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Was wir lesenLeif Randt: «Allegro Pastell»

Das Buch ist auf faszinierende Weise unangenehm, genau so wie sich die Gegenwart anfühlt.

Foto: DM

Nichts ist schwieriger, als die Gegenwart zu verstehen. Täglich werden wir vom eigenen Leben überfallen, es bleibt kaum Zeit zum Nachdenken, das Gehirn hinkt meist staunend hinterher.

Dem Schriftsteller Christian Kracht gelang das Kunststück in «Faserland» auf geniale Weise: Wer Mitte der Neunzigerjahre das damals erschienene Buch las, konnte praktisch beim Lesen aufschauen, um das im Roman geschilderte Lebensgefühl vor den eigenen Augen zu sehen.

Nun frage ich mich: Warum habe ich «Allegro Pastell» von Leif Randt erst jetzt gelesen, fast ein Jahr nach seinem Erscheinen? Denn so, genau so wie Randts Figuren, lieben, fühlen, denken und reden heute fast alle Männer und Frauen in einem bestimmten städtischen Milieu (kleine Einschränkung: Das Buch wurde vor der Pandemie geschrieben). Mit einem Wahnsinnsgespür für Details wird aus wechselnden Perspektiven die Liebesgeschichte erzählt von Jerome Daimler, Jahrgang 1982, von Beruf Webdesigner, und der etwas jüngeren Tanja Arnheim, einer angesagten Schriftstellerin. Wenn die zwei nicht arbeiten, gehen sie in Restaurants und an Partys; sie besuchen Freunde, nehmen Drogen, reisen und haben viel Sex. Ständig schreiben sie sich kluge und lustige Textnachrichten, die allerdings auch nicht verhindern, dass ihre Beziehung zwischendurch mal ein bisschen weniger ist als mehr.

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