Zum Hauptinhalt springen

Führungswechsel wegen DifferenzenKnall bei Stadler: Peter Spuhler wird wieder Konzernchef

Für den Patron des Bahnbauers ist die Trennung von seinem Wunschnachfolger eine Niederlage. Ein «persönliches Zerwürfnis» gebe es aber nicht.

Bis 2018 war er auch CEO des Unternehmens: Verwaltungsratspräsident Peter Spuhler übernimmt das Amt nun wieder ad interim.
Bis 2018 war er auch CEO des Unternehmens: Verwaltungsratspräsident Peter Spuhler übernimmt das Amt nun wieder ad interim.
Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

Der Patron von Stadler Rail übernimmt ad interim wieder die Konzernleitung. Aufgrund von «Differenzen hinsichtlich der strategischen und organisatorischen Weiterentwicklung von Stadler» haben der Verwaltungsrat und Konzernchef Thomas Ahlburg entschieden, das Arbeitsverhältnis einvernehmlich aufzulösen, schreibt die Gruppe in einer Medienmitteilung.

Der Verwaltungsrat nehme zur Kenntnis, dass sich Ahlburg beruflich neu ausrichten und zukünftig als selbstständiger Unternehmer tätig werden möchte. Bis zur Benennung eines Nachfolgers übernimmt der exekutive Verwaltungsratspräsident Peter Spuhler per sofort zusätzlich das Amt als CEO ad interim. Ahlburg werde dem Unternehmen noch bis Ende 2020 als «Senior Advisor» zur Verfügung stehen.

Ein «leidenschaftlicher» CEO

Zu den Details der Differenzen hält sich Mediensprecherin Marina Windler bedeckt. «Es gibt kein persönliches Zerwürfnis», betonte sie. Es habe auch keine einzelne konkrete Streitfrage gegeben, die zum Krach geführt habe. Beide Männer hätten grundsätzlich unterschiedliche Ansichten, wie der Zuganbieter weiterentwickelt werden kann. «Obwohl wir nicht immer gleicher Meinung waren, habe ich Thomas als leidenschaftlichen und pragmatischen CEO kennen und schätzen gelernt», wird Peter Spuhler in der Medienmitteilung zitiert.

Für Spuhler ist die Trennung von Ahlburg auch eine persönliche Niederlage. Schliesslich hatte er den Deutschen über Jahre als seinen Nachfolger aufgebaut. Der Ingenieur und Betriebswirt war 2012 zum Thurgauer Bahnlieferanten gestossen und hatte dort zunächst das Stammwerk in Bussnang geleitet. Anfang 2015 machte Spuhler dann Ahlburg zum stellvertretenden CEO von Stadler Rail. Ende 2017 zog sich Spuhler aus der operativen Führung zurück und übergab seinem Wunschnachfolger symbolisch auf der Weihnachtsfeier des Konzerns die Schlüssel der Firmenleitung.

Nun gehen beide Männer wieder getrennte Wege. Peter Spuhler bedankt sich laut der Mitteilung im Namen des Verwaltungsrats bei Ahlburg «für seinen grossen Einsatz für Stadler in seiner Rolle als Group CEO, welche er seit dem 1. Januar 2018 ausübte, sowie für seine vorherige Tätigkeit als CEO von Stadler Bussnang». Ahlburg habe insbesondere die weitere Internationalisierung und den Kapazitätsausbau von Stadler vorangetrieben. Stadler Rail, ist Spuhlers Lebenswerk, bei dem er jede Schraube kennt. Daher fällt der Konzern nicht in ein Führungsvakuum.

Verglichen mit anderen Industrieunternehmen, ist Stadler Rail bisher glimpflich durch die Krise gekommen. Doch zeitgleich mit dem Wechsel an der Spitze kündigte das Unternehmen an, die bisherigen Ziele für das Jahr 2020 auszusetzen. So seien kurzfristig einige Liefer- und Transportketten wegen Problemen bei Zulieferfirmen unterbrochen. Einschränkungen der Reisetätigkeit von Kunden und Mitarbeitern hätten zur Folge, dass die Zugabnahmen sich verzögern würden und damit auch die Fakturierungen. Das führe zu Umsatzverschiebungen. Da Bahnen derzeit ihre Züge weniger einsetzen, gebe es zudem Umsatzrückgänge im Service-Geschäft.

31 Kommentare
    Markus Schwager

    Spuhler ist ein Macher, der seine Firma von einer kleinen Bude (nicht despektierlich gemeint) zu einem führenden Unternehman aufgebaut hat. Ich hatte so meine Zweifel, als er vor 2 Jahren die Verantwortung als CEO abgegeben hat und "nur" noch als VR-Präsident für den strategischen Bereich fungierte. Dass es zu Differenzen im operativen Bereich kam, ist nur eine logische Folge davon.

    Ich wünsche Peter Spuhler weiterhin viel Erfolg, in welcher Position auch immer.