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Big Data im Tierreich«Icarus»-Projekt zur Tierbeobachtung aus dem All startet

Das deutsch-russische Projekt will ein «globales Netzwerk für die Tierwelt» erschaffen. Dafür wurden Tausende Lebewesen mit Sendern ausgerüstet, die ihre Daten an eine Antenne an der Raumstation ISS schicken.

Als erstes stehe eine Studie zum Zugverhalten von über 2000 Amseln und Drosseln in Europa, Russland und Nordamerika an.
Als erstes stehe eine Studie zum Zugverhalten von über 2000 Amseln und Drosseln in Europa, Russland und Nordamerika an.
Foto: Keystone

Das deutsch-russische Projekt «Icarus» zur Tierbeobachtung aus dem All soll nach mehrfacher Verzögerung in der kommenden Woche mit dem wissenschaftlichen Betrieb starten. Als erstes stehe eine Studie zum Zugverhalten von über 2000 Amseln und Drosseln in Europa, Russland und Nordamerika an, teilte die Universität Konstanz am Donnerstag mit. Die Tiere wurden dafür mit Mini-Sendern ausgerüstet, die ihre Messdaten an eine Antenne an der Raumstation ISS schicken.

Mit «Icarus» (International Cooperation for Animal Research Using Space) wollen die Wissenschaftler beispielsweise mehr über die Wanderrouten von Tieren herausfinden – etwa um Schutzzonen anzupassen oder auch Epidemien vorzubeugen. Denn Tiere können bei ihren Wanderungen Krankheitserreger verbreiten. Zudem könnte «Icarus» als Frühwarnsystem für Naturkatastrophen dienen: Schon länger gibt es Hinweise darauf, dass Tiere sich vor Ereignissen wie schweren Erdbeben auffällig verhalten, etwa unruhig werden.

Im Frühjahr war «Icarus» in eine mehrmonatige Testphase gestartet. Diese sei sehr erfolgreich verlaufen, sagte der wissenschaftliche Leiter Martin Wikelski vom Konstanzer Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie. «Die Datenübertragung vom Boden zur ISS funktioniert 10 bis 15 Mal besser als gedacht.» Es hätten bereits mehrere Hundert Forschungsgruppen ihr Interesse an der Nutzung angemeldet.

An «Icarus» sind unter anderem auch die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) beteiligt.

Interview mit Projekt-Leiter Martin Wikelski: «Wir verbinden die Tiere zu einem globalen Netz»

Soll der Mensch Hunderttausende Tiere mit Sensoren versehen, um sie zu überwachen? Und dürfen Drohnen diese töten? Zoologe Martin Wikelski über das Internet der Tiere.

DPA/step