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Kolumne LomoKaufmännisch aufrunden

Lomo staunt über seinen Sohn, für den eine 3,4 fast schon eine 3,6 ist und die wiederum aufgerundet eine genügende 4 ergibt.

Der Sohn des Landbote-Kolumnisten legt einen spielerischen Umgang mit Zahlen an den Tag.
Der Sohn des Landbote-Kolumnisten legt einen spielerischen Umgang mit Zahlen an den Tag.
Archivbild: Reto Oeschger

Sie kennen den Ausdruck im Titel der Kolumne nicht? Ich kannte ihn auch nicht. Bis gestern. Da hat ihn nämlich mein Teenager-Sohn beim Abendessen erfunden. Im Zusammenhang mit der Französischprüfung der Vorwoche. Genauer gesagt im Zusammenhang mit der Note, die er dafür gekriegt hat. Die war nämlich eine 3,4 und hätte mich auch gar nicht weiter beschäftigt.

Aber es blieb dann nicht bei der Mitteilung. Ungefragt erläuterte mir der Sohn dann, dass eigentlich ja nur ganz wenig gefehlt habe, damit er bei der Prüfung eine 3,6 gehabt hätte. Diese Note wiederum – Achtung, jetzt kommts – hätte man dann «kaufmännisch aufrunden» können auf eine 4. Da musste ich dann am Familientisch aber doch etwas laut werden. Nicht etwa schimpfend, sondern weil ich so lachen musste.

Statt wie sonst in der Notengebung üblich erst ab einer 3,8 auf 4 aufzurunden, bedeutet «kaufmännisch» also, dass man schon zwei Zehntelnoten früher damit anfängt. «Kaufmännisch aufrunden» klingt zwar gut, nur frage ich mich, welcher Kaufmann tatsächlich so rechnet.

Wer derart grosszügig mit Zahlen umgeht, hat am Ende des Monats entweder mit der eigenen Buchhaltung oder mit der Kundschaft ein Problem. Auch fragte ich mich, was wohl mein Sohn im Mathematikunterricht so lernt. Ob man den guten Noten, die er von dort heimbringt, wirklich trauen kann? Oder müsste ich die eher «kaufmännisch abrunden»?

Trotzdem kommt mir das vom Sohn angewendete Verfahren, zunächst von einer 3,4 zu behaupten, sie könnte eigentlich auch eine 3,6 sein und diese 3,6 dann auf eine 4 zu runden, nicht komplett unbekannt vor. Nur kenne ich diese Methode weniger aus dem kaufmännischen Bereich.

Wer schon einmal am Wahlsonntag den Verliererparteien beim Fernsehinterview zugehört hat, kennt diese Technik des argumentativen Dreisprungs: Zuerst wird gesagt, dass es ja angesichts der übermächtigen Propaganda der Gegner geradezu verwunderlich sei, dass man nicht noch weniger Stimmen gemacht habe, und das wiederum zeige doch eigentlich, dass man genau betrachtet eigentlich viel besser abgeschnitten habe als die Gewinner.

Wer weiss, vielleicht etabliert sich der Begriff anstelle der Ökonomie in der Politberichterstattung. Warten wir nur auf den nächsten Abstimmungssonntag, wir können jetzt schon sicher sein, dass dann hinterher wieder kräftig kaufmännisch aufgerundet werden wird.