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Kolumne lomoIch und mein Hund

Auf seinen Spaziergängen fühlt sich unser Kolumnist wie ein Hund, seine Gedanken spurten immer neugierig voraus.

Hunde bestehen bei jedem Wetter auf einem täglichen Spaziergang.
Hunde bestehen bei jedem Wetter auf einem täglichen Spaziergang.
Foto: Marc Dahinden

Wer mit einem Hund zusammenlebt – ich sage bewusst «zusammenlebt», denn «besitzen» tut man Haustiere ja sowieso nie (wenn schon, dann ist es umgekehrt) –, wenn man also mit einem Hund zusammenlebt, hat man damit bekanntlich auch gleich ein tägliches Sporttraining. Denn im Unterschied zum Laufband im Fitnesscenter akzeptiert der Hund keine Ausrede und besteht bei jedem Wetter auf einem täglichen Spaziergang.

Ich mach es übrigens auch so, und das ganz ohne Hund, oder genauer gesagt: Ich glaub, ich bin selber beides zugleich, sowohl Hundchen als auch Herrchen. Wie bei Ersterem zieht es mich täglich nach draussen, und wie Letzteres bin ich oft faul, und so kann es kommen, dass ich vor dem Spaziergang erst eine halbe Stunde mit mir ringe, bis ich mich sozusagen selber an der Leine vom Sofa nach draussen ziehe. Und auch im Wald fühle ich mich, obwohl scheinbar ganz allein, doch recht ähnlich wie all jene, die dort mit ihren Hunden zusammen Gassi gehen.

«Wenn ich dann die Aufsätze korrigiert habe, gibts ein Guetsli, gell?»

Während ich so spaziere und sinniere, spurten meine Gedanken immer wieder schwanzwedelnd voraus, beschnuppern neugierig einen Baumstrunk am Wegrand oder möchten dem Rascheln in der Hecke hinterher, während der Rest von mir langsam dahintrottet. Und dann wieder bleiben die Gedanken stocksteif stehen und wollen nicht weiter, während ich sie weiterzuziehen versuche. Ich werfe mir auch gerne Stöckchen: «Jetzt noch bis zu dieser Weggabelung.» – «Nach dem Spaziergang mach ich mir dann einen Tee.» – «Was muss ich nachher noch für Mails schreiben?» – «Wenn ich dann die Aufsätze korrigiert hab, gibts ein Guetsli, gell?»

Wenn mir in dem Moment jemand in die Quere kommt, kann es zuweilen schon vorkommen, dass ich knurre, weil ich mich gestört fühle, nur hört es sich bei mir anders an: «Aha, sind Sie auch im Wald unterwegs?» Oder: «Auch einen lieben Gruss an die Familie!» Und nur wer ganz genau hinschaut, kann sehen, dass ich dazu meine Zähne fletsche.

Viel öfter freu ich mich aber, wenn ich andere Hunde, äxgüsi: Bekannte treffe, und wenn ich mit ihnen jaule, äxgüsi: rede, dann aus echtem Interesse. Oft spring ich dabei sogar ein bisschen herum. Nur an Bäume pinkle ich sehr selten. Ich und mein Hund sind nämlich nicht nur stuben-, sondern auch waldrein.