Zum Hauptinhalt springen

Landluft-KolumneKürz
dann
mal ab

Guerilla-Building ist in, geduldig Gesetze einhalten out.

Die wöchentliche Kolumne der Regionalredaktion
Die wöchentliche Kolumne der Regionalredaktion
Illustration: Ruedi Widmer

Schon lange versprochen war das Wartehäuschen an einer Winterthurer Bushaltestelle. Zu lange für jene Anwohner, die vor vielen Jahren eigenmächtig ein Kabäuschen aus Holz bauten. Und vor etwa drei Jahren fielen in Winterthur etliche Sitzbänkli dem Sparprogramm «Balance» zum Opfer. In Wülflingen war gar von einem «Bänkli-Klau» die Rede. Und wieder griffen Anwohner zur Selbsthilfe und platzierten eigene Gesässunterlagen.

Dieses Jahr griff das Guerilla-Building, also das unbewilligte Erstellen von Bauwerken in Nacht-und-Nebel-Aktionen, weiter um sich. So entstand im März in Rickenbach eine illegale Fussgängerbrücke über dem Dorfbach, lustig angeschrieben mit «Lusbuebä-Brüggli». Und in Bauma baute ein Anwohner erst kürzlich einen Steg über die Töss als Ersatz für eine gesperrte Brücke. In Gachnang wurden vor 16 Jahren ungefragt Waldhütten für den Kindergarten gebaut. Jetzt wird versucht, die Hütten nachträglich zu legalisieren.

Geduld und Warten sind out, Abkürzungen in.

Null Bock auf Gesetze und zähe Baubewilligungsverfahren: Geduld und Warten sind out, Abkürzungen in. Die 400 Meter Umweg zur nächsten Tössbrücke? Eine Zumutung! Das Warten aufs Wartehäuschen an der Bushaltestelle? Dauert ewig! Das Unterschriftensammeln für eine Klima-Initiative? Keine Zeit mehr bis zum Klimakollaps! Also baut die ungeduldige Jugend illegal Zelte auf dem Bundesplatz auf.

Lusbuebä-Bauten sind lustiger Schabernack – bis eine Hütte zusammenkracht oder eine Brücke zu Hochwasserschäden führt. Tolerieren wir einen Gesetzesbruch nur, solange er in unseren eigenen politischen Kram passt? Würden Bürgerwehren wie in den USA auch dazugehören? Dann gute Nacht Rechtsstaat.