Der «Van Gogh der Fotografie» ist tot

Der bekannte Schweizer Fotograf und Kameramann Rob Gnant ist kurz vor seinem 87. Geburtstag in Zürich gestorben.

Hinterlässt ein Werk mit über 200'000 Negativen: Rob Gnant. (13. November 2003)

Hinterlässt ein Werk mit über 200'000 Negativen: Rob Gnant. (13. November 2003) Bild: Eddi Risch/Keystone

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Einer der bedeutendsten Schweizer Reportage-Fotografen der Nachkriegszeit ist tot: Rob Gnant ist laut Angaben seiner Familie vom Mittwoch bereits am 4. August vier Tage vor seinem 87. Geburtstag in Zürich gestorben.

Der verheiratete Fotograf, Kameramann und Filmautor hatte die letzten Jahre in einem Pflegeheim in der Stadt verbracht, wie seine Familie und das Filmkollektiv Zürich in Todesanzeigen im «Tages-Anzeiger» mitteilten.

Der Fotograf hinterlässt ein Werk mit über 200'000 Negativen. Gnant habe mit seiner Fotografie das Anliegen verfolgt, Soziales mit Ästhetischem zu verknüpfen, schreibt die Stadt Zürich auf ihrer Webseite. Fachleute bezeichnen in als «Van Gogh der Fotografie». Schwerpunkte seiner häufig in Schwarz-Weiss gehaltenen Bilder bildeten dabei die verschiedenen Arbeitswelten, die Aussenseiter der Gesellschaft sowie das Leben auf dem Land.

«Bei mir haben die Menschen immer gewusst, wann ich sie fotografiere», sagte Gnant dem «Tages-Anzeiger» im Jahr 2015. «Ich war kein Heckenschütze.» Zu Gnants Markenzeichen, der auch Stars wie die Rolling Stones und Operndiva Maria Callas ablichtete, zählte demnach die respektvolle Distanz zu den Fotografierten. Auf seinen Fotos sind Menschen selten allein, Gnant zeigt sie meist als Teil einer Umgebung.

Goldene Palme in Cannes

Der Träger des Zürcher Filmpreises wuchs in Luzern auf, wo er eine Lehre als Fotograf absolvierte. In den 50er und 60er Jahren arbeitete er zunächst als Pressefotograf in der Tradition des wirklichkeitsnahen und gesellschaftskritischen Bildjournalismus, darunter für die Illustrierte «Die Woche», die Kulturzeitschrift «Du» sowie die Wochenendbeilage der «Neue Zürcher Zeitung». Seine erste Reportagereise führte ihn 1952 nach Belgien ins Kohlengrubengebiet Borinage, wo er auch als Handlanger unter Tage arbeitete.

Während knapp 40 Jahren arbeitete er als Kameramann an über 30 Dokumentar- und Spielfilmen mit. Seine erste Kameraarbeit mit Regisseur Alexander J. Seiler für den 12-minütigen Dokumentarfilm «A fleur d'eau» («In wechselndem Gefälle») brachte 1963 am Filmfestival von Cannes die Goldene Palme in der Kategorie Kurzfilm ein. Mit Seiler gründete er auch die Firma Seiler Gnant, die vor allem Dokumentarfilme produzierte.

Neben seinen Reportagen war Gnant als Auftragsfotograf für grössere Firmen wie Telecom (heute Swisscom), Radio-Schweiz (heute Skyguide), Saurer, Mövenpick und Phonak tätig. So verwirklichte er ab Mitte der 70er Jahren Bilder etwa für Plakate und Geschäftsberichte. Zudem erstellte er Tonbildschauen.

Gnant war Jahrzehntelang Mitglied der Zürcher Filmkollektivs. Für wenige Jahre dozierte er zudem an der Zürcher Kunstgewerbeschule und engagierte sich im Vorstand der Radgenossenschaft der Landstrasse, der Interessenvertretung der Fahrenden in der Schweiz. Gnants fotografischer Nachlass wird von der Fotostiftung Schweiz betreut. (chk/sda)

Erstellt: 14.08.2019, 04:03 Uhr

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