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Der Waffenhändler und das KunsthausKunst diente ihm als Eintrittskarte

Eine Studie zeigt auf, wie der Waffenhändler Emil Bührle mit Nazideutschland geschäftete und sich in Zürich etablierte.

Emil Bührle als Kunstsammler.
Emil Bührle als Kunstsammler.
 Archivfoto: Dmitri Kessel, Time Inc.

Die Geschichte des Kunsthauses Zürich ist eng mit jener des Waffenhändlers Emil Bührle (1890–1956) verbunden. Bührle, der mit der Wiederaufrüstung Deutschlands reich wurde, finanzierte einst den ersten Erweiterungsbau des Kunsthauses. Nun soll nächstes Jahr noch ein Erweiterungsbau des Kunsthauses fertig werden.

Es gelte, Platz für Bührles Kunstsammlung zu schaffen, hiess es im Abstimmungskampf. Im Wissen um die heikle Verbindung von Kunst und Kriegsgeschäften gaben Stadt und Kanton Zürich eine historische Studie bei der Universität Zürich in Auftrag. Nun liegt sie vor – und legt dar, was es mit Bührles Waffen- und Kunstgeschäften auf sich hatte.

Verdeckte Wiederaufrüstung Deutschlands

1924 schickte die Magdeburger Werkzeug- und Maschinenfabrik Bührle nach Zürich. Er sollte die Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon (WO) sanieren und auf Waffenproduktion umstellen. Ziel war die verdeckte Wiederaufrüstung Deutschlands, das nach dem Ersten Weltkrieg keine Kriegsindustrie mehr haben durfte. Für Bührle begann eine steile Karriere: Die WO wuchs unter seiner Führung zum grössten Unternehmen der Schweizer Rüstungsindustrie. Und Bührle, der 1937 den Schweizer Pass erhielt, war bald der reichste Mann der Schweiz.

Emil Bührle mit Maschinengewehr in einer Publikation der Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon von 1945.
Emil Bührle mit Maschinengewehr in einer Publikation der Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon von 1945.
Foto: PD

«Bührle war ein Opportunist», sagte der Historiker Matthieu Leimgruber gestern bei der Präsentation der Studie «Kriegsgeschäfte, Kapital und Kunsthaus». Er verkaufte Waffen, wo es ging. Ab 1940 bis kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs waren fast ausschliesslich Nazideutschland und seine Verbündeten die Kunden der WO. Das brachte ihr 540 Millionen Franken ein – und machte 70 Prozent des damaligen Kriegsmaterialexports der Schweizer Rüstungsindustrie aus.

Christian Schwarzenegger, Prorektor der Universität Zürich, Stadtpräsidentin Corine Mauch und Matthieu Leimgruber, Professor für Geschichte der Neuzeit, (von links) am Dienstag vor den Medien.
Christian Schwarzenegger, Prorektor der Universität Zürich, Stadtpräsidentin Corine Mauch und Matthieu Leimgruber, Professor für Geschichte der Neuzeit, (von links) am Dienstag vor den Medien.
Foto: Keystone

Vermögen wuchs von 8 auf 162 Millionen

Bührle war auch an der deutschen Rüstungsfirma Ikaria beteiligt, die Zwangsarbeiterinnen einsetzte. Aus dieser Beteiligung kassierte er 870’000 Franken. Sein Vermögen wuchs im Zeitraum 1938 bis 1945 von 8 Millionen auf 162 Millionen Franken.

Er baute damit eine Kunstsammlung von Weltrang auf. Darunter befand sich auch Raubkunst, die er nach dem Krieg ihren legitimen Besitzern zurückgeben musste, um sie dann zum Teil erneut zu kaufen. 1940 nahm die Sammlungskommission des Kunsthauses Zürich Bührle auf. Er spendete zwei Millionen Franken für die erste Kunsthaus-Erweiterung. Auch der sozialdemokratisch geprägte Stadtrat begrüsste sein kulturelles Engagement. Es verschaffte ihm Anerkennung bei den Zürcher Eliten – und trug dazu bei, dass das Kunsthaus Zürich zu einem Museum mit nationaler Ausstrahlung wurde.

Nach 1945 orientierte Bührle sich nach Westen: Nun verkaufte er den USA Waffen für den Korea-Krieg. Und kaufte in den New Yorker Galerien reichlich Kunst ein. Die Sammlung Bührle wuchs auf rund 600 Werke. Ihr Wert wird heute auf drei bis vier Milliarden Franken geschätzt. Sie soll zum Prunkstück des neuen Zürcher Kunsthaus-Erweiterungsbaus werden.

Die Sammlung Bührle kommt ins neue Zürcher Kunsthaus.
Die Sammlung Bührle kommt ins neue Zürcher Kunsthaus.
Foto: Matthias Scharrer