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Offener Brief an den BundesratKulturszene drängt auf rasche Terminklärung

Die Kulturlobby Winterthur fordert zusammen mit sechs weiteren regionalen Interessengemeinschaften der Kultur eine rasche Klärung der Termine auch für mittlere und kleine Veranstaltungen. Und sie warnen vor den Langzeitfolgen der Krise.

Das Veranstaltungsverbot aufgrund der Corona-Pandemie trifft die kleinen und mittleren Veranstalter der Kulturszene hart.
Das Veranstaltungsverbot aufgrund der Corona-Pandemie trifft die kleinen und mittleren Veranstalter der Kulturszene hart.
Foto: Enzo Lopardo

Seit Mitte März steht das Kulturleben still. Und während andere Wirtschaftszweige nach und nach wieder Tritt fassen, sind die Aussichten für die Kultur düster. «Der Lockdown droht zum Knockdown zu werden, zahlreiche Existenzen sind bedroht. Die Befürchtung ist: In Sachen Lockerungen kommt die Kultur als Letzte dran.» Das schreiben sieben regionale Interessengemeinschaften der Kultur, darunter die Kulturlobby Winterthur, in einem offenen Brief an den Bundesrat.

Betroffen von Absagen, Schliessungen, Verschiebungen und mehr oder weniger totalem Einnahmenausfall seien Kulturinstitutionen, Veranstaltungsorte und -agenturen, Kulturschaffende aller Sparten und zahllose Beschäftigte des Kultursektors und verwandter Bereiche: Gastronomie, Technik, Grafik, Vermittlung usw. – mit oft schon vor Corona prekären Anstellungsverhältnissen. Die Notmassnahmen des Bundes und der Kantone seien zwar rasch und unbürokratisch aufgegleist worden; sie könnten aber nur die akuten Erwerbsausfälle zumindest teilweise auffangen, schreiben die Kulturschaffenden.

Forderung nach Planungs- und Rechtssicherheit

Schwieriger sei die Lage mittelfristig. Am 29. April hat der Bundesrat Anlässe mit über 1000 Personen weiterhin verboten. Das schafft Klarheit für die grossen Events, aber nicht für die überwiegende Mehrheit kultureller Veranstaltungen. «Konzerte, Theateraufführungen, Lesungen, Filmdrehs, Vernissagen etc. können höchstens provisorisch geplant werden. Für international vernetzte Projekte verunmöglichen die geschlossenen Grenzen erst recht jede seriöse Perspektive. Freischaffende stehen auch auf längere Sicht ohne Aufträge da. Veranstalter sind gezwungen, ins Blaue hinaus zu planen», heisst es im offenen Brief.

Deshalb fordert die Kulturlobby Winterthur zusammen mit den sechs anderen regionalen Interessengemeinschaften nun eine möglichst rasche Klärung: Welche Fristen gelten für mittlere und für kleine Anlässe? Wann fällt der Entscheid über das geltende Verbot von Versammlungen über fünf Personen? Wie sieht die Perspektive für die Wiederaufnahme der Probenarbeit aus? «Die Kulturszene steht in ihrer grossen Mehrheit hinter den Schutzmassnahmen des Bundesrats und trägt sie solidarisch mit. Aber sie braucht dringend einen Planungshorizont und Rechtssicherheit», heisst es im Brief weiter.

Weiteres Massnahmenpaket verlangt

Ausserdem weisen die IG darauf hin, dass das erste Rettungspaket am 20. Mai endet. Der Lockdown der
Kultur drohe aber weit über dieses Datum hinaus anzudauern. Deshalb sei ein zweites
Massnahmenpaket nötig. «Kunstschaffende und Institutionen sind ein wesentlicher Teil unseres
geistigen Wohlbefindens und brauchen jetzt eine klare zeitliche und finanzielle Perspektive, damit sie
planen und ihre Existenz sichern können», schliesst der offene Brief an den Bundesrat.

Drei Optionen für die Musikfestwochen-Tickets

Durch das bundesrätliche Verbot für Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen bis Ende August sind auch die 45. Musikfestwochen betroffen, die vom 5. bis 16. August geplant waren: Sie mussten abgesagt werden; «sehr schweren Herzens», wie die Organisatoren schrieben. Nun haben diese über die Erstattungsoptionen für die bereits gekauften Tickets für das Hauptwochenende informiert.

Und zwar gibt es für die Ticketkäuferinnen und -käufer drei Möglichkeiten: Über die Plattform www.seetickets.ch können sie entweder eine vollumfängliche Rückerstattung des Ticketpreises verlangen, eine Teilrückerstattung, bei welcher der Betrag, der als Spende an die Musikfestwochen gehen soll, individuell festgelegt werden kann, oder den gesamten Ticketbetrag spenden.

PD/ani