Küsnacht

«Manchmal war der Dreh etwas unheimlich»

Die zwölfjährige Luna Mwezi aus Küsnacht spielt im Film «Platzspitzbaby» die Tochter einer Drogenabhängigen. Im Gespräch verrät sie, wie sie zu der Hauptrolle kam und was sie am Filmset gelernt hat.

Luna Mwezi im Platzspitzpark. Also an dem Ort, wo sich vor 25 Jahren die offene Drogenszene versammelte.

Luna Mwezi im Platzspitzpark. Also an dem Ort, wo sich vor 25 Jahren die offene Drogenszene versammelte. Bild: Sabine Rock

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Wie bist du zur Rolle der Mia in «Platzspitzbaby» gekommen?
Nachdem ich 2015 den Film «Schellen Ursli» gesehen hatte, wollte ich auch einmal in einem Film mitspielen. Also haben mich meine Eltern in einer Agentur angemeldet. Ein paar Jahre später wurde ich dann angefragt, ob ich am Casting für den Film «Platzspitzbaby» teilnehmen will.

Was hat dir beim Dreh meisten Spass gemacht?
Alles, einfach alles. Das Zusammenarbeiten mit dem Cast und der Crew, aber auch das Durchspielen der Szenen und natürlich mit Sarah Spale spielen zu können. Da der Dreh lange dauert, wird man dann fast zu einer kleinen Familie.

In einer Szene springt Mia von einer hohen Brücke in einen Fluss – da bist nicht du selbst gesprungen, oder?
Nein, ich hätte mich das nicht getraut – das war eine Stuntwoman. Aber die Szene, wo ich wieder auftauche, habe ich selbst gespielt. Das haben wir in der Limmat gefilmt und selbst das brauchte Überwindung. Es war ultra-kalt. Unter den Kleidern trug ich einen Neopren-Anzug. Pierre [Anm. d. Red. Monnard, Regisseur des Films] sagte dann zu mir, ich solle mir einfach vorstellen, ich würde Sushi essen – mein Lieblingsessen.

Video: Der Trailer zum Film «Platzspitzbaby»

Video: PD/Ascot Elite Entertainment Group.

Wie hast du die Szenen mit Sarah Spale, die deine drogenabhängige Mutter spielt, erlebt?
Die Zusammenarbeit mit Sarah war sehr cool. Es kam immer auf die Szene an – durch die Maske und ihr Verhalten in der Rolle war es manchmal ziemlich unheimlich, um ehrlich zu sein. Ich konnte von ihr lernen, sie hat mir viele Tipps gegeben.

War dir vor dem Filmdreh der Name «Platzspitz» ein Begriff?
Nein. Ich wusste nicht, dass es in Zürich eine der grössten öffentlichen Drogenszenen gab. Es war auch sehr komisch, sich vorzustellen, dass so viele Menschen am Platzspitz Drogen konsumierten. Auch von Michelle Halbheers Buch «Platzspitzbaby» hatte ich noch nie gehört. Unterdessen habe ich aber Michelle kennengelernt. Vor dem ersten Treffen war ich nervös; ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Es war mir eine Ehre, sie zu treffen. Als ich sie besser kennenlernte, konnten wir auch über die Sachen sprechen, die sie erlebt hat.

Luna Mwezi spielt die 11-jährige Mia im Film «Platzspitzbaby». Sarah Spale (Mitte) spielt die drogensüchtige Mutter. Bild: PD/Ascot Elite Entertainment Group.

Inwiefern konntest du dich denn mit deiner Rolle identifizieren?
Es hat geholfen, Emotionen rauszulassen. Zum Teil waren das eigene Emotionen, manchmal war ich aber einfach Mia und habe den Moment als sie erlebt. Die ersten paar Male war das etwas anstrengend und neu. Zu Hause konnte ich dann aber wieder abschalten.

Wie siehst du Mias Entscheidung, trotz der Abhängigkeit ihrer Mutter und den daraus folgenden Problemen bei ihr bleiben zu wollen?
Ich verstehe Mia gut. Sie liebt ihre Mutter. Sie weiss auch, dass ihre Mutter sie liebt, aber die Drogen dazwischenkommen. Die Geschichte ist eigentlich über eine Mutter-Tochter-Beziehung. Mia will alles machen, um ihre Mutter von den Drogen wegzubringen. Aber sie schafft es nicht.

Du hast für den Film zudem das Titel-Lied «Ich gibe nöd uf» aufgenommen. Wie hast du diesen Prozess erlebt?
Gesangs-Coaching per se hatte ich dann gar nicht, aber Dana [Anm. d. Redaktion Burkhard ], die das Lied geschrieben hat, hat mir geholfen. Weil ich mich noch nicht so richtig getraut habe, hat sie das Lied erst vorgesungen. Später haben wir es dann zusammen gesungen, und ich auch alleine.

Video: Luna Mwezi singt den Titelsong «Ich gibe nöd uf»

Wie war es, dich zum ersten Mal gross auf der Leinwand zu sehen?
Das war sehr komisch. Aber ich interpretier das so, dass nicht ich das auf der Leinwand bin – das ist Mia. Das hilft mir, mich etwas davon zu distanzieren.

Hast du denn bereits ein weiteres Projekt als Schauspielerin?
Momentan habe ich noch kein nächstes Projekt. Aber ich will weitermachen. Ich habe durch meine Erfahrung bei «Platzspitzbaby» auch viel gelernt, etwa wie es auf einem Filmset zu und her geht. Der Regisseur und Sarah haben mir auch gesagt, dass ich weiter machen soll. Das ist natürlich motivierend. Nun bin ich gespannt, wie die Reaktionen auf den Film ausfallen werden.






Erstellt: 15.01.2020, 11:13 Uhr

Der Drogenhölle entwachsen

Es war ein Schandfleck, der weltweit für Schlagzeilen sorgte: Der Zürcher Platzspitz, die Drogenhölle mitten in der Stadt. Zürich. Junge Menschen, die sich einen Schuss setzen, im Dreck liegen, vor sich hindämmern. Tote immer und immer wieder.Der Film «Platzspitzbaby» setzt an im Zürich von 1995 und zeigt die Folgen der offenen Drogenszene aus der Perspektive eines Kindes (Mia) und seiner drogensüchtigen Mutter. Inspiriert ist der Film von der gleichnamigen Autobiografie von Michelle Halbheer. Mia und Michelle sind zwar nicht identisch, aber Michelle Halbheer teilt ein ähnliches Schicksal wie das der Film-Hauptrolle. Der Kinostart in der gesamten Deutschweiz ist am Donnerstag. Auch in der Region ist der Film zu sehen: Anlässlich der Filmpremiere von «Platzspitzbaby» organisiert das Männedörfler Kino Wildenmann diesen Samstag ein Film-Special, bei dem Buchautorin Michelle Halbheer, Regisseur Pierre Monnard und Hauptdarstellerin Luna Mwezi anwesend sein werden.

Samstag, 18. Januar, 16.30 Uhr, Kino Wildenmann, Männedorf.

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