Deutsche Promi-Magazine boomen

Jérôme Boateng hat eins, Barbara Schöneberger auch: ein eigenes Magazin. Diese boomen in Deutschland. Gibt es in der Schweiz bald die «Christa»?

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Während viele Printtitel mit Leserschwund kämpfen, boomen Persönlichkeitsmagazine. Deutsche Prominente erfüllen sich mit ihrem eigenen Heft Träume – und die ihrer Fans. Zuletzt Fussballer Jérôme Boateng mit dem Hochglanzheft «Boa». Davor Designer und TV-Moderator Guido Maria Kretschmer mit der «Guido» oder Allroundtalent Barbara Schöneberger mit der «Barbara».

Hinter den genannten Magazinen steht der Hamburger Verlag Gruner + Jahr. Sabine Grüngreiff, Leiterin der Markenkommunikation, erklärt sich den Erfolg der Promi-Magazine mit der Sehnsucht der Menschen nach Identifikation. Die Promis ihrerseits betonen, wie viel ihrer Persönlichkeit sie preisgeben für die Hefte. «Da steckt viel Guido drin», sagte etwa Guido Maria Kretschmer zu Vip.de. «Genau dieses Subjektive spricht die Menschen an», so Grüngreiff zur «Deutschen Welle».

Guido und Co. teilen mit ihrer Leserschaft Mode, Lifestyle, Rezepte, Interviews mit anderen Stars, Styling-Tipps, Shopping-Tipps. Und doch hat jedes Magazin einen eigenen Zugang zu Geschichten und so zum jeweiligen Publikum.

Ein Idol für jeden Lifestyle

So geht es bei Boa um Sport und gesellschaftliche Vielfalt – der Vater des Fussballers stammt aus Ghana. Boateng möchte sein Heft unter anderem dafür nutzen, um Rassismus zu thematisieren, auch jenen, den er selbst erlebt hat. Zum Lifestyle von Boateng gehört aber auch viel Konsum. Boa, wie er auf dem Platz genannt wird, ist als Stilikone bekannt. Sein Geschmack ist teuer.

Das zeigt auch die erste Ausgabe seines Magazins. Ein Journalist hat sich durch die dort abgegebenen Kaufempfehlungen gerechnet. Er kam auf satte 121'005,60 Euro. Das Zielpublikum sind laut Verlag modebewusste, urbane Männer zwischen 20 und 40 Jahren, die Sport und Statussymbole mögen. Darin eingeschlossen sind die sogenannten Digital Natives, also jene Jungen, die unter Umständen sogar gänzliche «Printneulinge» sind, weil sie Medieninhalte vornehmlich online beziehungsweise über soziale Medien konsumieren.

Jérôme Boateng stellte sich kurzerhand in einen Späti und verkaufte dort die Erstausgabe seines Magazins «Boa». Quelle: Instagram

Die «Barbara» hingegen soll «mutige, selbstbewusste Frauen zwischen 30 und 55 Jahren» ansprechen, «die über ihr nicht ganz perfektes Leben auch einfach mal lachen können.» Und das «garantiert ohne Diät, Work-out und To-do-Listen», liest man in einer Ankündigung des Heftes, welches 2015 erstmals erschien.

Als Frauenmagazin wird auch die «Guido» angepriesen, und zwar als erstes mit Männernamen. Sie soll den Frauen ein gutes Gefühl geben, sagt Chefredaktorin Brigitte Huber dem Fashion Network. «Eine von euch» lautet der Claim. Guido Maria Kretschmer spielt dabei die gewohnte Rolle der beratenden besten Freundin und lässt, wie im TV-Format «Shopping Queen», Frauen mit ihren Outfits gegeneinander antreten.

Gibt es bald die «Christa»?

Spricht dieses Konzept auch hierzulande Lesende an? Ein Blick in die Schweizer Magazinlandschaft zeigt: Einheimische Hefte, hinter denen eine bestimmte Persönlichkeit steht, gibt es bisher keine auf dem Markt. Bei Ringier Axel Springer Schweiz verfolge man den Trend aber aufmerksam, sagt Urs Heller, der seit vierzig Jahren beim Verlag tätig ist, bis Ende Jahr noch als Leiter Publikumsmedien. Vor allem das Magazin «Barbara» habe ihn verblüfft: «Frau Schöneberger gibt für diesen Titel aber auch wirklich alles.»

Heller ist sich nicht sicher, ob man in der Schweiz einen Promi von vergleichbarem Format als «role model» finden würde. Es dränge sich gerade niemand auf, auch nicht Christa Rigozzi oder Roger Federer. Zudem sei der Schweizer Markt viel kleiner als der Deutsche, das schmälere die Erfolgsrechnung.

Wie lange die Persönlichkeitsmagazine auf dem deutschen und dem deutschsprachigen Markt bestehen werden, wird sich erst zeigen. «Am Ende entscheidet immer, was der Leser sagt», sagt Sabine Grüngreiff der Deutschen Welle. Einen Leser aus der Schweiz hat der neueste Wurf des Hamburger Verlagshauses jedenfalls bereits – «Ich gehe jetzt mal ‹Boa› kaufen», schreibt Heller.

Erstellt: 13.11.2018, 19:44 Uhr

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