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Kolumne LomoLektion im Schüttstein

Selbst wenn nichts Essbares herauskommt: In jedem Gekoche stecke zumindest eine Lektion fürs nächste Jahr, findet der «Landbote»-Kolumnist.

Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass uns auch das neue Jahr was auf den Teller knallt, das selbst mit dem grössten Optimismus nicht mehr schönzureden ist.
Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass uns auch das neue Jahr was auf den Teller knallt, das selbst mit dem grössten Optimismus nicht mehr schönzureden ist.
Foto: Archiv

In irgendeinem Lebensberater steht, man solle bei jedem Restaurantbesuch immer auch noch etwas bestellen, das man noch nicht kennt. So erweitere man spielend den eigenen kulinarischen Horizont. Ich mache es genau so. Allerdings nicht beim Restaurantbesuch, sondern beim eigenen Kochen.

Egal, was eigentlich das Menü sein soll, immer koche ich in einem weiteren Pfännchen noch etwas, von dem ich selbst nicht recht weiss, was es sein soll. Auch so erweitert man den Horizont, wenn auch nicht immer im Sinne der Familie. «Wer hat das erfunden?», hat mein Jüngerer mal bei einem meiner Zusatzgerichte gefragt, und der Ton, in dem er es gefragt hat, liess klar erkennen, dass ihn weniger freudige Neugier als vielmehr empörtes Erstaunen umtrieb.

«Ich bin ja sonst sehr gegen Verschwendung, insbesondere was Esswaren betrifft.»

Mich hingegen spornt das an, mir das nächste Mal noch mehr Mühe zu geben. So wie gestern, als ich mich endlich an jenes Gemüse wagte, das ich bisher nie mochte und dessen Namen ich darum auch gar nicht verrate, denn schliesslich möchte ich hier keine Naturprodukte schlechtreden.

Scharf in Butter angebraten hab ich es, mit einem Schuss Sherry abgelöscht, im Sud köcheln lassen, probiert, mit Honig und Gewürzen abgeschmeckt, probiert, am Ende noch mit Rahm veredelt, probiert und herausgefunden: Es war immer noch ungeniessbar.

Ich bin ja sonst sehr gegen Verschwendung, insbesondere was Esswaren betrifft. Drum schaute ich denn auch noch lange nachdenklich in die Pfanne und dachte an all die Zeit und die edlen Zutaten, die in ihr ob meinem Experiment verbrutzelt waren, und dann schmiss ich das Ganze in den Schüttstein.

Positiv denken, offen und tolerant sein

Trotzdem hab ich das Gefühl, dass in meinem Gekoche wenn auch nichts Essbares, dann wenigstens eine Lektion fürs neue Jahr stecken könnte: So wichtig es ist, aus allem das Beste zu machen, positiv denkend, offen und tolerant zu sein – es ist trotzdem ziemlich wahrscheinlich, dass uns auch das neue Jahr was auf den Teller knallt, das selbst mit dem grössten Optimismus nicht mehr schönzureden ist.

Kann gut sein, dass wir es sogar selber angerichtet haben. Dann sollten wir uns nicht noch zusätzlich Vorwürfe machen, sondern sagen: «Ich wünsche zwar, es wär anders, aber das hier jetzt grad ist einfach nur Sch…» Dann schmeissen wir es weg und fangen wieder neu an. In diesem Sinne: Es guets Nois! Ich geh jetzt wieder kochen.