Zollikon/Zumikon

Eltern solidarisieren sich mit Religionslehrerin

Die Religionslehrerin der katholischen Kirche Zollikon-Zumikon wurde mit sofortiger Wirkung freigestellt. Für die Eltern der betroffenen Kinder ist das ein Skandal. In einer Petition bitten sie Bischof Vitus Huonder sich der Angelegenheit anzunehmen und diese zu untersuchen.

Über dem Dach der katholischen Kirche Zollikon-Zumikon hängen derzeit dunkle Wolken. Nach der sofortigen Freistellung der Religionslehrerin lancierten verärgerte Eltern vor kurzem nun eine Petition.

Über dem Dach der katholischen Kirche Zollikon-Zumikon hängen derzeit dunkle Wolken. Nach der sofortigen Freistellung der Religionslehrerin lancierten verärgerte Eltern vor kurzem nun eine Petition. Bild: Archivfoto: Reto Schneider

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Die Religionspädagogin der katholischen Kirche Zollikon-Zumikon wurde während der Herbstferien per sofort von ihrem Amt freigestellt. Das 13. Arbeitsjahr brachte der Lehrerin kein Glück. Während sich Pfarrer und Kirchenpflege auf den Standpunkt stellen, dass zwischenmenschliche Probleme eine weitere Zusammenarbeit unmöglich machen, solidarisiert sich eine Gruppe besorgter Eltern mit der Lehrerin. Nachdem mehrere Versuche der Eltern mit den Verantwortlichen in den Dialog zu treten gescheitert sind, haben sie nun eine Petition lanciert.

Ihr Ziel: Die drohende Kündigung der von ihnen so hoch geschätzten Religionslehrerin Christine Unterberger verhindern.Die abrupte Freistellung von Unterberger ist für die besorgten Eltern nur die Spitze des Eisberges. Gemäss Annette Lohmüller-Hoff schwele der Konflikt bereits seit dem Frühjahr. «Seit damals kursierte in unserer Kirchgemeinde das hartnäckige Gerücht, dass die Anstellung von Christine Unterberger in Gefahr sei.» In der Folge erkundigte sich Lohmüller-Hoff gemeinsam mit anderen Eltern direkt bei Kirchgemeindepräsident Urs Häfliger nach dem Stand der Lage. Eine konkrete Antwort auf die Frage, ob die Religionslehrerin zumindest noch bis im Sommer für die Kirchgemeinde tätig sein werde, habe Häfliger ihnen jedoch verweigert, erzählt Lohmüller-Hoff.

Treffen ohne Wirkung

An der Kirchgemeindeversammlung Anfang Juni verliehen die besorgten Eltern ihrem Anliegen erneut Ausdruck. «Daraufhin hat uns Urs Häfliger vor der gesamten Versammlung ein Gespräch versprochen», sagt Lohmüller-Hoff. Im öffentlichen Protokoll wurde diese Zusage jedoch nicht festgehalten, woraufhin einige Teilnehmer bei der Beschwerdeinstanz der katholischen Kirche des Kantons Zürich ein Rechtsmittel eingereicht hätten. Dem nach mehreren Nachfragen seitens der Eltern vereinbarten Gespräch blieb der Kirchenpflegepräsident dann auch fern. Mitte August kommt es schliesslich doch noch zum langersehnten persönlichen Treffen mit Urs Häfliger. «Unser Anliegen, der Kirchenpflege aufzuzeigen, weshalb Frau Unterberger aus unserer Sicht so wichtig für die Gemeinde ist, fand jedoch wenig Raum», sagt Lohmüller-Hoff.

