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Coronavirus in ChinaIm Reich der Hoffnung

In China, wo das Virus stark eingedämmt werden konnte, scheint langsam Normalität einzukehren. Sieht so der Neuanfang aus? Und wie stabil ist er?

In China werden die Corona-Massnahmen gelockert: Bürgerinnen bestaunen in Peking Kirschblüten.
In China werden die Corona-Massnahmen gelockert: Bürgerinnen bestaunen in Peking Kirschblüten.
Foto: Keystone

Vor ein paar Tagen liess eine Meldung aus China aufhorchen: Neue Infektionen mit dem Coronavirus gebe es keine mehr. Nur 40 Personen seien in der letzten Woche positiv getestet wordenallesamt Rückkehrer aus anderen Ländern. Ausländische Experten zweifeln allerdings an diesen Zahlen; Chinas Behörden verheimlichen schlechte Nachrichten gerne und loben minimale Erfolge über den grünen Klee. Der Trend ist indes eindeutig: Die Zahl der Neuinfektionen ist in China wegen der drastischen Ausgangssperren deutlich zurückgegangen.

China kommt so eine Vorreiterrolle zu, denn die meisten von Corona heftig heimgesuchten Länder haben inzwischen eine Art Lockdown beschlossen. Nun wartet man bange, ob und wann sich die Kurve der Neuinfektionen analog zu China verhalten wird. Natürlich sind die Länder nicht 1:1 miteinander vergleichbar, weil die ergriffenen Massnahmen und die politischen Systeme sowie das Verhalten der Zivilbevölkerung verschieden sind. Doch der Blick nach China lohnt sich nur schon, um ein bisschen Hoffnung in diesen schweren Zeiten zu tanken und zu sehen, wie der Alltag langsam, ganz langsam wieder normal wird.

«Hier in China haben wir das Gefühl, dass wir aus dem Albtraum herauskommen, allmählich und zögerlich; es gibt keine Party-Stimmung, nur eine von Erleichterung und Dankbarkeit, dass wir lebendig und gesund sind», schreibt die «Vogue China»-Chefin in einem Blog-Posting. In der Hauptstadt Peking öffnen immer mehr Restaurants, die ersten Bürger trauen sich sogar ohne Atemschutzmaske raus. Und offenbar kam es bereits wieder zu den gefürchteten Pekinger Verkehrsstaus, wie der «Guardian» berichtet.

Eine Shopping-Strasse in Schanghai.
Eine Shopping-Strasse in Schanghai.
Reuters
Parks in Peking sind wieder geöffnet.
Parks in Peking sind wieder geöffnet.
Reuters

Zu Beginn der Kirschblütensaison drängt China darauf, zunächst seine Attraktionen im Freien zu öffnen und die Bewohner die Natur geniessen zu lassen. In Peking sind auch die Tore der Parks offen, in Shanghai haben laut «Forbes» der städtische Zoo und der Botanische Garten wieder geöffnet, und über 180 Museen im ganzen Land lassen ebenfalls Besucher zu. Deren Zahl ist auf 2000 Personen im Shanghai-Museum und bis zu 5000 im China-Kunstmuseum begrenzt.

Badaling, der beliebteste touristische Abschnitt der Chinesischen Mauer, ist auch wieder geöffnet. Besucher müssen über einen registrierten Gesundheits-QR-Code auf ihrem Handy verfügen, bevor ihnen der Zutritt gestattet wird. Ausserdem müssen sie Gesichtsmasken tragen und sich einen Meter voneinander entfernt aufhalten.

Besucher wieder erlaubt: Die Chinesische Mauer bei Badaling.
Besucher wieder erlaubt: Die Chinesische Mauer bei Badaling.
Keystone

Mehr als 3700 der als «A-Level» bezeichneten Touristenattraktionen Chinas sind offenbar wieder begehbarwas 30 Prozent entspricht. Fast alle Einzelhandelsgeschäfte seien ebenfalls zurück im Business. Allerdings ist der Neuanfang schwierig, wie die «New York Times» schreibt. Dutzende Millionen von Arbeitern können wegen der immer noch reduzierten öffentlichen Infrastruktur nicht zur Arbeit erscheinen. Und selbst wenn sie zurückkommen, ist davon auszugehen, dass chinesische Unternehmen aufgrund der sich verschlimmernden Coronavirus-Epidemien in anderen Ländern einen Einbruch der Nachfrage erleiden.

Dass es im grossen Ganzen vorwärtsgeht, zeigen auch die vielen wieder aufgenommenen Inland-Flugrouten. Die wenigen internationalen Flüge dürfen in Peking allerdings nicht an einem der beiden Hauptstadtflughäfen landen, sondern werden in Nachbarprovinzen umgeleitet. Alle Passagiere an Bord müssen nach ihrer Ankunft sofort in eigens eingerichtete Quarantänezentren.

Da die Zahl der neuen Fälle des Coronavirus in China zurückgeht, lässt die chinesische Regierung erstmals per Dekret einige Kinos wieder öffnen: Laut der Website Deadline haben etwa 500 wiedereröffnet, was fünf Prozent der chinesischen Kinos entspricht. Ausserdem sind inzwischen sämtliche Apple-Stores offen, und Starbucks will bis Ende März 90 Prozent der Läden wieder öffnen, darunter fünf in Wuhan, dem Epizentrum des Corona-Ausbruchs.

Fertig Lockdown: In Wuhan werden Strassensperren demontiert.
Fertig Lockdown: In Wuhan werden Strassensperren demontiert.
Reuters

Auch der China-Korrespondent der ARD berichtet, dass in der Provinz Hubei die Menschen wieder vor die Tür dürfen. Die temporären Spitäler schliessen, die Ausgangssperren in Wuhan und dem Rest der Provinz würden gelockert. Busse, Bahnen und U-Bahnen fahren wieder, und Kontrollpunkte werden nach Angaben der Behörden abgebaut. Wuhan war am 23. Januar unter Lockdown-Massnahmen gestellt worden. Im ARD-Bericht wird allerdings auch darauf hingewiesen, dass es einen Unterschied gebe zwischen dem, was die Zentralregierung wolle, und dem, was in den Provinzen umgesetzt werde: «Die Zentralregierung macht alles, damit die Leute wieder arbeiten gehen. Vor Ort aber werden Menschen und Betriebe von den Behörden teilweise davon abgehalten, zum Alltag zurückzukehren, aus Angst vor Neuinfektionen.»

Tatsächlich bleibt die Problematik einer zweiten Infizierungswelle, sobald die Massnahmen gelockert werden. In Wuhan gehen Epidemiologen von einer Durchseuchungsrate von um die 20 Prozent aus, was rund zwei Millionen Infizierten entspräche. Die sogenannte Herdenimmunität setzt bei einer Durchseuchungsrate von 6070 Prozent ein. Bei einem Erstarken des Coronavirus, so heisst es seitens der chinesischen Behörden, werde man gezielt reagieren – sprich, die Massnahmen wieder verschärfen.

28 Kommentare
    Stefan Meier

    Seid nicht so naiv und glaubt den Zahlen aus China! Xi Jinping segnet die Zahlen wohl persönlich ab bzw. frisiert sie wenn nötig.