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150 Jahre Stadthaus WinterthurKunstvoller Tempel der Demokratie oder unzweckmässiger Luxus?

Mit einer ganztägigen Gemeindeversammlung wurde vor 150 Jahren das Winterthurer Stadthaus «eröffnet». Auf eine offizielle Einweihung des stolzen Gebäudes wurde jedoch verzichtet. Warum?

Ein monumentaler «Tempel der Demokratie»: Holzstich des Stadthauses von 1895.
Ein monumentaler «Tempel der Demokratie»: Holzstich des Stadthauses von 1895.
Bild: Müller (1895), aus «Winterthur in Wort und Bild» von Alexander Isler

Mit einem nüchternen Inserat lud Stadtpräsident Johann Jakob Sulzer die stimmberechtigten Winterthurer auf den Sonntag, 30. Oktober 1870, morgens um 9.30 Uhr zur Versammlung in den Gemeindesaal des Stadthauses ein. Einzig das damals verfasste Protokoll wies auf den historischen Moment hin: Zum ersten Mal fand nämlich die Versammlung im neuen Stadthaus statt.

Angesichts der Überfülle an Traktanden – von der erneuten Beratung des im Frühling zurückgewiesenen Budgets über den Lohn der Kanzlisten bis zum Abriss des oberen wie unteren Bogens an der Marktgasse – kam kaum Feststimmung auf. Auf die Versammlung der Politischen Gemeinde folgte die Kirchen- und die Bürgerversammlung, sodass der neue Saal den ganzen Tag in Anspruch genommen wurde – ein ziemlicher Marathon. Was heute undenkbar wäre: Weder Ansprachen noch Apéros feierten die Einweihung des eindrücklichen Stadthauses. Obwohl ein programmatischer Bau der Demokratie, gab es keinen Tag der offenen Türe oder eine festliche Eröffnung. Ein Zufall?

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