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Kolumne LomoKnie und Kindheit

Unser Kolumnist perfektioniert die Rückkehr in die Kindheit. Doch der Körper hinkt der Gefühlswelt hinterher.

Der Sprung zurück in die Kindheit gelingt nicht ganz ohne Schmerzen.
Der Sprung zurück in die Kindheit gelingt nicht ganz ohne Schmerzen.
Foto: Heinz Diener

Sich wieder jung, sich wieder wie ein Kind zu fühlen – davon träumen wir zuweilen, zum Beispiel dann, wenn wir an einem Spielplatz vorbeikommen. Wirklich gelingen tut die Rückkehr in die Zeit vor dem Erwachsenwerden jedoch eher selten. Ausser man gibt sich so viel Mühe wie ich vor drei Tagen.

Ich habe mich von meinen Buben zu einer Partie «Schittli verbannis» herausfordern lassen und lag auch perfekt hinter dem kleinen Mäuerchen auf dem Hausvorplatz versteckt. Und wieder schlug mir das Herz vor Aufregung und Angst, vom Fänger entdeckt zu werden, bis zum Hals, genau so, wie ich jeweils als Achtjähriger immer fast vergitzlet bin, wenn ich mich in einem Schrank versteckt habe.

«Ich krachte auf den Boden, noch ehe ich wirklich aufgestanden war.»

Doch so schnell auch meine Gefühlswelt den Weg zurück in die Kindheit gefunden hat, mein Körper ist im Vergleich dazu weitaus träger. Jedenfalls habe ich es beim Versuch, aus meinem Versteck hervor und Richtung Schittli zu springen, nicht besonders weit gebracht, sondern krachte auf den Boden, noch ehe ich wirklich aufgestanden war.

Damit aber habe ich die Rückkehr in die Kindheit endgültig perfektioniert, weil ich mir bei der Aktion durch die Hose hindurch das Knie aufgeschürft habe, so wie früher, wenn ich mit meinem Velo auf dem Parkplatz hinfiel. Damals, weil der Platz mit Kies bedeckt und ich selber mit kurzen Hosen unterwegs war, musste ich dann immer noch kleine Steinchen aus den blutigen Knien klauben.

Davon blieb ich diesmal verschont und fand es doch schlimm genug. Denn seit meiner Knielandung vor drei Tagen humple ich nur noch durchs Haus, weil die Schürfwunde so lästig weh tut. Umso mehr bin ich voller Bewunderung für mein früheres kindliches Ich, das solche Unfälle jeweils locker wegsteckte. Ich glaube, die Lösung dieses Rätsels steckt wohl darin, dass ich jeweils gar keine Zeit hatte, auf allmählich verkrustende Schürfwunden gross zu achten, weil ich mir während der Rekonvaleszenz immer bereits wieder eine neuere Verletzung zugefügt habe.

Wenn wieder etwas genäht werden musste

Unser Hausarzt im Dorf, wo ich aufwuchs, hat ja jeweils nur noch gelacht, wenn ich schon wieder ankam, weil etwas genäht werden musste. So habe ich also früher wohl einfach den einen Schmerz immer durch einen noch akuteren überdeckt. Wäre also zu überlegen, ob ich im Kampf gegen den Schürfwundenschmerz auch heute so verfahren soll. Steht nicht in der Garage immer noch mein altes Skateboard?