Die verrücktesten Doping-Rechtfertigungen

Chinas Schwimmstar Sun Yang sorgte jüngst am Sportgerichtshof für eine der bizarrsten Anhörungen. Ausgefallene Ausreden aber haben Tradition.

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Sun Yang ist ein moderner Sportler. 33 Millionen Fans vereint der chinesische Schwimm-Olympiasieger auf dem sozialen Netzwerk Weibo. Darum war es für Sun nur logisch, seine neuerliche Dopingaffäre (2014 war er in einem umstrittenen Fall rückwirkend drei Monate gesperrt worden) vor Publikum verhandelt zu haben. Seine Anhörung vor dem Internationalen Sportgerichtshof war am letzten Wochenende öffentlich. Verhandelt wurde, weil der 27-Jährige und seine Mutter vor 14 Monaten in seinem Haus eine Blutprobe von einem Wachmann mit dem Hammer zertrümmern liessen. Der Internationale Schwimm-Verband wollte ihn dafür nicht belangen, die Welt-Anti-Doping-Agentur zog den Fall weiter.

Sun Yang lieferte eine zweiteilige Begründung für die Hammerattacke. Er habe a) nur die Blutprobe aus dem Behälter entfernen wollen, da die Kontrolleurin diesen habe mitnehmen wollen. Denn b): Die Autorisierung für den Test habe gefehlt, ergo habe er sicherstellen wollen, dass die Proben sein Anwesen nicht verlassen würden. Das Urteil wird 2020 erwartet. Wie immer es ausfällt: Suns Argumentation ergänzt eine lange Liste an kreativen bis erstaunlichen Rechtfertigungen. Sechs Beispiele.

Adri van der Poel: Der Schummel-Schwiegerpapa

Mathieu van der Poel gilt als der nächste Topstar des Radsports. Sein Vater Adri zählte in den 1980ern und 90ern zu den Grossen. Van der Poel senior war auch ein toller Querdenker. Als man ihm 1983 nach einem Sieg ein Aufputschmittel nachweisen konnte, erklärte er: Sein Schwiegervater habe seine Renntauben damit noch ein bisschen schneller gemacht. Dummerweise habe der Schwiegervater diese gedopten Tauben auch für einen Fleisch-Kuchen benutzt und ihm vorgesetzt. Diese Begründung fanden die Dopingbekämpfer einfach nur logisch. Sie aberkannten ihm einzig jenen Sieg.

LaShawn Merritt: Viel Ärger mit dem Penis

LaShawn Merritt konnte einfach nicht widerstehen, ein Penisverlängerungsmittel zu kaufen. Bloss blieb der Olympiasieger über 400 m von 2008 dann in Dopingkontrollen hängen. Der Amerikaner wurde statt für 24 allerdings nur für 21 Monate gesperrt. Der Grund: Merritt konnte glaubhaft belegen, dass sein Urin tatsächlich vom Mittel getrübt war. Er kam an der WM 2011 zurück und lief zu seiner schnellsten Zeit und zur Silbermedaille. Auch weil ihm seit jener Geschichte viele Insider auf den (hautengen) Wettkampfbody starrten, sagte er: «Die Strafe kann nicht überdecken, wie peinlich und erniedrigt ich mich fühle.»

Daniel Plaza: Oral-Sex mit Happy End

Überhaupt sollen immer wieder die Genitalien bzw. deren Gebrauch zu Dopingverstössen führen. So erklärte der US-Topsprinter Dennis Mitchell nach seinem zu hohen Testosteronwert 1998, quasi Dauer-Sex mit seiner Frau gehabt zu haben. Damit kam er nicht durch – aber in einem ähnlichen Fall der Geher Daniel Plaza. Der spanische Olympiasieger von 1992 wies vor den Spielen 1996 minime Spuren von Nandrolon auf. Er sagte, seine schwangere Frau oral befriedigt zu haben und dabei kontaminiert worden zu sein. Plaza wurde zwei Jahre gesperrt. 2006 kassierte das oberste spanische Gericht das Urteil, weil es Plazas Begründung für die plausibelste aller plausiblen hielt.

Shawn Barber: Nie mehr zweifelhafter Damenbesuch

In die Kategorie «seltsame Dopingfälle, die keine sind», gehört auch die Causa von Shawn Barber, dem Stabhochsprung-Weltmeister von 2015. Barber fiel an den kanadischen Trials 2016 mit Kokain durch. Nur: Barber hatte zuvor auf einer einschlägigen Internetseite nach einer «gesunden Professionellen» inseriert. Eine Dame bot sich an, man verlustierte sich in Barbers Hotelzimmer. Allerdings hatte der andere Profi davor gekokst – und Barber sich minime Spuren beim Küssen einverleibt. Barber verlor seinen nationalen Titel und auch ein bisschen an Ansehen.

Koreas Fussballerinnen: Ein Blitzschlag ist der Täter

Gleich fünf Fussballerinnen aus Nordkorea wurden 2011 an der WM auf ein Steroid getestet. Die eigenen Funktionäre wussten natürlich auch, warum: Man hatte ihnen ein Sekret vom Moschushirsch verabreicht, weil die Spielerinnen von einem Blitz getroffen worden seien. Die Fifa fand die Erklärung wenig überzeugend, sperrte die Spielerinnen bis zu 18 Monaten und den Teamarzt für sechs Jahre.

Ross Rebagliati: Passiv-Kiffen mit Albtraum

Der Kanadier Ross Rebagliati darf sich erster Snowboard-Olympiasieger nennen. An den Spielen 1998 siegte er im Riesenslalom. Weil man in seinem Test aber Reste von Cannabis fand, wurde er umgehend disqualifiziert. Rebagliati erklärte, es handle sich um die Folgen von Passivrauchen. Wieder zu Gold kam er aber aus anderem Grund: Das IOK handelte nach dem eigenen Medical Code, der Cannabis verbot. Für eine Sperre hätte es aber einer Vereinbarung mit dem Snowboardverband bedurft, die es nicht gab. Folglich blieb Rebagliati als Pionier positiv in Erinnerung. 2013 stieg er mit einem Partner übrigens ins boomende Cannabis-Business ein.

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Erstellt: 19.11.2019, 18:17 Uhr

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