen mit ihm zu schlafen. Darum sei er mit ihr bis nach Langnau gefahren. Drogen habe er jedoch keine dabeigehabt. Ungläubig fragt ihn der Vorsitzende Richter, ob die junge Frau in den Deal einwilligte, ohne das Kokain gesehen zu haben. Sie seien eben beide betrunken gewesen, meint er.

Wenn es einvernehmlicher Sex war, wieso dann mitten auf der unbequemen Treppe, hakt der Richter nach. Der 27-Jährige weicht aus, sagt, der Richter würde nur verstehen, wenn er sie damals im Zug erlebt hätte. Immer wieder schiebt er die Schuld auf den Alkohol, etwa auch warum er ihr die Tasche klaute, obwohl sie doch angeblich einvernehmlichen Sex hatten.

Streit unter Juristen

Sein Verteidiger sagt, die Initiative sei von der Frau ausgegangen, sie habe ja nur kurz vorher in Zürich Sex mit einem flüchtigen Bekannten gehabt. Auch Drogenkonsum habe ihr nachgewiesen werden können. Im Zug habe sie sich zum Beschuldigten hingesetzt, obwohl alles frei war.

Argumente, bei denen den anderen Juristen im Raum die Spucke wegbleibt. Die Staatsanwältin spricht von einer zerstörerischen Tat. «Dass ein Sitzplatz in der Nähe eine sexuelle Avance sein soll, ist hanebüchen», meint sie. Die Vertreterin des mutmasslichen Opfers störte sich daran, dass dieses irgendwie selber schuld sein solle. Das sei eine Verteidigungsstrategie aus der Mottenkiste.

Den heftigen Vorwürfen schliesst sich das Gericht an. Es sei völlig lebensfremd, wenn man das Opfer quasi als drogensüchtige Prostituierte darstelle. Die Geschichte vom einvernehmlichen Sex sei ein offensichtliches Märchen, sagt der Vorsitzende Richter. Der Beschuldigte habe sie als Freiwild angesehen. «In der Schweiz sollen Frauen auch auf offener Strasse sicher sein», so der Richter. Ein Ausländer, der auf offener Strasse eine Frau vergewaltige, verliere das Recht, hierzubleiben. Die Richter erhöhen die Strafe auf fünf Jahre Gefängnis und einen Landesverweis für zehn Jahre.

Erstellt: 17.06.2019, 18:50 Uhr

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