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Kommentar zum SVP-PräsidiumMarco Chiesa wird nicht Parteichef, nur Blochers Aussenminister

Der Überraschungskandidat aus dem Tessin ist für die SVP eine Chance. Die Frage ist nur, ob Marco Chiesa eines Tages mehr werden will als das Sprachrohr der informellen Parteiführung um die Familie Blocher.

Ueli Maurer, Toni Brunner und Albert Rösti gaben sich mit einem Präsidium light zufrieden. Würde das ihr designierter Nachfolger Marco Chiesa auch tun?
Ueli Maurer, Toni Brunner und Albert Rösti gaben sich mit einem Präsidium light zufrieden. Würde das ihr designierter Nachfolger Marco Chiesa auch tun?
Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

Marco wer?

Der Kandidat für das SVP-Präsidium, den die Findungskommission aus dem Hut gezaubert hat, ist ausserhalb des Tessins praktisch unbekannt. Es gab auch keinen Grund, ihn kennen zu müssen: Chiesa war in der nationalen Politik bislang völlig unbedeutend.

Trotzdem könnte sich der 45-jährige Tessiner für die SVP als Glücksfall erweisen. Dass er beim Volk ankommt, hat er bewiesen: 2015 etwa, als er einem Parteikollegen den Nationalratssitz abjagte. Und 2019, als er sensationell einen der Tessiner Ständeratssitze eroberte, auf welche bisher die CVP und die FDP abonniert waren.

Die Frage ist, ob Chiesa vielleicht Ambitionen entwickelt, richtiger Parteichef zu werden.

Wer über Chiesas Kandidatur dumme Sprüche macht, vergisst zudem, dass die SVP keine normale Partei ist. In SP, FDP oder CVP prägen die jeweiligen Vorsitzenden die politische Linie substanziell. In der SVP jedoch sind dem formellen Parteipräsidenten andere Rollen zugedacht: Gegen innen ist er Motivator und Antreiber. Gegen aussen ist er Verkäufer. Schon Chiesas Amtsvorgänger Ueli Maurer, Toni Brunner und Albert Rösti gaben sich mit einem solchen Parteipräsidium light zufrieden.

Die fundamentalen Entscheide werden von anderen vorgespurt. Teilweise vom Parteileitungsausschuss, in dem Chiesa nur eines von neun Mitgliedern ist. Vor allem aber von der Familie Blocher. Je älter Vater Christoph wird, desto stärker übernimmt Tochter Magdalena die Funktion als informelles Parteioberhaupt.

In dieser Konstellation könnten sich Magdalena Martullo-Blocher und Marco Chiesa gut ergänzen. Er bringt genau jene Qualität mit, die sie nicht hat: den gewinnenden Auftritt. Absprechen können sie sich jeweils auf der Lenzerheide GR, wo beide – wie praktisch! – eine Zweitwohnung haben.

Die Frage ist nur, ob Chiesa auch längerfristig Martullo-Blochers Aussenminister spielen mag. Oder ob er eines Tages vielleicht die Ambition entwickelt, richtiger Parteichef zu werden.

Um das einschätzen zu können, weiss man über Marco Chiesa tatsächlich noch zu wenig.

107 Kommentare
    Alexander Wetter

    der Fall zeigt eben auch, dass Blocher & Co der SVP eher schadet als dient und nützt - er hat sicherlich mehrere Verdienste DAMALS : heute er hat immer noch nicht verstanden, dass seine Zeit vorbei ist - er kann der CH und SVP noch dienen, indem er sich von der Oeffentlichkeit und vorallem der Presse fern hält und eine neue jüngere sprachgewandte Generation von Juristen, Oekonomen mit Polititikwissenschaften bestens vertraut, fördert, die mit den Anforderungen der Zeit und Zukunft näher stehen als er selbst : mit ihm, und sein Zürcher Senioren Jass Club, verliert die SVP nur noch mehr Wähler