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So ist das grosse «Star Wars»-Finale

Die Rückkehr der Toten, ein neues Roböterchen, zwei Filme in einem: Mit «The Rise of Skywalker» geht zu Ende, was George Lucas 1977 begonnen hatte. Vielleicht.

Das Schicksal des Universums liegt in den Händen von Rey (Daisy Ridley). (Foto: TM Lucasfilm Ltd)
Das Schicksal des Universums liegt in den Händen von Rey (Daisy Ridley). (Foto: TM Lucasfilm Ltd)

Natürlich ist es wie immer. Zuerst der Einblender mit der «Galaxy far, far away», dann der gelbe Schriftzug, der nach hinten wegrollt und den Stand der Dinge im aktuellen «Star Wars»-Geschehen erklärt. Ist hier zur Feier des Tages etwas Besonderes zu lesen? Schliesslich ist dies der letzte Film der dritten Trilogie, das grosse Finale einer Geschichte, die vor 42 Jahren begonnen hat. Darf es deswegen etwas Pathetisches sein oder bleibt der Schriftzug nüchtern faktisch?

Keines von beiden. «Die Toten sprechen», steht da als allererster Satz. Wie bitte? Man ist sich der Tragweite dieser Aussage zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst. Aber eigentlich ist genau dies das Problem des Films mit dem Titel «The Rise of Skywalker». Es ist eine grosse Parade der Lebenden und der Toten, welche Regisseur J. J. Abrams fast beliebig aus dem Hut zaubert. Allen voran tritt der Oberbösewicht Palpatine wieder auf. Jener Imperator mit den Lichtblitzen aus den Händen, der 1983 in «Return of the Jedi» in den Atomreaktor des Todessterns geworfen wurde. Und gegen den die Guten jetzt noch einmal anrennen müssen.

Der Trailer zur Episode IX: «The Rise of Skywalker»

Selbstverständlich, ein bisschen Nostalgie mit den seit Jahrzehnten lieb gewonnenen Figuren ist durchaus angebracht. Sehr wohl möglich, dass wir sie nie mehr auf der Leinwand sehen werden, weil jetzt eben, nach drei Trilogien, zu Ende geht, was George Lucas 1977 begonnen hatte. Wobei man sich da nicht zu sicher sein sollte. Irgendwo werden die Macher von Disney, denen der Sternenkrieg unterdessen gehört, wohl schon noch ein Plätzchen finden in der komplizierten Abfolge von Originalen, Prequels, Sequels und TV-Serien.

Aber für ein paar Jahre ist der Abschied wohl tatsächlich endgültig. Schön deshalb, dass C-3PO, der goldene Roboter für Protokollfragen, in «The Rise of Skywalker» die besten Passagen erhält, seit mit ihm, seinem rundlichen Kumpel R2-D2 und einem Marsch durch die Wüste die Saga richtig begonnen hatte. Verständlich deshalb, dass Carrie Fisher auch in diesem Film Schlüsselszenen als Prinzessin Leia bekommt, obwohl die Schauspielerin lange vor den Dreharbeiten verstorben war und mit digitaler Zauberei wiedererweckt werden musste. Voll in Ordnung deshalb, dass hier eine bekannte Figur noch schnell winkt und eine andere im Ton zu hören ist.

Ein Roböterchen in Form einer Nachttischlampe

Aber das kann doch nicht alles sein? Die Geschichte dieses «Star-Wars»-Films erinnert an eine grosse Schnitzeljagd zu Welten und Stationen, die einem aus den vorherigen Filmen bekannt vorkommen, ganz besonders aus «The Return of the Jedi». Es gibt keine visuell aufregenden Dinge, wie sie noch der letzte – sonst umstrittene – «The Last Jedi» mit der weissen Salzwüste präsentierte, die sich blutrot verfärbte. Es gibt keine herzigen neuen Figuren, ausser einem weiteren Roböterchen, das wie eine Nachttischlampe aussieht. Es gibt viel Düsternis, viel Heilen durch Handauflegen, viele getragene Sätze.

Den Kern der Geschichte bildet, wie in allen Filmen dieser Trilogie, das grosse Geheimnis um die offenbar mit Jedi-Kräften ausgestattete Schrottsammlerin Rey (Daisy Ridley). Und ihren grossen Kontrahenten, mit dem sie sich aber auch eng verbunden fühlt, den Maskenträger Kylo Ren (Adam Driver). Die beiden kreuzen auch im Abschlussfilm ihre Lichtschwerter, er das imposante rote mit dem gefährlichen Handgriff-Kreuz. Sie das schlichte blaue, das sie auch ohne richtiges Training so geschickt führt. Da gibt es wirklich berührende Momente, aber immer wieder unterbrochen von dem Schnitzeljagdzeugs mit den andern.

Zwei ganze Filme in einen einzigen gestopft

Das Problem solcher Abschlussfilme ist ja oft, dass man einfach noch alles erzählen will, was irgendwie dazugehört. Bei Reihen wie «Harry Potter», «The Hunger Games» und auch «Twilight» wurde das so gelöst, dass es zwei ganze Teile gab zum Ende. Bei «The Rise of Skywalker» sind es zwar «nur» 141 Minuten in einem Film, aber manchmal sind da der Nebenhandlungen so viele, als ob zwei Filme in einen gestopft worden wären. Dabei möchte man doch einfach bei den beiden Hauptprotagonisten bleiben: Helfen sie sich? Lieben sie sich? Töten sie sich?

Kylo Ren, der Mann mit dunklen Absichten. Oder doch nicht?
Kylo Ren, der Mann mit dunklen Absichten. Oder doch nicht?

Wobei das mit dem Töten eben, siehe Anfang, wirklich ein Problem ist. Wenn die Toten gar nicht tot sind und wiederauftauchen, wirkt das ziemlich beliebig. Ein Alternativtitel für den Film wäre deshalb wohl «Die Macht der lebenden Toten» gewesen. Aber für solchen Blödsinn war hier kein Platz. Schade. Denn die wahre Macht der Reihe ist es, alberne Sätze – «Überwach den Donalkapazitator!» – mit Kinderträumen wie Raumschiffen und Kuscheltieren zu verbinden. Und so zu tun, als sei das heiliger Ernst. Hier aber ist es triefendes Pathos.

Seit «The Empire Strikes Back» (1980), der allgemein als der beste Film der Saga angesehen wird, gehört das Klagen über die aktuelle Produktion zum guten Ton. Die Galaxie ist eben nicht unendlich, wenn man immer die gleichen Geschichten repetiert. Deshalb hat Disney die Pläne zurückgestellt, weitere Trilogien zu drehen. Aber natürlich ist es mit der Franchise nicht zu Ende. Vorläufig konzentriert man sich auf TV-Serien wie «The Mandalorian», die in den USA einen vielversprechenden Start hinlegte. Das erlaubt freieres Erzählen und ist, um in der «Star Wars»-Sprache zu bleiben: eine neue Hoffnung.

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«Star Wars: The Rise of Skywalker»: ab 18. Dezember im Kino

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