Diese fünf Restaurant-Kategorien müssen Sie kennen

Kannst du ein Lokal empfehlen? Klar – sag mir, wer du bist, und ich sag dir, wo du isst. Eine kulinarische Kategorienlehre.

Du sagts mir, wer du bist und ich dir wo du isst: Zwei Gaststuben in Zürich. Foto: iStock

Du sagts mir, wer du bist und ich dir wo du isst: Zwei Gaststuben in Zürich. Foto: iStock

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Welche Funktion haben eigentlich Restaurants? Restaurants, danke für den Hinweis, sind Orte, an denen wir unseren Hunger und Durst stillen können, gewiss. Aber sie sind noch viel mehr. Sie sind Visitenkarten des öffentlichen, aber auch des eigenen Lebens, vielleicht auch des Einfühlungsvermögens. Regelmässig stehe ich vor der Frage, deren Beantwortung mir eigentlich leichtfallen müsste, sonst würden mich ja nicht so viele Leute fragen: Wo sollen wir essen gehen? Du kennst doch so viele Lokale.

Stimmt, ich kenne viele Lokale. Aber ich kenne auch die Herausforderung, welche die Empfehlung des einen oder anderen Lokals darstellt. Schliesslich verlässt sich jemand auf deinen Rat, marschiert mit grossen Erwartungen ans Ziel deiner Empfehlung, reist womöglich eigens an oder investiert grössere Summen in einen besonderen Abend mit wertgeschätzter Begleitung – und findet dann etwas ganz und gar anderes vor als das, was du ihm versprochen hast.

Kann sein, dass du einen Ort ausgewählt hast, dessen Speisekarte zu anspruchsvoll war und die wenig erprobten Esser überforderte. Kann sein, dass sie darauf gefasst waren, etwas ganz Besonderes zu erleben, und du hast sie nur zu einem völlig normalen Italiener geschickt, weil du auf Nummer sicher gehen wolltest.


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Ganz oft ist Geld ein Thema: «Es hat uns ja sehr gut gefallen, aber als die Rechnung kam, dachte ich, mich trifft der Schlag...» Stimmt, kann vorkommen, als geübter Esser ist man mit der Tatsache vertraut, dass gutes Essen auch gutes Geld kostet – und da hat man noch nicht einmal guten Wein bestellt.

Aber auch umgekehrt, wenn du zum Beispiel einen Bekannten oder Geschäftspartner zum Essen einladen willst: Wenn das Restaurant zu glitzy und die Rechnung zu hoch ist, dann brüskierst du den Gast selbst dann, wenn du bezahlst. Du erzeugst, selbst wenn du nicht im Traum daran gedacht hast, auf diese Weise eine Schuld, von der dein Gegenüber das Gefühl hat, sie irgendwann begleichen zu müssen. Unangenehm, für den Gast und für dich.

Eine kleine Kategorienlehre

Ich habe mir deshalb Restaurants in Kategorien zusammengefasst, die ein bisschen Ordnung in diesen Dschungel bringen.

1. Das Könnte-dir-gefallen-Restaurant
Der Konjunktiv im Titel ist natürlich mit Bedacht gewählt. Es handelt sich um ein Restaurant mit starkem Eigenwillen und mit Eigenarten, die man so oder so interpretieren kann: Foodsharing, Naturweine, keine fixen Menüfolgen, also Dinge, denen man mit einer gewissen Offenheit begegnen muss. Sollte man lieber niemandem empfehlen, der zum Beispiel den Gault Millau für eine verlässliche Quelle hält.

2. Das Musst-du-gesehen-haben-Restaurant
Eher etwas für Menschen, die gern dort sind, wo alle sind. Für den Empfehlenden relativ risikolos, weil überschwängliches Lob oder abgrundtiefer Tadel Kehrseiten derselben Medaille sind. Hauptsache, hier gewesen. Betrifft angesagte, gerade von Michelin aufgewertete oder in der Presse hymnisch besprochene Lokale, bei denen es schwieriger sein kann, einen Tisch zu bekommen, als an diesem dann etwas Interessantes zu erleben.

3. Das No-Bullshit-Lokal
Damit sind Orte gemeint, die sich jeder Mode entziehen und völlig kompromisslos an der Qualität des Essens arbeiten. Design und Atmosphäre des Lokals werden vom Essen völlig in den Schatten gestellt, so sehen die Hütten manchmal auch aus. Darf man nur Menschen empfehlen, die von der Schönheit eines perfekten Tellers so verzaubert sind, dass sie nichts anderes sehen. Meine persönliche Lieblingskategorie.

4. Das Da-kannst-du-nichts-falsch-machen-Lokal
Eine begehrte, aber rare Spezies. Kann eine gute Pizzeria sein oder eine Kneipe mit regionaler Küche, wo das Essen sehr gut, aber nicht entsprechend teuer ist, niemand durch die äussere Form des Lokals überfordert wird und der Service in der Regel so herzlich ist, dass selbst unroutinierte Auswärtsesser sich willkommen fühlen, aber auch abgebrühte Routiniers.

5. Das Ja-da-weiss-ich-etwas-ganz-Spezielles-Restaurant
Zielt einerseits, bei besserer Kenntnis des Fragestellers, auf dessen spezifische Vorlieben. Wenn er zum Beispiel Sushi mag, kriegt er ein lustiges Running-Sushi-Lokal, wenn er Innereien liebt, schickt man ihn in eine Kneipe, die weiss, wie man Kalbsnieren richtig zart hinbekommt. Die Kategorie, die am Schluss jedenfalls auf dich als Absender des Tipps zurückfällt, positiv oder negativ. Daher nur mit Bedacht zu wählen.

Wenn Sie mich also das nächste Mal fragen, wohin Sie essen gehen sollen: Geben Sie doch bitte die Kategorie an, in der Sie Ihre Empfehlung wünschen.

Erstellt: 31.10.2018, 20:15 Uhr

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