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Chlorothalonil-Rückstände im GrundwasserWiesendangen benötigt mehr Wasser aus Winterthur

Der Messwert eines weiteren Fungizid-Abbaustoffs im Pumpwerk Rietacker liegt deutlich über dem Grenzwert. Nun muss der Stadtrat entscheiden, ob Wiesendangen mehr unbelastetes Wasser erhält.

Das Pumpwerk Rietacker liegt zwischen Sportplatz und dem Dorf Wiesendangen.
Das Pumpwerk Rietacker liegt zwischen Sportplatz und dem Dorf Wiesendangen.
Foto: Marc Dahinden

Der Anteil der sogenannten Chlorothalonil-Sulfonsäure im Wiesendanger Pumpwerk Rietacker war bereits im letzten Sommer gemessen worden und sorgte für Schlagzeilen: Damals betrug er 0,59 Mikrogramm/Liter, fast das Sechsfache des kantonalen Grenzwerts für Abbaustoffe des mittlerweile verbotenen Fungizids Chlorothalonil. Noch höher waren die Werte damals nur in Neftenbach (0,66), Seuzach (0,89) und Trüllikon (0,91).

Bereits seit letztem August hat die Gemeinde deshalb den Wasserbezug des Pumpwerks Rietacker «stark reduziert», wie Präsident Urs Borer (FDP) an der Versammlung vom Montagabend vor 70 Stimmberechtigten sagte. Stattdessen bezog man mehr unbelastetes Wasser aus Winterthur. Bis dahin war das Rietacker die Hauptbezugsquelle für Trinkwasser in Wiesendangen.

Um über das 13-Fache überschritten

Nun hat der Kanton Ende März erneut im Rietacker gemessen. Dieses Mal mit neuen Messgeräten, die sieben weitere Abbaustoffe, sogenannte Metaboliten, nachweisen können. Ergebnis: Zwei der acht Metaboliten liegen über dem Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter. Deutlich darüber liegt der Metabolit mit dem technischen Namen R471811. Im Wiesendanger Pumpwerk fand der Kanton davon 1,387 Mikrogramm pro Liter Grundwasser. Aber auch die bereits bekannte Sulfonsäure liegt nach wie vor über dem Grenzwert mit 0,27 Mikrogramm/Liter.

Seit den neuesten Messungen bezieht die Gemeinde nun so viel Wasser aus Winterthur, wie sie vertraglich maximal darf, also 1’100 Kubikmeter pro Tag. «Durch diese Abmischung wird der Grenzwert der Sulfonsäure eingehalten», sagte Präsident Borer zur Versammlung.

Zum Vergleich: Der durchschnittliche Wasserverbrauch pro Tag in der ganzen Gemeinde liegt bei rund 1'200 Kubikmeter pro Tag. An Spitzentagen (Sommer, Trockenheit) können es laut Gemeindeschreiber auch deutlich mehr sein.

Trinkwasser weiterhin unbedenklich

Es fehlt aber an genügend Winterthurer Wasser, um den Metaboliten R471811 so zu verdünnen, um den Grenzwert einzuhalten. «Wir wollen deshalb mehr Wasser aus Winterthur und sind in entsprechenden Verhandlungen.» Am Ende muss der Winterthurer Stadtrat darüber entscheiden. Ziel ist, eine so hohe Menge an Wasser zu erhalten, damit das Rietacker nicht mehr genutzt werden muss. Borer rechnet mit Mehrkosten von rund 120’000 Franken für das zusätzliche Winterthurer Wasser. «Das wird sich auch im Wasserpreis niederschlagen», sagte er.

Der Konsum von Wiesendanger Trinkwasser sei aber gemäss kantonalen und nationalen Fachstellen weiterhin unbedenklich. Der strenge Richtwert rührt vor allem daher, dass zu den Abbaustoffen noch keine Studien existieren. «Bisher konnten die Abbaustoffe gar nicht gemessen werden, es ist also eine vorsorgliche Massnahme», sagte Borer.

Taskforce ins Leben gerufen

Der Gemeindepräsident erwähnte an der Versammlung zudem, dass die Gemeinde bereits 2017 die Grundwasserschutzzone rund um das Rietacker vergrössert und dabei die Richtlinien für das Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln in diesem Bereich «massiv verschärft» hat.

Borer hatte zudem über den Gemeindepräsidentenverband eine Taskforce aus Fachleuten und Behördenmitgliedern zum Thema angeregt, welche die Baudirektion nun ins Leben gerufen hat. Unter anderem sind der Leiter der Werke Wiesendangen, Pascal Leutenegger, und ein Gemeinderat aus Hettlingen dort vertreten.

Alle Traktanden angenommen

Zuvor hatte die Versammlung sämtliche Traktanden der Politischen Gemeinde einstimmig und diskussionslos angenommen. Darunter auch der Verkauf von 1336 Quadratmeter Bauland in Gundetswil an den Höchstbietenden. Rund eine Million Franken hat der Gemeinderat für den Verkauf budgetiert, darunter will er nicht verkaufen.

Ebenfalls diskussionsarm und ohne grosse Opposition verlief die anschliessende Versammlung der Schulgemeinde mit ebenfalls 70 Stimmberechtigten. Sämtliche Traktanden kamen durch. Die Jahresrechnung 2019 war denn auch rekordverdächtig gut. Das Ergebnis konnte das Budget um knapp 4,2 Millionen Franken übertreffen. Dies vor allem wegen eines Landverkaufs an der Breitenstrasse.

Lediglich eine einzige Gegenstimme musste die Schulbehörde entgegennehmen: bei der Bauabrechnung des Schulhauses Dorf II. Der Kredit von 7,365 Millionen Franken für das vor zwei Jahren eröffnete Schulhaus konnte nicht eingehalten werden. Am Ende kostete der Bau rund 7,7 Millionen Franken. Dies vor allem, weil das Planerbüro aus Winterthur gewisse Kosten in der Offerte nicht aufgeführt hatte.