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Folge von CoronaKrise lässt Interesse nach einem Job auf der Alp hochschnellen

Die Bereitschaft, bei der strengen Arbeit auf 2000 Metern über Meer einzuspringen, ist höher als sonst. Auch, weil viele nun Zeit haben.

Die Helferin Barbara beim Melken auf der Alp Bällen oberhalb von Saxeten BE
Die Helferin Barbara beim Melken auf der Alp Bällen oberhalb von Saxeten BE
Foto: Lea Hepp

Zu Beginn der Corona-Krise läuteten bei vielen Älplerinnen und Älplern die Alarmglocken. Denn sie befürchteten, dass aufgrund der Grenzschliessungen nicht genügend ausländisches Alppersonal einreisen könnte.

Doch nach einem Aufruf des Schweizerischen Alpwirtschaftsverbandes in den Medien ist die Nachfrage nach einem Job auf der Alp diesen Sommer letztlich gross – sogar grösser als sonst. Das meldet der Landwirtschaftliche Informationsdienst. Etwa dreimal so viele Leute wie in den vergangenen Jahren hätten sich bis jetzt beim Alpofon – einer Hotline, die Helferinnen und Helfer vermittelt – gemeldet und bereit erklärt, bei einer Notlage auf einer Alp einzuspringen.

«Manchen ist dann die Alp zu gross und zu modern oder das Gegenteil, oder der Lohn ist zu gering oder die Alp am falschen Ort und das Arbeitspensum zu hoch.»

Barbara Sulzer von der Älpler-Hotline Alpofon

Lust aufs Kühemelken, Zäuneaufstellen, Grasmähen und Misten haben gemäss den Angaben ganz unterschiedliche Menschen, von Schülerinnen bis zu pensionierten Bauern, Reiseleiterinnen und Kulturschaffende, Arbeitslose und Hilfsbereite, die wegen der Corona-Krise nun viel Zeit haben. Auch seien Idealisten darunter, «die denken, das sei jetzt die Gelegenheit, sich ihren Bubentraum zu erfüllen».

Die Realität ist dann jedoch oft eine andere. «Manchen ist dann die Alp zu gross und zu modern oder das Gegenteil, oder der Lohn ist zu gering oder die Alp am falschen Ort und das Arbeitspensum zu hoch», sagt Barbara Sulzer vom Alpofon. Darum sei es oft schwierig, eine passende Person für die Alpstelle zu finden. Man dürfe nicht zu wählerisch sein, wenn man kurzfristig einen Alpjob wolle. Und die Alpmeister sollten nicht zu hohe Erwartungen an eine Aushilfe stellen.

Tausende Marokkaner wollen auf die Alp

Von unerwarteter Seite kommt es zu einem weiteren Ansturm auf die Alpen: Mehrere tausend junge Männer aus Marokko haben sich seit Anfang Jahr auf dem Stellenportal zalp.ch für eine Stelle auf einer Schweizer Alp beworben. Wie SRF online kürzlich berichtete, meldeten sich zuletzt pro Tag 200 junge Männer aus Marokko.

Die Bewerbungsflut wurde angeheizt durch Gerüchte in den sozialen Medien, wonach in der Schweiz Älpler gesucht würden. Und zwar zu einem Lohn, der in Marokko sechsmal so hoch ist wie das Durchschnittseinkommen. Ein Youtube-Video erklärte im Detail, wie man sich in der Schweiz auf eine Stelle als Senn oder Hirt bewirbt.

Der Haken an der Sache: Junge Männer aus Marokko, das weder der EU noch der Efta angehört, erhalten gar keine Arbeitsbewilligung als Senn in der Schweiz.