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Wegen SparmassnahmenKeystone-SDA verschlankt die Führung

Verwaltungsrat und Geschäftsleitung hielten diese Woche strategische Sitzungen ab. Das Unternehmen muss sparen – und plant dies auf mehreren Ebenen.

Seit Anfang 2019 wird die SDA vom Bund finanziell unterstützt, jetzt sind Sparmassnahmen geplant: SDA-Redaktion in Bern. (KEYSTONE)
Seit Anfang 2019 wird die SDA vom Bund finanziell unterstützt, jetzt sind Sparmassnahmen geplant: SDA-Redaktion in Bern. (KEYSTONE)

Die Schweizerische Depeschenagentur (SDA), seit zwei Jahren mit der Bild-Agentur Keystone unter einem Dach, steht einmal mehr vor einer strategischen Neuausrichtung. Diese Woche haben sich Geschäftsleitung und Verwaltungsrat zu Sitzungen getroffen, am Donnerstagnachmittag wird darüber informiert. Laut gut informierten Personen geht es darum, zu sparen. Dies soll in mehreren Bereichen und auf mehreren Ebenen geschehen:

  • Der Fehlbetrag im Sportressort hat mittlerweile ein Ausmass angenommen, das zum Handeln zwingt – die Rede ist von jährlich einer Million Franken bei einem Gesamtumsatz von 43 Millionen Franken. Das Sportressort hat in jüngster Zeit wichtige Kunden verloren. Nun stehen verschiedene Konzepte zur Diskussion. Darunter eines, das die Sportredaktion selber erarbeitet hat, und das keinen nennenswerten Personalabbau vorsieht. Ob der Verwaltungsrat den Vorschlag annimmt, ist fraglich.
  • Ein weiteres Thema ist der Überbau. Mit der Fusion von Keystone und SDA im Jahr 2018 hat die Zahl der Führungsmitglieder ein kostspieliges Ausmass angenommen. Die Geschäftsleitung unter CEO Markus Schwab umfasst insgesamt vier Personen, ihnen angegliedert sind rund 20 Chefposten. Nun soll das Organigramm entschlackt werden, wobei dem Vernehmen nach insbesondere im Bereich Verkauf, Finanzen und Unternehmensdienstleistungen Ressourcen eingespart werden.
  • Auch die Bezahlinhalte sind eine Baustelle. Nach der Fusion wurde der Bereich Corporate Content neu aufgebaut, mit der ehemaligen PPR Media Relations AG. Doch kommerziell ist diese Abteilung nie richtig in die Gänge gekommen, und jetzt während der Corona-Zeit ist dies ohnehin schwierig. Die Zeichen deuten auf eine Rückkehr von Keystone-SDA auf das Kerngeschäft, die Nachrichtenübermittlung. Was mit dem Corporate Content passiert, ist ungewiss. Es könnte abgespalten, ausgegliedert oder schlicht gestrichen werden. Definitive Entscheide, auch personeller Natur, wird der Verwaltungsrat an einer weiteren Sitzung Ende Mai fällen.

Das Unternehmen hat eine turbulente Phase hinter sich, wie fast alle in der Branche. Vor 125 Jahren von den Verlegern selbst gegründet, getragen und betrieben, hat die Agentur mittlerweile grosse Medienhäuser als Kunden verloren. Die Redaktionen müssen sparen und suchen nach Alternativen, bauen zum Teil günstigere Konkurrenz-Angebote auf. Nach einem grösseren Personalabbau, begleitet von Aufständen in der Redaktion, öffentlicher Kritik und langwierigen Mediationsverfahren, zählt Keystone-SDA heute circa 200 Mitarbeitende.

Seit Anfang 2019 wird die SDA vom Bund finanziell unterstützt – die erste und bisher einzige direkte Medienförderung ausserhalb von Radio und Fernsehen. Der Kostenrahmen beträgt jährlich zwei Millionen Franken, ab 2021 sind es maximal vier Millionen. Unterstützt werden definierte Angebote. In diesen Bereichen besteht eine Leistungsvereinbarung zwischen dem Bund und der Agentur.

2 Kommentare
    Urs Keller

    Unterstützt der Bund nur die SDA für Texte, oder gehen die 2 Millionen auch indirekt an die kommerzielle Fotoagentur Keystone, die zum grossen Teil im Besitz von Unternehmern aus Österreich ist?