Bezirksgericht Meilen

32 Monate Gefängnis für Don Juan der Goldküste

Ein 54-Jähriger wird wegen mehrfachen Betrugs zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe verurteilt. Er hatte vier Frauen zu Darlehen über zehntausende Franken gebracht. Gemäss den Richtern war ihm grösstenteils bewusst, dass er das Geld nicht zurückzahlen kann.

Teure Uhren, schnelle Autos: Ein an der Goldküste lebender Deutscher hat Frauen reihenweise dazu gebracht, ihm Geld zu leihen. Dies ist dem 54-Jährigen nun zum Verhängnis geworden.

Teure Uhren, schnelle Autos: Ein an der Goldküste lebender Deutscher hat Frauen reihenweise dazu gebracht, ihm Geld zu leihen. Dies ist dem 54-Jährigen nun zum Verhängnis geworden. Bild: Symbolbild/Keystone

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Er hat den Frauen Liebe vorgespielt oder sie mit einem vermeintlich luxuriösen Lebensstil beeindruckt. So sehen es die Richter am Bezirksgericht Meilen. Sie verurteilen den beschuldigten Deutschen wegen mehrfachen Betrugs zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 32 Monaten. 12 Monate müsste der 54-Jährige absitzen. Für den Rest der Strafe gilt eine Probezeit von drei Jahren.Der Handwerker war mit seiner Firma in schwierige Gewässer geraten. Die Frauen, die er im Internet kennen lernte, waren in einer Liebesbeziehung mit ihm oder dachten es zumindest. Happig wird es für den Beschuldigten bezüglich Entschädigungen. Drei der Frauen muss er noch über 300 000 Franken zahlen – die Darlehen, die er noch nicht abbezahlt hat. Er betonte stets, dass er keine betrügerische Absicht gehabt habe, sondern das Geld zurückzahlen wollte.

In einem Fall glauben ihm die Richter. Bei einer Frau, der er über 200 000 Franken abgerungen hatte, unter anderem für einen Porsche, habe er demnach zu Recht angenommen, den grössten Teil der Gelder zurückzahlen zu können. Hatte er doch lange Fristen vertraglich vereinbart und noch verhältnismässig wenig Schulden von etwa 60 000 Franken. Die Firma habe zu jener Zeit noch mit grösseren Zahlungen von Kunden rechnen können. Nur bei einer Zahlung von 22 000 Franken sehen die Richter in diesem Fall eine arglistige Täuschung. Die Rückzahlungsfrist betrug bloss zwei Tage und er musste sich schon bewusst sein, dass eine grössere Rechnung nicht mehr beglichen wird.

Bezüglich der Klagen der drei anderen Frauen sprechen die Richter aber klar von Betrug. Der Beschuldigte habe das enge Vertrauensverhältnis ausgenutzt und 2011 beispielsweise behauptet, er könne 150 000 Franken in zwei Monaten zurückzahlen. Dabei sei längst klar gewesen, dass keine grossen Beträge mehr an die Firma fliessen würden. Die Schulden waren schon in die Hunderttausende gestiegen, auch weil er andere Darlehen nicht zurückgezahlt hatte.

Unbedingte Geldstrafe

Verurteilt wurde der Deutsche auch wegen Vernachlässigung der Unterhaltspflichten und einer groben Verletzung der Verkehrsregeln. Er hatte die Zahlungen für seinen Sohn während Jahren nicht getätigt. Über 100 000 Franken sah die getrennt lebende Mutter nie. Zähneknirschend gestand der Beschuldigte am Prozess ein, dass er aus verletztem Stolz gehandelt habe. Die Kindsmutter habe ihm den Kontakt verweigert. Zur Zahlung verpflichtet sei er aber sowieso, mahnte ihn der Richter. Zudem war er einmal bei Schaffhausen mit 97 km/h in der 60er-Zone unterwegs. Zusammen brachte ihm das eine unbedingte Geldstrafe von 270-mal 50 Franken ein.

Weniger als vielleicht erwartet schenkten die 14 Vorstrafen aus Deutschland ein, viele wegen Betrug. Nur zwei davon wären nach Schweizer Recht noch nicht gelöscht worden, so der Vorsitzende. Entsprechend wurden die meisten nicht berücksichtigt. Nur wenig sprach für den Beschuldigten. Die Dauer des sehr gründ­lichen Strafverfahrens war aber ungewöhnlich lang. Die ersten Taten gehen auf das Jahr 2008zurück. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Erstellt: 25.05.2018, 16:20 Uhr

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