Bülach

«Eine Jagdschiessanlage ist kein Golfplatz»

Die geplante Jagdschiessanlage in Bülach muss nach einem Urteil des Baurekursgerichts redimensioniert werden. Die Parteien könnten das Urteil aber weiterziehen.

Die geplante Jagdschiessanlage im Norden von Bülach wird von Anwohnern abgelehnt. Diese befürchten eine untragbare Lärmbelastung.

Die geplante Jagdschiessanlage im Norden von Bülach wird von Anwohnern abgelehnt. Diese befürchten eine untragbare Lärmbelastung. Bild: Archiv ZU

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Ihren Unmut über die geplante Jagdschiessanlage Widstud in Bülach hatten die Anwohner wiederholt kundgetan. Nun haben sie einen kleinen Erfolg erzielt im Protest gegen das Projekt. Das Baurekursgericht hat in seinem gestern veröffentlichten Urteil dem Rekurs der Stiftung Zürcher Kinder- und Jugendheime teilweise stattgegeben. Dieses betreibt das Schulinternat Heimgarten, das sich in einer Entfernung von 400 Metern von der ­geplanten Anlage befindet. Dort werden die Übungsschüsse dereinst gut hörbar sein.

«Abenteuerliche Vorstellung»

Das Gericht pflichtet der Stiftung unter anderem bezüglich der Dimensionen der Anlage bei. So forderte die Stiftung, dass die Zahl der Parkplätze von 120 auf 40 reduziert werde. Die Richter nennen zwar keine Zahl, jedoch halten sie fest, dass diese signifikant zu reduzieren sei. Die Rekursgegnerin, also die Baudirektion, habe «die strittige Schiessanlage bezüglich Parkplatzbedarf unzutreffenderweise mit einem Golfplatz verglichen». Jedoch seien Golfplätze einem grösseren Publikumskreis zugänglich und hätten deutlich längere Betriebszeiten. Golfplätze hätten entsprechend ein grösseres Verkehrsaufkommen und einen grösseren Bedarf an Parkplätzen.

Zudem halten die Richter fest, dass eine Fläche von maximal 400 Quadratmetern für eine Büchsenmacherei ausreiche – dies haben sie beim Vergleich mit anderen Büchsenmachereien und Detailhandelsgeschäften festgestellt. Vorgesehen war eine Fläche von maximal 600 Quadratmetern. Auch in Sachen Schulungsräume weist das Gericht die Streitsache an die Baudirektion zurück: Die Vorstellung der Rekursgegnerin, auf der Jagdschiessanlage Anlässe mit Hunderten von Personen abhalten zu wollen, sei vor dem raumplanerischen Hintergrund «geradezu abenteuerlich». Die Baudirektion muss nun deshalb prüfen, ob die vorgesehene Fläche von 170 Quadratmetern angemessen oder zu gross ist.

«Mit dieser Zielvorstellung (wozu auch die Parkierungsanlage für 120 Fahrzeuge sowie die zu gross konzipierte Büchsenmacherei gehören) wären alle ­Voraussetzungen geschaffen, mit dem Gestaltungsplan ein jagdsportliches Eventzentrum errichten zu können», heisst es im Urteil. Ein solches stehe aber weder im Einklang mit der Richtplanvorgabe, noch sei es raumplanerisch an diesem Ort ausserhalb des Baugebiets zu verantworten. Weiter hält das Gericht das geplante Restaurant für unnötig.

Nicht zufrieden mit Entscheid

Die Richter stimmen aber in einigen Punkten, in denen es um die Lärmbelastung geht, nicht mit den Rekurrenten überein: So lehnen sie zum Beispiel den Ausschluss von Sportschützen, eine Maximalzahl von 207?000 Schüssen pro Jahr, eine Begrenzung von Schiesshalbtagen oder auch die von der Rekurrentin vorgeschlagenen Öffnungszeiten ab. Für diese aber sind genau diese Einwände die wichtigeren.

So sagt Thomas Wild, Gesamtleiter des Internats: «Wir freuen uns insofern, als die Dimension der gesamten Anlage infrage gestellt wird.» Jedoch folge das Gericht in den für die Stiftung wirklich bedeutenden Punkten – also in der Lärmbelastung – ausnahmslos der Argumentation der Baudirektion. Man habe sich gewünscht, dass auch diese Aspekte gutgeheissen würden. «Mit diesem Entscheid können wir nicht zufrieden sein», betont Wild. Ob die Stiftung das Urteil an das Verwaltungsgericht weiterziehe, sei Gegenstand interner Beratungen.

An die nächste Instanz gelangen könnte auch die Baudirektion. Ob sie dies tun wird, ist derzeit aber noch unklar. Fragen zum Urteil hat das Amt gestern nicht beantwortet. Mediensprecher Wolfgang Bollack verwies auf das laufende Verfahren. Zudem liege das Urteil erst seit einigen Tagen vor, und die Rekursfrist laufe noch. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 12.09.2016, 11:46 Uhr

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