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22-Jähriger Blogger in RusslandKremlkritischer Aktivist bei Angriff in Moskau schwer verletzt

Der 22-jährige Jegor Schukow musste ins Spital überführt werden. Der Journalist und Video-Blogger ist landesweit bekannt.

Jegor Schukow in einem der Videos auf seinem Kanal.
Jegor Schukow in einem der Videos auf seinem Kanal.
Foto: Screenshot Blog Schukowa (www.youtube.com)

In Moskau wurde der kremlkritische Aktivist und Journalist Jegor Schukow bei einem Angriff schwer verletzt. Der 22-Jährige musste wegen Platzwunden im Gesicht und wegen Verdachts auf ein Schädel-Hirn-Trauma in ein Krankenhaus, wie der Radiosender Echo Moskwy am Montag berichtete. Schwere innere Verletzungen habe er nicht erlitten, teilte Schukows Team mit. Er sei mittlerweile wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden.

Schukow, der in Russland ein bekannter Blogger ist, arbeitet für den Sender, nachdem ihm der Staat verboten hatte, selbst weiter einen Videokanal im Internet zu betreiben. Seine Sendungen haben hohe Einschaltquoten. So interviewte Schukow den Oppositionsführer Alexej Nawalny, der nun wegen schwerer Vergiftungserscheinungen in Berlin in der Charité behandelt wird.

Schukows Team veröffentlichte in den sozialen Netzwerken Bilder von den Verletzungen (siehe unten). Demnach wurde weiter auf den Kopf des jungen Mannes eingeschlagen, als er schon am Boden lag. Schukow erstattete nach Angaben des Echo-Moskwy-Chefredaktors Alexej Wenediktow Anzeige bei der Polizei. Zwei unbekannte Männer sollen dem Aktivisten am Sonntag nach einer Sendung vor seiner Wohnung aufgelauert und ihn dann zusammengeschlagen haben.

Die Polizei in der Hauptstadt hat nach eigenen Angaben Ermittlungen eingeleitet. Schukows Team zufolge hatten Unbekannte bereits vor einem Monat versucht, ihn vor seiner Haustür zu attackieren. Er habe da aber fliehen können. Es habe mehrfach Drohungen gegeben.

Fälle kaum aufgeklärt

Immer wieder kommt es in Russland zu schweren Angriffen auf Andersdenkende, die kaum je aufgeklärt werden. Schukow gilt als talentierter und extrem schlagfertiger politischer Kopf. Er hatte auch einmal gesagt, dass er russischer Präsident werden wolle. Er ist ein scharfer Kritiker von Kremlchef Wladimir Putin und steht beispielhaft für eine Politisierung der Jugend in Russland. (Lesen Sie dazu auch den Artikel zu Putin-Gegner Alexei Nawalny: Schreie aus der Flugzeugtoilette).

Schukow war im vorigen Jahr als Student auch bei Oppositionsprotesten in Erscheinung getreten. Ein Gericht verurteilte ihn zu drei Jahren Haft auf Bewährung und untersagte ihm, für zwei Jahre eigene Webseiten im Internet zu betreiben. Der Sender Echo Moskwy nahm ihn danach in die Redaktion auf.

SDA/fal

15 Kommentare
    Sacha Meier

    Es gibt leider immer wieder Menschen, die in Diktaturen und Monarchien den Helden spielen wollen, und gegen ihre Herrscher aufbegehren. Die landen dann im Spital, Gefängnis, oder gleich auf dem Friedhof. Der Friedhof der Putingegner ist weltberühmt und hat noch viel Platz. Bewirken tun solche Dissidenten rein gar nichts. Oft macht man mit diesen Ländern gute Geschäfte, wodurch sie immun gegen diplomatische Massnahmen sind. Vorbildlich für die Schweiz sind etwa unsere Beziehungen zur Volksrepublik China und auch Saudiarabien. Da sind für das Organ-Harvesting ausgeweidete Uiguren und Falun Gong Anhänger (die chinesische Version der Organspende), wie auch in Salzsäure aufgelöste Journalisten rasch abgehakt. Und ohne russisches Nordstream-Erdgas hätten wir bald einmal unsere Not beim Heizen und Kochen. Nicht einmal Volksaufstände können solchen Regierungen etwas anhaben. Haben etwa Hongkong mit seiner längst versenkten Berühmtheit Joshua Wang, der arabische Frühling, der mit dem neuen ägyptischen Pharao al-Sisi seinen Höhepunkt hatte, dem Tiananmen-Massaker, Iranischer Aufstand, Ungarischer Aufstand und Prager Frühling längst bewiesen. Und sobald (nicht ob) China die abtrünnige Provinz Taiwan heimgeholt haben wird, wird der Rest der Welt höchsten mit den Schultern zucken. Die einzigen beiden Möglichkeiten, wie sich solche Systeme ändern lassen, ist entweder durch Eroberung, oder durch wirtschaftliche Selbstzerstörung. Bei China und Russland ist beides nicht in Sicht.