Am 12. Oktober schliesslich wurden die Mitglieder der Kirche in einem Schreiben über die einstweilige Trennung von der Religionspädagogin informiert. Im Schreiben, das der ZSZ vorliegt, heisst es: «Seit geraumer Zeit haben sich im zwischenmenschlichen Bereich im Seelsorgeteam Differenzen entwickelt, die wir mit zahlreichen Gesprächen intern sowie unter Beizug von externen Fachleuten, bis hin zur Ombudsfrau, zu überbrücken versucht haben.» Nach langwierigen und vergeblichen Bemühungen um eine einvernehmliche Lösung hätten Kirchenpflege und Pfarrer feststellen müssen, dass die Grundlage für eine weitere Zusammenarbeit fehle. Deshalb habe man gemeinsam entschieden, Christine Unterberger per sofort bis auf weiteres freizustellen.

Kinder bleiben Unterricht fern

Die Trennung von der lanjährigen Religionslehrerin können viele Kirchenmitglieder nicht verstehen. Aus Solidarität haben sie darum eine Webseite mit dem Namen «nicht-mit-mir» für die Pädagogin eingerichtet. Darauf machen viele Eltern und freiwillige Mitarbeiter der Kirche ihrem Ärger Luft: «So mit einer Mitarbeiterin umzugehen, die jahrelange Aufbau- und Pflegearbeit an verschiedenen Projekten geleistet hat, ist für mich unbeschreiblich und ein absolut unprofessionelles Führen», heisst es etwa von einem ehrenamtlichen Helfer. «Mir fällt es unter diesen Umständen nicht schwer, nicht mehr in der Pfarrei tätig zu sein. Ich stelle mich vorübergehend selber frei, bis eine akzeptable Lösung gefunden wird.» Zahlreiche weitere ehrenamtliche Helfer tuen es ihm gleich.

Und auch die Direktbetroffenen, die Schülerinnen und Schüler des Religionsunterrichts zeigen sich solidarisch mit ihrer ehemaligen Lehrerin. Bis auf weiteres boykottieren sie den Unterricht, der kurzfristig von Pfarrer Heinz Meier übernommen wurde.

Kirchenpflege schweigt

«Wir wollen, dass endlich Transparenz geschaffen wird in dieser Angelegenheit», sagt Annette Lohmüller-Hoff. Die Kirche lasse ihre beste Mitarbeiterin über die Klippe springen und informiere nicht warum.

«Wir wollen wissen, weshalb die Stimmen der vielen Eltern von Kirchenpflege und Seelsorge einfach ignoriert werden und welche grossen Verfehlungen Frau Unterberger denn begangen hat.» Doch die Kirchenpflege berufe sich immerzu auf die Schweigepflicht aller Beteiligten während eines laufenden Verfahrens.

Mehr als 200 Unterschriften

Auch gegenüber der ZSZ wollen sich weder der Kirchenpflegepräsident noch Pfarrer Heinz Meier zur Sache äussern. «Da heute das Verfahren noch nicht abgeschlossen ist sowie aus Gründen der Verschwiegenheitspflicht können wir derzeit leider keine weiteren Auskünfte erteilen», lässt Urs Häfliger schriftlich verlauten. Sobald als möglich werde man über die weiteren Entwicklungen informieren.

Darauf wollen die besorgten Eltern nicht warten. Seit einigen Tagen sammeln sie auf der Webseite «nicht-mit-mir» bis Ende November Unterschriften für eine Petition. Diese wollen sie direkt bei Bischof Vitus Huonder und dem Generalsvikar des Kantons Zürich, Josef Annen, einreichen. Darin heisst es: «Wir möchten Sie inständig bitten, bewusst hinzuschauen, was hier in unserer Gemeinde vorgefallen ist und diese Angelegenheit zu untersuchen.»

Gemäss den Initianten haben bereits mehr als 200 Personen die Petition unterschrieben. «Sollte unser Engagement keine Wirkung zeigen, gibt es für uns eigentlich nur noch eine Option», sagt Lohmüller-Hoff. «Dann nämlich werden wir aus der Kirchgemeinde autreten». (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 02.11.2018, 15:46 Uhr

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