Gemeinderating

Wenn die bescheidene Landgemeinde attraktiver ist, als das Steuerparadies

Gemäss einer Untersuchung der «Weltwoche» sind Zollikon und Rüschlikon fast die lebenswertesten Gemeinden der Schweiz. Kilchberg, die Gemeinde mit dem tiefsten Steuerfuss Zürichs fällt hingegen ab. Offenbar geht es im Steuerparadies ziemlich rau zu und her.

Ein vermeintlich gefährliches Pflaster: Steuerparadies Kilchberg.

Ein vermeintlich gefährliches Pflaster: Steuerparadies Kilchberg. Bild: Keystone

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Total 921 Gemeinden und Städte hat die Beraterfirma IAZI im Auftrag der «Weltwoche» auf ihre Attraktivität verglichen. Meggen LU kommt auf Rang 1. Dicht gefolgt von Zollikon und Rüschlikon, das die letzten beiden Jahre auf dem ersten Platz stand. Die meisten Gemeinden an Gold- und Silberküste liegen zuverlässig in den Top 50. Das Linthgebiet muss sich mit Plätzen im Mittelfeld begnügen. So weit, so normal. Doch das jährlich erstellte Rating zeigt auch Erstaunliches. Die am zweitschlechtesten platzierte Gemeinde aus den Bezirken Meilen und Horgen ist Kilchberg auf Rang 102. Wie bitte? Das Steuerparadies, das an die attraktive Grossstadt Zürich grenzt? Bisher war Kilchberg ein Garant für Spitzenplätze, noch 2017 lag es auf Rang 5. Und jetzt geschlagen von Oetwil, Buchs oder Ingenbohl. Wie konnte das denn passieren?

Die Untersuchung beinhaltet 50 Kriterien, zusammengefasst in sieben Kategorien: Wohnen, Arbeitsmarkt, Versorgung, Ereichbarkeit, Steuern, Sicherheit und Bevölkerungsstruktur. In drei Kategorien landet die Seegemeinde in den Top 20 — bei den Steuern, klar, der Erreichbarkeit mit öV und der Verkehrserschliessung — erscheint sinnvoll — und bei der Bevölkerungsstruktur. Auch das klingt logisch; viele Topverdiener, wenig Arme, genügend Nachwuchs.

Doch bei den anderen Kategorien brauen sich dunkle Wolken über dem Steuerparadies zusammen. Rang 269 beim Arbeitsmarkt, 286 beim Wohnen, 306 bei der Versorgung und, man glaubt es kaum, 431 bei der Sicherheit. Mord und Totschlag in der Villen-Idylle? Gemäss den Autoren wurden die Straftaten gegen das Strafgesetzbuch, Betäubungsmittel und Ausländergesetz gewertet. Gegen die sichersten Gemeinden Hölstein und Oberdorf in Basel-Landschaft mit je weniger als 2500 Einwohnern wirkt Kilchberg halt schon wie die Bronx.

Die Goldküste lässt nichts anbrennen. Zumikon und Erlenbach liegen mit den Rängen 31 und 37 schon verhältnismässig weit hinten. Am guten Resultat mögen auch Ausrutscher bei der Versorgung in Küsnacht (Rang 580) oder Herrliberg (718) nichts ändern. Dabei werden etwa Anzahl Ärzte und Läden ermittelt. Die Doktoren wohnen zwar da, haben ihre Praxen aber in Zürich. Und das Lädelisterben hat schon lange eingesetzt.

Rapperswil-Jona verliert den Platz als lebenswerteste St. Galler Gemeinde an Bad Ragaz. Im Kurort fühlen sich eben auch Popstars wie Justin Bieber oder Fussballclubs wie Borussia Dortmund wohl. Dass aber Uznach, als 245. rund 60 Plätze vor der Rosenstadt steht, überrascht. Den Autoren der Studie hat es die Versorgung angetan. Auf dem 120. Platz steht Uznach. Das mag daran liegen, dass das Spital dort steht und genügend Einkaufsmöglichkeiten vorhanden sind. Erstaunlich: Obwohl Rapperswil-Jona bezüglich Wohnsituation, Steurbelastung oder Erreichbarkeit deutlich attraktiver eingeschätzt wird, kommt es nicht mal an Schmerikon vorbei.

Andererseits liegt Founex an erster Stelle bei der Bevölkerungsstruktur. Nie gehört? Die Pendlergemeinde liegt am Genfersee und zählt weniger als 4000 Einwohner. Vielleicht sollte man die Studie ganz einfach nicht zu ernst nehmen. Und sich auch in Kilchberg nachts noch auf die Strasse wagen.

Erstellt: 16.08.2018, 17:05 Uhr

Das Gemeinderating der «Weltwoche»

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