Nur jede vierte Schweizer Ausstellung ist einer Frau gewidmet

Eine Analyse der Jahresprogramme 2020 von Schweizer Kunstmuseen zeigt: Der Frauenanteil ist klein.

Kunstmuseen und -ausstellungshäuser, die von Frauen geleitet werden, haben tendenziell ein offeneres Ohr für Kunst von Frauen. Foto: The Art Collection of Erste Group and ERSTE Foundation

Kunstmuseen und -ausstellungshäuser, die von Frauen geleitet werden, haben tendenziell ein offeneres Ohr für Kunst von Frauen. Foto: The Art Collection of Erste Group and ERSTE Foundation

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Die Frauenfrage hat längst auch die Museen erreicht. Eine Analyse der Ausstellungsprogramme der Schweizer Museen fürs Jahr 2020 zeigt nun: Nur etwa 25 Prozent aller Ausstellungen an den grösseren Schweizer Kunsthäusern haben Künstlerinnen im Fokus. (Hier finden Sie die Schweizer Liste der Ausstellungen zu Künstlerinnen 2020.)

Besonders klein ist der Frauenanteil am Kunsthaus Zürich, das im Jahr 2020 gerade mal eine von acht geplanten Ausstellungen einer Künstlerin widmet, nämlich der wenig bekannten Ottilie W. Roederstein (1859–1937). Eher klein ist er auch bei der Fondation Beyeler in Riehen, die in diesem Jahr mit Edward Hopper und Francisco Goya zwei Blockbuster zu Künstlern bringt, denen dann im Herbst eine Gruppenausstellung mit Frauen folgt.

Entschieden grösser ist er im Kunstmuseum Basel, das diesen Sommer vier Künstlerinnen ausstellt, unter anderen die grossartige Kara Walker. Auch das Kunstmuseum Bern zeigt sich von seiner weiblichen Seite, es hat drei Ausstellungen zu Künstlerinnen geplant. So kommt ins Zentrum Paul Klee etwa Lee Krasner. Gleichwohl sind auch diese Museen, die sich Künstlerinnen gegenüber offener als das Kunsthaus Zürich zeigen, weit davon entfernt, Parität zwischen weiblicher und männlicher Kunst in ihren Ausstellungsprogrammen herzustellen.

Unsere Übersicht über den Frauenanteil am Ausstellungsprogramm 2020 von 17 Kunstmuseen und -ausstellungshäusern in der Schweiz zeigt, dass Museen, die von Frauen geleitet werden, tendenziell ein offeneres Ohr für Kunst von Frauen haben als Museen mit Männern in der Direktion. Aber auch hier gilt: Wenig Direktorinnen planen ein Ausstellungsjahr, in dem die Ausstellungen mit Künstlerinnen überwiegen.

Überraschend ist, dass das Bündner Kunstmuseum, das unter der Leitung von Stephan Kunz steht, im Programm 2020 ausschliesslich Künstlerinnen aufführt. Im Tessin und in der Romandie steht man der Frauenfrage dagegen nicht eben aufgeschlossen gegenüber. Am Masi in Lugano ist 2020 nur eine einzige Frauenausstellung geplant, am Kunstmuseum in Genf oder in der Fondation Gianadda in Martigny überhaupt keine.

Künstlerinnen fordern, dass vom Staat unterstützte Museen den Verfassungsauftrag für die Gleichstellung umsetzen sollten.

In jüngster Zeit wurden auf Social Media immer wieder die Zustände am Kunsthaus Zürich kritisiert. Und die Künstlerinnen Elisabeth Eberle, Ursina Gabriela Roesch und die Kunstbloggerin Freya Sutter fordern, dass Kunstmuseen, die durch Staatsbeiträge mitfinanziert werden, den Verfassungsauftrag nach einer Gleichstellung der Geschlechter umsetzen sollten.

Zudem sind sie der Meinung, dass die Kunstmuseen gegenüber dem privaten Kunstmarkt, auf dem Kunst von Männern generell viel höhere Preise erzielt als Kunst von Frauen, Gegensteuer geben sollten. Zum einen sollten sie deshalb Künstlerinnen gegenüber Künstlern bevorzugen, zum anderen die Marktsituation insofern nutzen, als sie vermehrt die vergleichsweise preiswerte Kunst von Frauen ankaufen.

Erstellt: 21.01.2020, 18:45 Uhr

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