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Landluft-KolumneLeicht
asymmetrisch
durchs Weinland

Mein Smartphone sammelt emsig Daten von mir. Und ich lese daraus, was ich will.

Fliegen Kühe durch die Luft, ist Landluft-Zeit.
Fliegen Kühe durch die Luft, ist Landluft-Zeit.
Illustration: Ruedi Widmer

Kürzlich hat mir mein smartes, handliches Telefon eine Mitteilung aus seinem tiefsten Innern zugestellt: Heute Nacht werde auf dem Gerät ein Update gemacht. Für mehr Systemstabilität oder so. Soll es doch. Das Handy macht eh, was es will. Und nach den klammheimlichen Aktualisierungen zur nächtlichen Stunde bemerkt man sowieso meist gar nicht, was jetzt genau anders, neu, besser sein soll.

Diesmal war es anders. Nach einer Wanderung durchs Weinland schaute ich kurz vor Winterthur auf die Gesundheits-App mit dem roten Herzen drauf. Wie viele Kilometer hatte ich schon in meinen Knochen? 16,5 Kilometer. Nicht schlecht, fand ich. «Da gönn ich mir doch ein Dessert heute Abend, vielleicht ein Stück Quarktorte. Oder zwei.»

«Schritte», «Strecke» und «Treppensteigen»: Nebst dem Bekannten sammelt mein Handy neuerdings noch mehr Daten über mich. So erfuhr ich von meinem 2,3 prozentigen asymmetrischen Gang. Wie bitte? Ich ein partielles Hinkebein? «Bei einem gesunden Gangbild», belehrte mich mein vorlautes Smartphone, sei die Schrittdauer bei jedem Fuss sehr ähnlich. Bei asymmetrischem Gang werde ein Fuss prozentual schneller oder langsamer als der andere Fuss belastet. Je niedriger der Prozentwert, desto gesünder der Gang. Aha.

«Ungleichmässige Gangbilder, etwa Hinken, können ein Symptom für Krankheiten, Verletzungen und andere gesundheitliche Probleme sein.» Gut, dass ich das jetzt weiss. Mehr noch: Meine bipedale Abstützungsdauer beträgt im Mittel 27,5 Prozent. Das ist beim Gehen der prozentuale Anteil der Zeit, in der beide Füsse Bodenkontakt haben. Mmh, ist das genug Bodenhaftung? Oder doch schon abgehoben?