Jetzt dirndln auch wir

Wenns ums Oktoberfest geht, werden wir zu Münchnern. Aber dürfen wir das, ist das nicht «kulturelle Aneignung»?

Rätselfrage: Wo befindet sich diese Kleiderstange? a) in München, b) in Zürich, c) in Shanghai. Foto: iStock

Rätselfrage: Wo befindet sich diese Kleiderstange? a) in München, b) in Zürich, c) in Shanghai. Foto: iStock

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Das Zürcher Oktoberfest ist ja Tradition inzwischen. Eine importierte zwar, aber eine weitherum akzeptierte. Oktoberfest, das klingt schon fast so vertraut wie Halloween.

Aber aussehen tut es seltsam dieses Jahr. Überall diese Dirndl! Im Warenhaus, im Schaufenster des Schweizer Heimatwerks, auf der Strasse ... Man schaut und staunt und fragt sich bang: Dürfen wir das?

Es ist ja kompliziert geworden mit den fremden Kulturen. Blackfacing liegt nicht mehr drin, ein weisser Otello mit schwarzer Farbe im Gesicht wird sofort ausgebuht. Der Film «The Lion King» löste Diskussionen darüber aus, ob der Umgang mit den schwarzen Stimmen der Tiere nun korrekt sei oder nicht doch ein wenig übergriffig. Und Neo-Direktoren an allen Schauspielhäusern dieser Welt legen Wert auf Diversity im Ensemble: Geht ja gar nicht, dass ein Nicht-Türke den Türken gibt.

«Auch Justin Trudeau sähe sicher reizend aus in einem Dirndl.»

Kulturelle Aneignung, das haben wir inzwischen gelernt, ist falsch. Und wir ziehen die Konsequenzen daraus: Scarlett Johannson hat ihre Rolle als Transgender-Mann wieder abgegeben, sie ist echt zu wenig transgender dafür. Und der kanadische Premier Justin Trudeau hat sich wortreich und öffentlich entschuldigt, weil er bei einem Kostümball vor fast zwanzig Jahren ein Aladin-Kostüm und dunkle Schminke trug.

Nur bei der Wahl einer schwarzen Schauspielerin für die Neuverfilmung des Disney-Klassikers «Arielle» ist nicht ganz klar geworden, wer hier was nicht darf: Ist es ein Problem, dass eine Schwarze eine rothaarige weisse Nixe darstellt? Oder eher, dass wir uns eine rothaarige weisse Nixe nicht als Schwarze vorstellen können?

Vielleicht müsste diese Arielle einfach ein Dirndl tragen statt eines Fischschwanzes. Auch Scarlett Johansson sähe reizend aus darin, und Justin Trudeau bestimmt ebenfalls. Wenn man schon fast nichts mehr darf, soll man wenigstens das tun, was noch erlaubt ist.

Erstellt: 20.09.2019, 16:05 Uhr

Oktoberfest

Wann und wo?

In München wird das 186. Oktoberfest am 21. September um 12 Uhr mittags eröffnet, wenn der Oberbürgermeister das erste Fass Bier anzapt.

In Zürich läuft bereits seit dem 18. September die «Wiesn» im Hauptbahnhof. Während in München bis zum 6. Oktober sechs Millionen Gäste erwartet werden, wird in Zürich noch etwas länger gefeiert, am HB bis zum 12. Oktober. Und am 10. Oktober geht das Oktoberfest auf dem Bauschänzli überhaupt erst los, dort wird bis zum 9. November ausgeschenkt.

Während das Original in Bayern also rund 2 Wochen dauert, können sich die Zürcher von Mitte September bis anfangs November fast 2 Monate lang dem Gerstensaft widmen.

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